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11.10.2011

16:34 Uhr

Aufbau von Industrie

Vietnam soll strategischer Partner Deutschlands werden

Mit einem Aktionsplan wollen Vietnams Ministerpräsident und Bundeskanzlerin Merkel die industrielle Zusammenarbeit verstärken. Das Land will schnell in den Kreis der Marktwirtschaften aufgenommen werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Vietnams Ministerpräsident Nguyen Tan Dung. AFP

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Vietnams Ministerpräsident Nguyen Tan Dung.

HanoiDeutschland und Vietnam wollen strategische Partner werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der vietnamesische Ministerpräsident Nguyen Tan Dung unterzeichneten am Dienstag in Hanoi eine Partnerschaftserklärung sowie einen Aktionsplan. Beide Länder sichern darin ihren Unternehmen gegenseitig eine bevorzugte Behandlung zu. Vietnam wünscht sich von der Bundesregierung Unterstützung in der EU für seinen Wunsch, Marktwirtschaftsstatus zu erhalten. Dieser würde dem Land einen bevorzugten Zugang zum EU-Binnenmarkt sichern. Merkel, die auf ihrer ersten Reise nach Vietnam von einer Wirtschaftsdelegation begleitet wird, machte dies aber davon abhängig, dass das sozialistische Vietnam dafür die Kriterien erfüllt. 

Sowohl Dung als auch Merkel betonten, dass die Handelsbeziehungen erheblich ausgebaut werden könnten. „Es gibt viel Potenzial“, sagte Dung. Deutschland ist zwar der größte Handelspartner Vietnams in der EU, liefert aber nur zwei Prozent der vietnamesischen Importe. Vietnam, das seinen Industriesektor ausbauen will, gehört zu den wirtschaftlich schnell wachsenden Ländern. In diesem Jahr wird das Wirtschaftswachstum auf 6,4 Prozent geschätzt. Ausdrücklich betonte Merkel beim Besuch eines Werkes der deutschen Medizintechnikfirma B. Braun in Hanoi, man wolle Vietnam dabei helfen, bis zum Jahr 2020 Industrieland zu werden. 

In dem Aktionsplan bekennen sich beide Regierungen zur Weiterbau der U-Bahnlinie in Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon. Umstritten bleibt, wer den Bau einer zweiten Linie bezahlen soll, weil Vietnam eine Finanzierung aus der deutschen Entwicklungshilfe wünscht, wie es bei der von Siemens gebauten ersten Linie geschah. Unterzeichnet wurden auch Abkommen über die finanzielle Zusammenarbeit, für die Deutschland 467 Millionen Euro an Krediten und Zuschüssen in Bereichen wie Umweltschutz oder Gesundheit zur Verfügung stellt. 

Die Aufnahme „strategischer Beziehungen“ gehört zum Versuch der Bundesregierung, neben den Kontakten mit China auch die Zusammenarbeit mit anderen wichtigen asiatischen Staaten zu verstärken. Vietnam mit seinen fast 90 Millionen Einwohnern gehört aus Sicht der Bundesregierung dabei zu den Schwellenländern der zweiten Reihe hinter den sogenannten BRICS-Staaten, die für multilaterale Weltordnung wichtig sind. Beide Regierungen bekräftigten, sich gegenseitig bei Kandidaturen in internationalen Organisationen wie der UN unterstützen zu wollen. 

Merkel mahnte in dem Ein-Parteien-Staat auch deutlich Fortschritte bei den Menschenrechten und der Rechtssicherheit an. Presse- und Religionsfreiheit seien wichtig, betonte die Kanzlerin, die am Dienstag auch Vertreter der Buddhisten, Katholiken und Protestanten traf. Diese berichteten ihr nach Angaben aus Delegationskreisen allerdings, dass es Fortschritte gebe. So sei die Zahl der Protestanten in dem Land seit 1975 von 100.000 auf 1,5 Million gestiegen. 

Sichere Investitionsbedingungen seien wiederum eine Voraussetzung für ein stärkeres Engagement deutscher Firmen, mahnte Merkel in der Pressekonferenz. Deshalb sei auch die Fortführung des bilateralen Rechtsstaatsdialog wichtig. In dem Treffen mit dem Ministerpräsidenten habe sie diesen aufgefordert, dass Vietnam auch die UN-Anti-Folter-Konvention unterzeichnen solle, hieß es in Delegationskreisen. 

Neben der deutsch-vietnamesischen Universität sei zudem die Wiedereröffnung der deutsch-vietnamesischen Schule in Ho-Chi-Minh-Stadt wichtig. Sowohl Dung als auch Merkel bezeichneten die Voraussetzungen für engere Beziehungen als sehr gut, da es 100.000 Vietnamesen gebe, die in der DDR gearbeitet hätten und derzeit weitere 4000 Vietnamesen in Deutschland studierten.

Von

rtr

Kommentare (3)

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IRR

11.10.2011, 17:21 Uhr

Also ich muss mich schon wundern, wer alles Entwicklungshilfe bekommt und für was das Geld dann verwendet wird.
Vielleicht zahlt am Ende auch noch der Steuerzahler das Geld für den Aufbau neuer Firmen und damit verbunden den Arbeitsplatzabbau in Deutschland.
Die Manager wirds freuen. Da winken dann wieder viele Bonis für die gute Arbeit.

Account gelöscht!

11.10.2011, 17:35 Uhr

Selbstverständlich wird das so kommen.
Merkel zeigt wieder einmal mehr, dass Detuscvhland und Westeuropa ihr völlig egal sind.
Die Frau kommt aus ihrem Sozialismus nicht raus
Diese Frau sit wirklich nur noch zum Prügeln

Account gelöscht!

11.10.2011, 17:55 Uhr

Wenn Sie eine Ahnung hätten, wie teilweise die Menschen in Vietnam leben, dann würden Sie nicht so etwas reden/schreiben.

Dort sammeln Kinder noch halbwegs brauchbares Zeug von Müllkippen um ein paar Pfennige für Essen zu verdienen. Aber wenn man sich nicht mit einem Thema beschäftigt, dann kann man natürlich leicht solchen Blödsinn schreiben!

Nebenbei es gibt hier viele Vietnamesen, die sehr viel zum deutschen BIP beitragen.

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