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04.06.2012

09:34 Uhr

Auf nach China

Europa macht Russland keinen Spaß mehr

VonChristian Bartels, Finn Mayer-Kuckuk, Mathias Brüggmann

Russlands Kremlchef besucht Chinas Präsidenten Hu Jintao. Im Mittelpunkt des Treffens stehen wirtschaftliche und politische Themen. Und das nicht zufällig: Denn in Moskau hat man von Europa schon lange die Nase voll.

Russlands Präsident Wladimir Putin: In China erwartet ihn ein herzlicher Empfang. AFP

Russlands Präsident Wladimir Putin: In China erwartet ihn ein herzlicher Empfang.

Moskau/Berlin/PekingEuropa ist für den neuen Kremlchef nur noch ein Ärgernis: Ständig muss sich der erst kürzlich zur dritten Amtszeit gestartete Wladimir Putin Ermahnungen aus der EU und den europäischen Hauptstädten anhören, er solle im Syrien-Konflikt einlenken. So wird beim Russland-EU-Gipfel heute in Putins Heimatstadt St. Petersburg wieder die Aufforderung aus Brüssel erklingen, endlich das Assad-Regime fallenzulassen.

Und nicht einmal das früher dem Kreml mächtig Freude bereitende Thema wachsender Gasverkäufe nach Europa macht Putin heute noch Spaß seit die Absatzmengen auf dem alten Kontinent stagnieren. Da trifft es sich gut, dass der Herrscher über das größte Land der Erde heute in den bevölkerungsreichsten Staat aufbricht. Dort erwartet Putin ein herzlicher Empfang. Denn in fast allen Politikbereichen sind die beiden Staaten derzeit durch gemeinsame Interessen verbunden.

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Vor allem zwei große Themen stehen ganz oben auf der Liste: Das eine ist die gemeinsame Haltung gegenüber der Außenpolitik der Amerikaner. Das andere ist der Handel mit Öl und Industriewaren. Um beides wird es bei dem Besuch Putins beim chinesischen Präsidenten Hu Jintao gehen, der am Dienstag beginnt. Obendrein vertreten beide Großreiche auf der Weltbühne eine gleichlautende Politik in den Großkonflikten um Syrien und Iran.

"Beide Länder lehnen eine Monopol-Macht ab, die sich in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einmischt", sagt Politologe Jia Qingguo von der Peking-Universität. Beide Seiten hätten zwar auch keine klare Vorstellung davon, wie ihre "multipolare" Weltordnung aussehen soll. "Aber beide bevorzugen ganz klar eine Politik der Nichteinmischung." Dahinter steht die Befürchtung, auch einmal zum Ziel eines Eingriffs der Weltgemeinschaft zu werden, wenn den USA die Politik nicht passen sollte.

Doch auch im Streitfall Iran sind Russland und China gemeinsame Weggefährten: Mit dessen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad treffen Putin und Hu sich auf dem Gipfel des sogenannten Schanghai-Kooperationsrates, einer fernöstlichen Verteidigungsallianz. Das Treffen ist pikant, weil es direkt vor der neuen Verhandlungsrunde der internationalen Gemeinschaft über Teherans Atomprogramm stattfindet.

Kommentare (9)

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NoHopeNoCashNoVision

04.06.2012, 10:45 Uhr

....und Recht haben Russen und Chinesen. Während Europa zerfällt, haben unsere Politiker nichts besseres zu tun, als auf das Syrische Regime einzudreschen. Europas technologischer Vorsprung ist-wenn überhaupt noch vorhanden- marginal. Was zeichnet uns noch aus? Menschenrechte, ethisch-moralische Prinzipien, Kultur/Kunst, Meinungsfreiheit? Pustekuchen.... unsere Polizei will demnächst Gummigeschosse gegen Demonstranten einsetzen. Sollten soziale Unruhen ausbrechen, dann wird das Demonstrationsrecht noch stärker eingeschränkt werden. Wir sollten der Realität ins Auge schauen. Europa ist auf dem absteigenden Ast.

Account gelöscht!

04.06.2012, 11:16 Uhr

Ja, dem kann ich nicht mehr hinzu fügen, außer dem, dass Europas Politiker total bekloppt sind, besonders der Hollande. Wrum sollen wir uns mit solchen Quatschköppen abgeben? Unsere Zukunft, unsere Partner sind im Osten, sind Russland, China, Südost-Asien, Indien.

Account gelöscht!

04.06.2012, 11:17 Uhr

In Westeuropa wird nichts Neues mehr gestaltet...es wird nur noch das Erreichte verwaltet und verteilt. Nicht einmal eine eigenständige Außen- und Sicherheitspolitik bekommt man auf die Reihe. Stattdessen folgt man immer schön brav der Meinung der "Weltmacht" USA.

In Osteuropa und in Asien sind Macher am Werke, so wie es in Deutschland in den 60er Jahren zu Zeiten des Wirtschaftswunders war. Man hält diesen Machern immer wieder Verstöße gegen Menschenrechte vor, vergißt dabei aber, dass in diesen Ländern ein gewaltiger Tranformationsprozess in Richtung Marktwirtschaft bewältigt und gesteuert werden muss. Das braucht eine konsequente Führung.

Putin hat Westeuropa mehrfach eine engere Zusammenarbeit angeboten. Man hat jedoch abgelehnt. Die großen Chancen, die ein vollständig geeintes Europa hätte, werden dabei ,zum Schaden nachfolgender Generationen, einfach nicht ergriffen.

Es ist also nur zu verständlich, daß Russland nun seinen eigenen Weg geht.

Ausserdem ist es sicherlich nicht falsch, wenn es ein Gegengewicht zur Natopolitik gibt. Man bedenke, die friedlichen demokratischen USA bringen gerade ihre Flotte im Pazifik in Stellung, um z.B. Birma vor der chinesischen Übermacht zu beschützen. Der wahre Grund dürften jedoch Wirtschaftinteressen sein, um auch die Märkte von morgen unter Kontrolle zu bringen. West-Europa hat man ja schließlich auch gut unter Kontrolle.

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