Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.04.2013

04:52 Uhr

Auf dem Times Square

Boston-Bomber wollten auch in New York zuschlagen

Als die mutmaßlichen Bombenleger von Boston gefasst wurden, waren sie auf dem Weg nach New York – mit sechs Bomben im Gepäck, bestimmt für den Times Square. Doch dann drohte das Benzin auszugehen.

Überbrachten den USA die Nachricht: New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg und Polizeivorsteher Raymond Kelly (im Hintergrund). ap

Überbrachten den USA die Nachricht: New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg und Polizeivorsteher Raymond Kelly (im Hintergrund).

New York„New York City stand als nächstes auf der Liste iher Ziele“, sagte New Yorks Bürgermeiser Michael Bloomberg an einer Pressekonferenz. Die neuen Details kamen während der Verhöre des überlebenden mutmaßlichen Bombenlegers von Boston zum Vorschein: Tamerlan und Dschochar Zarnajew hätten „weitere Sprengkörper auf dem Times Square“ zünden wollen. Der überlebende Tatverdächtige und sein Bruder seien von der Polizei geschnappt worden, als sie auf dem Weg nach New York gewesen seien.

Die beiden hätten in der Nacht zum vergangenen Freitag ein Auto gekapert, um sich mit sechs selbst gebauten Bomben in die Millionenmetropole aufzumachen, sagte New Yorks Polizeichef Ray Kelly. Während der Fahrt hätten sie ihre Pläne diskutiert. „Der Plan fiel aber in sich zusammen, als sie bemerkten, dass das von ihnen entführte Fahrzeug wenig Benzin hatte und sie dem Fahrer befahlen, an einer Tankstelle in der Nähe anzuhalten.“ Der Fahrer des Wagens sei dabei entkommen und habe die Polizei alarmiert. Das habe die Verfolgungsjagd ausgelöst, bei der der 26-jährige Tamerlan Zarnajew bei einer Schießerei getötet wurde. Der 19-jährige Dschochar wurde am Samstag schwer verletzt verhaftet.

Nach Anschlag: Boston-Bombenleger soll angeklagt werden

Nach Anschlag

Boston-Bombenleger soll angeklagt werden

Der Festgenommene konnte immer noch nicht zur Tat befragt werden.

Dschohar sei 16 Stunden in seinem Krankenhauszimmer vernommen worden, bevor er über seine verfassungsmäßigen Rechte belehrt worden sei. Er habe sofort aufgehört zu sprechen, als ein Richter und ein Vertreter der Bundesstaatsanwaltschaft hinzukamen und ihm seine Rechte zu schweigen und einen Anwalt hinzuzuziehen nannten, verlautete aus informierten Kreisen.

Wie die „New York Times“ und „Washington Post“ am Donnerstag berichteten, soll nicht nur die US-Bundespolizei FBI Tamerlan Zarnajew bereits lange vor dem Anschlag im Visier gehabt haben, sondern auch die CIA. Demnach hatte der US-Geheimdienst nach einer Anfrage russischer Behörden bereits 2011 ein Auge auf Zarnajew geworfen. Russland hätte befürchtet, dass es sich bei Zarnajew um einen zunehmend radikalisierten Islamisten handle. Doch wie bereits das FBI sei auch die CIA zum Schluss gekommen, dass er keine Verbindungen zu terroristischen Gruppen habe.

Dennoch sei Zarnajews Name auf zwei US-Terrorlisten geraten, die dazu dienten, die Regierung bei Auslandsreisen zu alarmieren, hieß es. Wie sich mittlerweile zeige, hätten russische und amerikanische Geheimdienste mindestens viermal Kontakt wegen Zarnajew aufgenommen, bevor dieser für sechs Monate nach Russland gereist sei. Nach seiner Rückkehr in die USA sei aber nicht weiter ermittelt worden.

Als eine Art Vorsichtsmaßnahme hatte die CIA Tamerlan Zarnajew in die Datenbank TIDE einfügen lassen, aus der andere Terrorlisten der Regierung gespeist werden. Auch andere Behörden wie das FBI seien informiert worden. Demnach hat der Eintrag aber verschiedene Schreibweisen von Zarnajews Namen sowie unterschiedliche Geburtsdaten beinhaltet. Das System schlug jedoch nicht Alarm, als Zarnajew im Januar 2012 nach Dagestan und Tschetschenien reiste. Grund war laut Zeitungsbericht die fehlerhafte Schreibweise seines Namens und die falschen Geburtsdaten, die von den Russen vorgegeben und dann von den Amerikanern entsprechend verwendet worden waren.

Das FBI hatte Zarnajews Namen auf eine zweite Terrorliste namens TECS gesetzt, die den Zoll automatisch über Ausreisen aus den USA informieren soll. Seine Flugreservierung habe bei der Ausreise einen Alarm ausgelöst, hieß es. Auf Bitten des FBI nach mehr Informationen über Zarnajew hätten russische Behörden nicht mit neuen Details reagiert. Wenig später aber hätten die Russen ihre Anfrage an die CIA übermittelt.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Peter

26.04.2013, 08:36 Uhr

Wie gehirngewaschen muss man sein um all diesen Schwachsinn zu glauben ???

Rumpelstilzchen

26.04.2013, 09:15 Uhr

Aus purem Anti-Amerikanismus solche Kommentare abzugeben ist unverschämt, vor Allem wenn man persönlich nicht betroffen ist! Ich bin gerade von einer Reise aus den USA zurück gekommen und habe unterwegs Fotos von Überwachungskameras in Boston gesehen, wie der 19-jährige Dschochar Zarnajew den Rucksack mit der Bombe wenige Minuten vor der Explosion vorsätzlich neben die Familie des getöteten, 8-jährigen Martin gestellt hat. Dessen 6-jähriger Schwester wurde ein Bein abgerissen, seine Mutter erlitt eine schwere Hirnverletzung durch die Schrapnelle der Bombe. Wer soll den Vater und Ehemann dieser Familie trösten, der als Läufer am Marathon teilgenommen hat? Dschochar Zarnajew hat diese Opfer aus eigenem Antrieb ausgwählt und dann ohne Mitleid mit den unschuldigen Kindern mit Hilfe einer Fernsteuerung gezündet! Ich bin kein Freund der Todesstrafe, aber wenn er von einem amerikanischen Zivilgericht verurteilt wird, habe ich mit diesem Scheusal kein Mitleid. Und ich habe kein Verständnis mehr für das Verniedlichen solcher Täter oder gar das Leugnen der Tat an sich - sei es in Artikeln oder in Kommentaren. Denn wer fragt eigentlich noch nach den Opfern und berichtet über deren Leid ?

Deadterrorist

26.04.2013, 10:29 Uhr

Erwachsene zu töten ist ja schon schlimm genug, aber die Bombe absichtlich neben eine Familie mit kleinen Kindern zu stellen... Da sieht man die Diskussionen über die Todesstrafe in einem ganz anderen Licht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×