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01.04.2012

19:21 Uhr

Auf Druck der Nachbarn

Putschisten stellen Wahlen in Aussicht

Die Putschisten in Mali zeigen ihre demokratische Seite und wollen kurz nach dem Staatsstreich Wahlen zulassen. Gleichzeitig wachsen die Probleme mit den Tuareg-Rebellen, die die Stadt Timbuktu eingenommen haben.

Putschisten-Hauptmann Amadou Haya Sanogo im Gespräch mit Journalisten in Bamako. dapd

Putschisten-Hauptmann Amadou Haya Sanogo im Gespräch mit Journalisten in Bamako.

BamakoZehn Tage nach dem Staatsstreich in Mali haben die Putschisten demokratische Wahlen in Aussicht gestellt. Unter dem Druck drohender Sanktionen westafrikanischer Nachbarländer erklärte der Anführer der Putschisten, Hauptmann Amadou Sanogo, von Sonntag an gelte wieder die Verfassung. Noch vor den Wahlen würden staatliche Einrichtungen ihre Arbeit wieder aufnehmen. In der Nacht zum Montag sollte ein Ultimatum des Regionalbündnisses Ecowas auslaufen, mit dem die Nachbarländer für eine Machtübergabe an eine zivile Regierung sorgen wollen. Eine Reaktion von Ecowas auf die Ankündigung Sanogos stand zunächst noch aus. Auch im Inland wuchs am Sonntag der Druck auf die Militärjunta.

Die aufständischen Tuareg machten sich unterdessen die Unruhe durch den Putsch in der Hauptstadt im Süden weiter zunutze, um ihre Übernahme eines riesigen Gebietes im Norden weiter voranzutreiben. Sie marschierten Bewohnern zufolge in die Sahara-Stadt Timbuktu ein, die ihnen für ihre vollständige Übernahme eines großen Landesteiles noch fehlt. Zuvor hätten Soldaten aus dem Süden ihre Posten verlassen, berichteten die Bewohner weiter. Nach eigenen Angaben haben die Rebellen Timbuktu vollständig eingenommen. Timbuktu und die ganze Region um die Stadt seien unter der Kontrolle der Aufständischen, erklärte die Nationale Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA) am Sonntag im Internet. Nach Angaben von Einwohnern nahmen die Tuareg-Rebellen die Stadt ein, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Augenzeugen berichteten am Telefon von vereinzelten Plünderungen vor allem in öffentlichen Gebäuden in mehreren Stadtteilen. Timbuktu war die letzte Stadt im Nordosten Malis, die noch von der Armee gehalten wurde. Die historische Stadt mit ihren 50.000 Einwohnern steht auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste.

Mit dem Staatsstreich gegen den bisherigen Präsidenten Amadou Toumani Toure am 22. März wollten die Putschisten eigentlich den Kampf gegen den Tuareg-Aufstand vorantreiben. Doch der Putsch hat die Rebellen in ihrem Kampf noch ermutigt: Bereits am Freitag eroberten sie die Stadt Kidal, am Samstag fiel die Garnisonsstadt Gao. Die Tuareg kämpfen für einen eigenen Wüstenstaat in einem Gebiet größer als Frankreich.

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