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19.01.2009

19:17 Uhr

Auf offener Straße erschossen

Russischer Anwalt bezahlt Mut mit dem Leben

VonGeorg Watzlawek

Der renommierte russische Menschenrechts-Anwalt Stanislaw Markelow ist am Montag mitten in Moskau mit einem Kopfschuss getötet worden. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft. Der Aktivist engagierte sich in brisanten Fällen. So hatte er auch die ermordete Journalistin Politkowskaja vor Gericht vertreten.

Auf offener Straße erschossen: Ermittler am Tatort des russischen Menschenrechtsanwalts Markelow. Foto: Reuters Reuters

Auf offener Straße erschossen: Ermittler am Tatort des russischen Menschenrechtsanwalts Markelow. Foto: Reuters

DÜSSELDORF. Markelow hatte vor einer Woche gegen die Begnadigung des Offiziers Jurij Budanow protestiert, der nach der Tötung eines tschetschenischen Mädchens zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt worden war. Allerdings blieb Markelows Intervention ohne Erfolg. Budanow war vergangenen Donnerstag auf freien Fuß gesetzt worden. Der 34-jährige Markelow hatte die Familie des Mädchens, aber auch die Kreml-kritische Reporterin Anna Politkowskaja vertreten – deren Ermordung auffällige Parallelen zur Hinrichtung des mutigen Juristen aufweist.

Der Fall von Elsa Kungajewa hatte zu Beginn des zweiten Tschetschenien-Krieges in Russland und später auch in Europa für Aufsehen gesorgt. Die 18-Jährige war von betrunkenen russischen Soldaten vergewaltigt und getötet worden. Ähnliche Verbrechen waren während des Tschetschenien-Krieges an der Tagesordnung - doch nur im Fall von Oberst Jurij Budanow kam es zu einer Anklage gegen einen hohen Offizier. Budanow hatte die junge Frau verdächtigt, eine Scharfschützin der tschetschenischen Rebellen zu sein, hatte sie brutal misshandelt und getötet. Wegen Mordes wurde er nach einem langen Gerichtsverfahren zu zehn Jahren Haft verurteilt. Markelow hatte die Familie Kungajewas vertreten, wie viele andere Opfer des Tschetschenien-Krieges auch. Wegen dieses Einsatzes auch vor dem vor dem Europäischen Menschengerichtshof in Straßburg war er mehrfach bedroht worden. Amnesty International machte schon 2004 auf seine prekäre Lage aufmerksam, nachdem er in der Moskau Metro überfallen worden war. Dennoch kritisierte Markelow immer wieder öffentlich die „Degradierung des Rechtssystems“ Russlands unter der Herrschaft von Wladimir Putin. Eine von ihm gegründete Nichtregierungsorganisation nannte er „Institut für die Vorherrschaft des Rechts“.

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