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30.09.2016

12:56 Uhr

Auch Obama bei der Trauerfeier

Abschied von Schimon Peres

Auch nach seinem Tod bringt Schimon Peres die Menschen zusammen: Obama nutzt die Trauerfeier in Jerusalem, um zu einem neuen Anlauf für den Frieden aufzurufen. Netanjahu und Abbas geben sich die Hand.

Trauerfeier in Jerusalem

Das sagt Barack Obama über Schimon Peres

Trauerfeier in Jerusalem: Das sagt Barack Obama über Schimon Peres

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JerusalemBei einer emotionalen Trauerfeier haben Gäste aus aller Welt am Freitag in Jerusalem Abschied von Schimon Peres genommen. US-Präsident Barack Obama rief in seiner Ansprache vor rund 3000 Gästen zur Fortsetzung der Friedensbemühungen des israelischen Altpräsidenten auf. „Die Verantwortung liegt in den Händen der nächsten Generation Israels“, sagte Obama auf dem Nationalfriedhof Herzl-Berg, während im Publikum Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas saßen. Netanjahu und Abbas, die sich seit Jahren nicht auf ein Treffen einigen konnten, hatten zuvor kurz gesprochen und sich die Hand gegeben.

Netanjahu würdigte den israelischen Altpräsidenten als „einen der größten Anführer unseres Volkes“. Peres habe sein Leben dem Kampf für eine Friedensregelung mit den Palästinensern gewidmet. Israels Staatspräsident Reuven Rivlin beschrieb Peres' Tod als „riesigen persönlichen und nationalen Verlust“. Er bedeute das Ende der „Ära der Giganten“.

Die Trauerfeierlichkeiten fanden unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Rund 8000 Polizisten waren im Einsatz. Zentrale Straßen in Jerusalem wurden gesperrt, ebenso wie die Autobahn zwischen Tel Aviv und Jerusalem. Mehr als 90 Delegationen aus 70 Ländern waren angereist. Deutschland wurde unter anderem von Bundespräsident Joachim Gauck vertreten. Neben Spitzenpolitikern aus aller Welt kamen auch der britische Prinz Charles und der spanische König Felipe VI.

US-Präsident Barack Obama am Sarg des verstorbenen Schimon Peres. AP

Trauer in Jerusalem

US-Präsident Barack Obama am Sarg des verstorbenen Schimon Peres.

Peres habe die Erfüllung seines Traums vom Frieden nicht mehr miterleben dürfen, sagte Obama. Der Friedensnobelpreisträger war am Mittwoch im Alter von 93 Jahren gestorben, zwei Wochen nach einem schweren Schlaganfall. Peres habe begriffen: „Die Juden sind nicht dazu bestimmt, über ein anderes Volk zu herrschen“, sagte Obama. Gleichzeitig kritisierte er, dass zu viele junge Araber von klein auf zum Hass auf Israel erzogen würden.

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Schimon Peres ist gestorben. Noch kurz vor seinem Tod sprach der Friedensnobelpreisträger in einem Exklusiv-Interview mit dem Handelsblatt über den Kampf gegen den Terror, Frieden in Nahost – und das Älterwerden.

Peres galt als Architekt der Friedensverträge zwischen den Israelis und den Palästinensern. Er wurde dafür 1994 gemeinsam mit dem damaligen israelischen Regierungschef Izchak Rabin und PLO-Chef Jassir Arafat mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Der damalige US-Präsident Bill Clinton beschrieb Peres als Menschen, der Hoffnung spendete und Menschen zusammenbrachte. „Seine Kritiker haben ihn oft als naiven überoptimistischen Träumer bezeichnet. Sie lagen nur falsch mit dem naiven Teil“, sagte er in seiner Trauerrede.

Die vorerst letzten Friedensverhandlungen unter US-Vermittlung brachen allerdings im Jahr 2014 zusammen. Damals war Peres noch Israels Präsident. Netanjahu stufte Peres als „einen der größten Anführer unseres Volkes“ ein. Israels Staatspräsident Reuven Rivlin beschrieb Peres' Tod als „riesigen persönlichen und nationalen Verlust“. Er bedeute das Ende der „Ära der Giganten“.

Nach den Ansprachen wurde Peres beigesetzt. Zum Auftakt der Zeremonie war der Sarg von Militärangehörigen auf die Friedhofsanlage getragen worden, während ein Militärrabbiner jüdische Trauergebete rezitierte. Dem Sarg folgte die Familie von Peres mit Kindern, Enkeln und Urenkeln. Die drei erwachsenen Kinder von Peres verabschiedeten sich in emotionalen Reden von ihrem Vater.

Zitate zum Tod von Shimon Peres

US-Präsident Barack Obama auf der Internetseite des Weißen Hauses.

„Ein Licht ist ausgegangen, aber die Hoffnung, die er uns gegeben hat, wird für immer brennen.“

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton auf Twitter

„Ich werde meinen brillanten und wortgewaltigen Freund Schimon Peres vermissen. Sein Leben war ein Segen für alle, die sich um den Frieden bemühen.“

Der ehemalige britische Premier und ehemalige Sondergesandte des Nahost-Quartetts Tony Blair

„Schimon Peres war ein politischer Riese, ein Staatsmann, der als einer der führenden (Staatsmänner) dieser Epoche oder jeder Epoche dastehen wird, und jemand, den ich zutiefst geliebt habe.“

Der britische Historiker Niall Ferguson auf Twitter

„Schimon Peres stirbt im Alter von 93. Ein großer Mann. Aber auch zutiefst menschlich.“

Der republikanische US-Senator Ted Cruz auf seiner Internetseite

„Er war ein großer Patriot und wird sowohl in Israel als auch in Amerika vermisst werden.“

Der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto auf Twitter

„Ich bedauere den Tod des ehemaligen israelischen Präsidenten und Friedensnobelpreisträgers Schimon Peres. Unser Beileid an seine Familie und seine Landsleute.“

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte Peres als „großen Staatsmann und Visionär“ seines Landes. Merkel trug sich am Freitag in der israelischen Botschaft in Berlin in ein Kondolenzbuch ein und schrieb: „Ich bleibe dankbar für die Begegnungen mit diesem weisen, großherzigen und humorvollen Mann und für seinen Einsatz für die deutsch-israelischen Beziehungen nach dem Zivilisationsbruch der Shoah.“ Merkel fügte hinzu: „Er hat sich sein ganzes Leben für Frieden und Versöhnung eingesetzt und so den Menschen Hoffnung gegeben. Das ist sein Vermächtnis und unser Auftrag für die Zukunft.“

Auch Israels bekanntester Schriftsteller Amos Oz rief zur Fortsetzung des Kampfes von Peres um eine friedliche Lösung in Nahost auf. Eine Friedensregelung mit den Palästinensern sei nicht nur möglich, sondern notwendig, sagte der Autor. „Aber wo sind die Nachfolger von Peres?“, fragte Oz mit Blick auf die rechtsreligiöse Regierung in Israel.

Von

dpa

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