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23.06.2013

13:30 Uhr

Aufarbeitung des Datenskandals

Brit Brother is watching you

Nach Bekanntwerden der Lausch-Praktiken mauert die britische Politik so konsequent, dass der Sender BBC bei seiner Kritik auf eine deutsche Ministerin ausweichen muss. In London reagieren nur Internetaktivisten entsetzt.

Mutmaßliche Abhöranlagen in Großbritannien: Die Kritik am Abhörskandal fällt in Großbritannien eher milde aus. dpa

Mutmaßliche Abhöranlagen in Großbritannien: Die Kritik am Abhörskandal fällt in Großbritannien eher milde aus.

LondonSind Großbritanniens Dienste noch überwachungswütiger als ihre amerikanischen Kollegen? Dieser Vorwurf des durch den US-Datenskandal weltbekannt gewordenen Informanten Edward Snowden hat Politik und Medien in London am Wochenende bemerkenswert kühl gelassen. Der Bericht der Zeitung „Guardian“ vom Freitag löste - abgesehen von Netzaktivisten und Menschenrechtsorganisationen - wenig Reaktionen aus.

Fast wirkt es unter Kommentatoren aller Richtungen, als gebe es eine Art stilles Übereinkommen, dass harte Überwachungs-Maßnahmen in gefährlichen Zeiten angebracht sein könnten. Die Geheimdienste hätten es durch ihr Vorgehen geschafft, mehrere Terror-Zellen etwa in London und Luton aufzudecken, bevor diese ihre Anschlagspläne umsetzen konnten, hieß es beim Fernsehsender „Sky“. In der mit Überwachungskameras überzogenen britischen Hauptstadt ist die Erinnerung an die Terroranschläge auf die U-Bahn und einen Bus im Jahr 2005 mit mehr als 50 Toten und Hunderten Verletzten noch präsent.

Aus den obersten Reihen der Politik auf der Insel kam keine Reaktion, so dass der Sender BBC sogar an erster Stelle Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zitierte. Die FDP-Politikerin sprach von einem „Alptraum à la Hollywood“. Die britische Überwachungs-Agentur GCHQ (Government Communications Headquarters) sei noch „schlimmer als die USA“, hatte Snowden, bis vor kurzem noch IT-Spezialist im Dienst des US-Geheimdienstes NSA, behauptet.

Wer seit wann beim Schnüffelprogramm PRISM mitmacht

Microsoft

11. September 2007

Yahoo

12. März 2008

Google

14. Januar 2009

Facebook

3. Juni 2009

Paltalk

7. Dezember 2009

YouTube

12. März 2008

Skype

6. Februar 2011

AOL

31. März 2011

Apple

Oktober 2012

Dropbox

„Coming soon“

Drängender wird in London nun vor allem die Frage nach neuen Gesetzen im Zeitalter des explodierten Datenaustausches rund um die Welt. Die britische Regierung hatte schon vorvergangene Woche Vorwürfe zurückgewiesen, Informationen des US-Geheimdienstes NSA genutzt zu haben. Alles laufe im Rahmen der bestehenden Gesetze ab, hieß es offiziell.

Der international bislang nur Experten bekannte Geheimdienst GCHQ betonte auch mit Blick auf die neuesten Enthüllungen, man halte sich „kompromisslos“ an die juristischen Vorgaben. Dass das wohl stimme, schreibt selbst der „Guardian“, der mit seinen Berichten über Snowden vor zwei Wochen die Datenüberwachungs-Affäre mit bis dahin unvorstellbaren Ausmaßen losgetreten hatte. Das Blatt wirft die Frage auf, ob diese nicht deutlich zu weit interpretiert werden, wenn sie das Sammeln von derartigen Massen von Daten erlauben.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

23.06.2013, 14:12 Uhr

"Damals habe noch keiner ahnen können, in welchem Ausmaß die weltweite Datenmenge explodieren würde, und welche neuen Techniken den Geheimdiensten zum Sammeln zur Verfügung stehen könnten. "

Ja klar, und die Erde ist eine Scheibe.
Im Jahre 2000 war das so existent wie heute, und wer die 4 Grundrechenarten beherrscht konnte sich das auch damals ausrechnen. Die erste Vorstellung von TV-Internet war auf der Cebit in den 90ern (das Jahr weiss ich nicht mehr).
Aber die Strategie erstmal die nationalen Lobbyisten zu befriedigen und dann zu gucken wer davon noch was gebrauchen könnte, ist seit Jahren klar.

Internet ist doch wie Radio, hat das etwa keiner gewußt?

Ludwig500

23.06.2013, 14:19 Uhr

Der Technische Fortschritt führt zur Stasi 2.0. Kennzeichen aufschreibende und Gespräche notierende Spitzel braucht es nicht mehr, Abhören von Telekommunikation, allgegenwärtige Videoüberwachung, auch aus der Luft, machen es möglich. Die Eliten haben sich schon immer für den Pöbel interessiert. Nicht für seine Nöte und Sorgen, aber sehr ob ihm der Kragen zu platzen droht. Rebellierendes Volk stört beim Herrschen, das muss unterbunden und frühzeitig erkannt werden.

Also völlig verständlich, dass sich die Politluschen nicht über das aufregen, was ihre Macht sichert.

maximilian@baehring.at

23.06.2013, 14:24 Uhr

Wenn "nicht richtig zu ticken" bedeutet "ahead of time"
also "SEIENR ZEIT VORUAS" zu sein dann mag das bei Paranoikern zutreffen.

http://sch-einesystem.tumblr.com/post/52938553362/alles-paranoiiker

Wir haben

[ ] George Orwells 1984 gelesen

Wir kaufen

[ ] SmartTVs mit Gestenfernsteurung, zwecks welcher
diese sich der eingabauten Kamera und dem ebenfalls
serienmäßig verbauten WLAN-Internet bedient mit
welcher die gehackte "Skype" App von der NSA den
Wohnraum überwacht.

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