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26.07.2011

14:07 Uhr

Aufbau Süd

Sonderwirtschaftszonen sollen Griechenland-Wachstum ankurbeln

VonDietmar Neuerer

ExklusivGriechenland ist quasi pleite und liegt wirtschaftlich am Boden. Deutschland will helfen. Doch wie lässt sich der hoch verschuldete Staat auf Wachstumskurs bringen? Ökonomen raten zu Lockangeboten für Investoren.

Ein-Euro-Münzen. Quelle: dapd

Ein-Euro-Münzen.

DüsseldorfNach Einschätzung führender Ökonomen in Deutschland sind für Griechenland besondere Investitionsbedingungen nötig, um dem Land wirtschaftlich wieder auf die Beine zu helfen. „Anreize für Investitionen könnten etwa durch die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen geschaffen werden“, sagten die Konjunkturexperten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ansgar Belke und Christian Dreger, im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Belke sprach sich dafür aus, mit neuer finanzieller Unterstützung oder bestehenden EU-Mitteln neben kleine Vorhaben auch kleine und mittlere Unternehmen sowie Businessparks, Forschung und Entwicklung zu fördern. Auch Fördergelder zur Umschulung von Arbeitslosen sollten schneller fließen. „Die Kommission und die Mitgliedstaaten sollen Experten schicken, um die bisher oft schleppende Zuteilung der Fördergelder zu beschleunigen“, sagte der DIW-Experte. Dazu müssten womöglich auch Verwaltungsregeln in Griechenland geändert werden.

Im Strukturfonds seien für Athen für die Jahre 2007 bis 2011 insgesamt 20,2 Milliarden Euro reserviert. Davon seien jedoch EU-Kommission bislang erst 4,9 Milliarden Euro. Belke hält es zudem für nötig, die griechischen Behörden in die Lage zu versetzen, „sinnvolle Projekte zu identifizieren“ und in Brüssel die Finanzierung zu beantragen. Auch dabei sollten Experten aus Brüssel, aber auch aus den Mitgliedsstaaten künftig helfen.

Der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, sieht ebenfalls in der Verbesserung der Investitionsbedingungen einen wichtigen Schlüssel für die Belebung von Wachstum. Dies erfordere Reformen überall dort, wo die staatlichen Institutionen nicht wie gewünscht funktionieren, sagte Carstensen Handelsblatt Online. „Hier kann eine technische Unterstützung durch die EU durchaus sinnvoll sein, beispielsweise indem beim Aufbau eines Katasteramts geholfen wird“, erläuterte der Ifo-Ökonom. Erst wenn diese Reformen auf den Weg gebracht sind, könne über öffentliche Investitionsprogramme nachgedacht werden, betonte Carstensen. „Es ist nicht Ziel führend, das Geld der europäischen Steuerzahler in ineffiziente Strukturen zu stecken. Dies könnte sogar dazu führen, dass der Anpassungsbedarf in Griechenland vorübergehend nicht mehr so dramatisch aussieht und die notwendigen Reformen verschleppt werden.“

Kommentare (4)

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Stefan-L-Eichner

26.07.2011, 15:34 Uhr

Den Investoren soll der Gang nach Griechenland erleichtert werden, vor allem auch internationale Konzerne sollen zur Errichtung von Produktionsstätten angeworben werden, wegen der erheblichen Folgeeffekte für Zulieferer und der Anreiz soll sein, dass sie kostengünstig investieren können und billige Arbeitskräfte bekommen …

Dieses „Rezept“ wurde auf die heutigen EU-Schuldenstaaten im Rahmen der EU-Strukturpolitik und der nationalen Wirtschaftspolitiken seit mehr als 20 Jahren angewendet. Was damit erreicht wurde ist eine hohe Abhängigkeit des Wachstums und der wirtschaftlichen Stabilität von ausländischen Unternehmen und insbesondere Konzernen. Wenn die Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise, die erheblich zur Krise in den EU-Schuldenstaaten beigetragen haben, eines aufgedeckt haben, dann, dass dieses strukturpolitische Konzept für die Peripherie-Staaten der EU gescheitert ist (siehe dazu ausführlich: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2011/01/die-europaische-krise-teil-2-die-euro.html). Das, was hier also von den Ökonomen angeboten wird, ist alter Wein in neuen Schläuchen und ein Armutszeugnis.

Eine höhere wirtschaftliche Robustheit Griechenlands und anderer Peripherie-Staaten lässt sich nur erzielen, wenn man sich von diesem überkommenen Konzept restlos verabschiedet und sich daran macht, in den EU-Schuldenstaaten von innen heraus eine eigene, perspektivisch tragfähige Wirtschaft aufzubauen. Ein „Marshall-Plan“ für Griechenland, der in der hier im Artikel beschriebenen Weise als Investitionsförderprogramm für die deutsche Industrie angelegt ist, dient nicht dem Aufbau eines wirtschaftlich stabilen Griechenlands. Er wäre nichts anderes als ein Konjunkturprogramm für die deutsche Wirtschaft und für Griechenland keine Hilfe.

Account gelöscht!

26.07.2011, 16:48 Uhr

Griechenland fehlt alles, um diesen Plan zum Erfolg werden zu lassen: Bürokratiechaos, fehlende Rechtssicherheit, Bildungsdefizite der Bevölkerung, Infrastrukturprobleme usw. Und was wäre mit diesen Anreizen auch gewonnen, wenn gleichzeitig Portugal, Italien, Spanien und zum Teil sogar Frankreich ährnliche Programme brauchen? Und jetzt bitte nicht wieder "besser als nichts" fabulieren. Das wird mit dem Euro nix mehr in griechenland und dem Rest der Mittelmeerstaaten...

Account gelöscht!

26.07.2011, 17:04 Uhr

Gerade wir Deutsche können den Griechen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wir können stolz auf ein erfolgreiches Projekt blicken, genannt „neue Bundesländer“.

... „die Verbesserung der Investitionsbedingungen“
... „Es ist nicht Ziel führend, das Geld der europäischen Steuerzahler in ineffiziente Strukturen zu stecken“
... „weil hier normalerweise erhebliche Folgeeffekte auf Zulieferfirmen ausgehen“

o.g. Weisheiten habe ich aus dem Artikel kopiert, die allesamt Ratschläge für Griechenland geben wollen – obwohl sie keine Ahnung von dem haben, was sie da so sinnlos von sich geben.

Mit 1600 Milliarden Euro hat man in der DDR gerade mal 15% Arbeitslosigkeit erreicht und dies, obwohl schon fast alle im erwerbsfähigen Alter bereits weggemacht sind, gen Westen, Austria, Schweiz, USA etc. Ganze Landstriche sind entvölkert.
Mit so viel Geld hätte man ganz Afrika zu Wohlstand und Vollbeschäftigung verhelfen können, doch für die DDR reicht es immer noch nicht. Und wir maßen uns an, anderen Ratschläge zu erteilen?
Mit immer noch mehr Milliarden hatte man jegliche Kreativität bereits im Keim erstickt! Geschenktes Geld ausgeben ist lange nicht so anstrengend, als es selbst verdienen zu müssen.
Die unendlichen Milliarden der Solidarpakt-Mittel werden schon lange nicht mehr für den dafür vereinbarten und vertraglich festgelegten Zweck verwendet, immer mehr Milliarden werden illegal für den privaten Konsum zweckentfremdet. So macht die deutsche Einheit richtig Spaß.

Mit Milliarden über Milliarden hat man große Produktionsstätten in der DDR aufgebaut, die, z.B. die Fotovoltaik-Industrie jeden Mitarbeiter pro Jahr mit 100.000Euro zusätzlich nochmals aus Steuermitteln subventioniert wird. Und dies, obwohl die Leuchttürme bei Bitterfeld ihre Produkte zwischenzeitlich ganz offiziell aus China beziehen und hier in DE verkaufen. Und dieses Milliardengrab soll eine Perspektive für Griechenland sein? Wer hat da in der Schule nicht aufgepasst.

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