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27.11.2012

18:17 Uhr

Attraktive Steuersätze

Europa, das Steuerparadies für Unternehmen

VonChristian Ramthun

Nicht nur Luxemburg und die Schweiz gelten als europäische Steueroasen. Eine ganze Reihe von EU-Staaten buhlt mit steuerlichen Lockvogelangeboten um Kundschaft. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble reißt die Hutschnur.

In Europa gibt es viele Länder, die mit attraktiven Steuersätzen um Unternehmen buhlen. © lekcets - Fotolia.com Fotolia.com

In Europa gibt es viele Länder, die mit attraktiven Steuersätzen um Unternehmen buhlen.

© lekcets - Fotolia.com

DüsseldorfDie Internet-Adresse ist britisch, das Geschäft ebenso. Amazon.co.uk erwirtschaftete im vergangenen Jahr vier Milliarden Euro in Großbritannien. Doch für den dortigen Fiskus ist das weltgrößte Online-Versandhaus ein Nichts. Denn Amazon hat seinen britischen Ableger als reinen Auslieferungsbetrieb deklariert, die Gewinne fließen ins Großherzogtum Luxemburg. „Indem wir unsere Europa-Zentrale in Luxemburg ansiedeln, erwarten wir im Laufe der Zeit einen attraktiveren Steuersatz“, erklärte der Konzern im Jahr 2006 unumwunden. Und so kam es auch.

Mitten in Europa gedeihen Steuerparadiese, die durchaus mit anrüchigen karibischen Eilanden konkurrieren können. Auf dem weltweiten Finanzgeheimnis-Index des Tax Justice Network landet Luxemburg auf Platz drei; davor liegen nur noch die Schweiz und die Cayman Islands. Die Nichtregierungsorganisation schätzt, dass 13 Prozent des Geldes, das weltweit in Steueroasen versteckt ist, in Luxemburg lagert. Selbst die Zyprioten, die ihre Insel offen als Steueroase anpreisen, bezeichnen das Großherzogtum zwischen Deutschland und Frankreich als einen ihrer härtesten Konkurrenten.

Attraktive Steuersätze : Europa, das Steuerparadies für Unternehmen

Attraktive Steuersätze

Europa, das Steuerparadies

Nicht nur Luxemburg und die Schweiz gelten als Steueroasen für Unternehmen.

Nicht nur Luxemburg und Zypern, eine ganze Reihe von EU-Staaten buhlt mit steuerlichen Lockvogelangeboten um Kundschaft. Die Zwergstaaten Malta, Andorra und Monaco sind genauso dabei wie Irland mit einem attraktiven Steuersatz von 12,5 Prozent für Unternehmen; die Niederlande machen sich für Holdings interessant, Belgien wiederum lockt mit der Möglichkeit, das Eigenkapital mit einem fiktiven Zinssatz zu belasten, um so die Steuerlast zu senken.

Steuerhinterziehung quer durch die Gesellschaft

Nebeneinkünfte verheimlichen

Insbesondere Empfänger von Sozialleistungen wie Hartz IV können in die Versuchung geraten, Steuern und Abgaben zu sparen, indem sie Nebeneinkünfte nicht erklären.

Werbungskosten überhöhen

Eine typische Art des Steuernsparens bei Angestellten ist das Aufblasen der Werbungskosten, denn dies drückt die Steuerlast.

Schwarzarbeit

Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber versuchen immer wieder Steuern zu sparen, indem sie ihre Tätigkeit nicht offiziell anmelden.

Konten im Ausland

Wer hohe Einnahmen hat, muss nach deutschem Steuerrecht auch viel abgeben. Gerne wird deshalb versucht, am deutschen Fiskus vorbei Geld auf Konten ins Ausland zu schaffen.

Wahl des Produktionsstandorts

Die Produktion an einen Standort zu verlegen, wo die steuerlichen Rahmenbedingungen günstig sind, ist legitim. Illegal wird es dann, wenn dort nur eine Briefkastenfirma eingerichtet wird.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) reißt inzwischen die Hutschnur. Zusammen mit dem britischen Schatzminister George Osborne startete Schäuble beim jüngsten G20-Finanzministertreffen eine Initiative gegen die „Aushöhlung“ des Steuersystems. Selbst die freisinnigen Briten, die bisher viel von Steuerwettbewerb gehalten haben und derzeit ihren Unternehmensteuersatz von 26 auf 22 Prozent schrittweise senken, sehen ihre Staatseinnahmen durch noch niedrigere Steuersätze anderswo in der EU gefährdet. Auf rund eine Billion Euro jährlich schätzt EU-Steuerkommissar Algirdas Šemeta die Ausfälle, die den 27 EU-Staaten durch Steuerhinterziehung und aggressive Steuergestaltung entstehen.

Kommentare (48)

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Tom

27.11.2012, 18:42 Uhr

Es wird einfach Zeit diese Länder durch den weiteren Ankauf von Steuer(-hinterzieher)-CDs endlich mal an die Klippe zu führen. Es wird Zeit diese Länder mal an den Rand des Abrundes zu führen, damit das dämliche Steuerunterbieten ein Ende hat - zumindest in der EU.
Wenn in Griechenland "keine" Steuen mehr gezahlt werden, dann darf man sich doch nicht wundern das der Staat handlungsunfähig wird und inzwischen ist. Aus der Sicht sind die Rettungsüberweisungen doch nichts anderes als Steuern der EU für die nicht gezahlten Steuern der dortigen Unternehmen. Da muß´man sich doch nur einmal die Steuereinnahmen von Griechenland einmal angucken.
Internationale Unternehmen steuern ihren Gewinn noch oft in die Steueroasen. Apple, Amazon, Starbuck...sind doch nur ganz aktuelle Beispiele. Nur weil die Unternehmen weniger Steuern zahlen werden die Produkte doch nicht billiger, vielmehr führt das zu Windfall-Gewinne...
Wie das Problem jedoch nachhaltig gelöst werden könnte, sehe ich EU weit nur durch eine Angleichung der Steuersätze.

Simpel

27.11.2012, 19:08 Uhr

Welch eine Grundeinstellung zu Staat und persönlicher Freiheit steckt hinter so einem Kommentar? Ist es nicht eher so, dass Staaten, die wirtschaften können, attraktiv sind für Investoren und solche, die es nicht können, eher gemieden werden? Steuern zahlen ist kein Grundrecht, sondern eine Grundlast!

Account gelöscht!

27.11.2012, 19:19 Uhr

Auch in Deutschland können Ausländer steuerfreie und anonyme Konten eröffnen.
Also was soll das heuchlerische Geheule ?
Wer zahlt schon freiwillig zuviel Steuern !? Das widerspricht doch jeder Wirtschaftlichkeit einer Unternehmensführung.
Schafft ein paar Steuersparanreize in Deutschland und schon sind sie alle hier. Als damaliger Finanzminister hatte Steinbrück die Abgeltungssteuer eingeführt und musste sich für die Höhe von nur 25% (+Soli) von der linken Liga kritisieren lassen. Er sagte damals sinngemäß: ...lieber 25% von den Gewinnen, als 50% von nichts ! Auch damals war Steinbrück schon SPD-Mitglied !! Gefahr erkannt - Gefahr gebannt !

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