Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.04.2013

04:45 Uhr

Aufrüstung im Pazifik

„Die USA werden Nordkorea nicht als Atomstaat akzeptieren“

Die USA verstärken weiter ihre Militärpräsenz in Südkorea. Sein Land sei bereit, militärisch einzugreifen, sagt US-Außenminister Kerry. Nordkorea verweigert Pendlern die Einreise zum grenznahen Industriekomplex Kaesong.

Archivbild des Zerstörers USS Decatur bei einem Manöver im Pazifik. (Foto: USN/HO) dpa

Archivbild des Zerstörers USS Decatur bei einem Manöver im Pazifik. (Foto: USN/HO)

Washington/SeoulNordkorea muss nach Worten von US-Außenminister John Kerry auf Atomwaffen verzichten. Nur dadurch könne es Fortschritte im schwelenden Konflikt auf der koreanischen Halbinsel geben, sagte Kerry am Dienstag nach einem Treffen mit seinem südkoreanischen Kollegen Yun Byung Se in Washington. Die Nordkoreaner "haben eine Option und diese Option ist, Gespräche über eine Entnuklearisierung zu beginnen... und sich auf die Bedürfnisse der Bevölkerung zu konzentrieren".

Zugleich betonten Kerry und Yun, ihre Staaten seien bereit, militärisch einzugreifen. Was Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un tue, sei "gefährlich, leichtfertig und die USA werden Nordkorea nicht als Atomstaat akzeptieren", sagte Kerry, der in der kommenden Woche nach Südkorea reisen will. Die USA würden sich selbst und Südkorea verteidigen, betonte Kerry.

Die USA reagieren auf die jüngsten Drohungen mit der Entsendung zweier Kriegsschiffe auf die Spannungen mit Nordkorea. Zwei mit Raketen bestückte Zerstörer seien auf dem Weg in den West-Pazifik, teilte das Pentagon am Dienstag mit.

Es handele sich um die beiden Schiffe „Decatur“ und „McCain“, sagte Pentagonsprecher George Little. Ihre Aufgabe sei es, die Raketenabwehr in der Region zu stärken. Am Montag hatten US-Sender die Entsendung eines Zerstörers gemeldet. In den vergangenen Tagen hatten die USA hochmoderne Kampfjets nach Südkorea beordert, darunter Tarnkappenbomber und zwei atomwaffenfähige B-52-Bomber.

Zudem verlegten die USA eine schwimmende Radarstation in die Region. Die Plattform SBX wurde laut Pentagon östlich von Japan eingesetzt. Die zum Teil im Wasser versenkbare Radarstation mit einer gigantischen weißen Kuppel kann demnach den Abschuss von Raketen aufspüren und anschließend deren Flugbahn verfolgen. Die USA betonten, es handele sich dabei um einen Routinetest, der schon vor längerem beschlossen worden sei.

Nordkorea nimmt Atomreaktor wieder in Betrieb

Video: Nordkorea nimmt Atomreaktor wieder in Betrieb

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Der Neustart eines vor Jahren abgeschalteten Kernreaktors in Nordkorea wäre nach Meinung der US-Regierung „extrem alarmierend“. Bislang gebe es aber keine Anzeichen, dass das Regime die Anlage im Nuklearzentrum Yongbyon bald wieder in Betrieb nehmen könne, sagte US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland am Dienstag in Washington. Bisher handele es sich nur um eine Ankündigung Pjöngjangs, seine internationalen Verpflichtungen weiter zu verletzen.

Der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, bekräftigte, dass die nordkoreanische Regierung ihrer aggressive Rhetorik bislang nicht durch Taten gestützt habe. „Es gibt hier ein Schema und wir sind vertraut mit diesem Schema“, sagte er. Dennoch werde US-Präsident Barack Obama natürlich regelmäßig über neue Entwicklungen auf dem laufenden gehalten.

Am Dienstag hatte das kommunistische Regime in Pjöngjang gemeldet, es wolle die Produktion von Atomwaffenmaterial ausweiten. Dazu soll ein 2007 geschlossener Plutoniumreaktor wieder in Betrieb gehen. Das Regime um Machthaber Kim Jong Un hatte das Atomwaffenprogramm des Landes zuletzt zur Priorität erklärt.

Chronologie: Nordkorea und seine Atombomben

1989

Ein US-Spionagesatellit macht erste Aufnahmen der nordkoreanischen Atomanlage Yongbyon.

1994

Pjöngjang legt den Atomreaktor im Rahmen eines Abkommens mit den USA still und erhält dafür Zusagen für den Bau zweier Leichtwasserreaktoren.

1998

Abschuss einer nordkoreanischen Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-1.

2002

US-Präsident George W. Bush erklärt Nordkorea im Januar zu einem Teil der "Achse des Bösen". Im Dezember reaktiviert Pjöngjang den Atomreaktor Yongbyon und weist Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus.

2003

Nordkorea kündigt im Januar den Atomwaffensperrvertrag auf. Im August beginnen Sechs-Nationen-Gespräche zur Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms mit Nord- und Südkorea, China, USA, Japan und Russland.

2005

Nordkorea gibt im Februar bekannt, Atomwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt zu haben.

2006

Nordkorea nimmt am 9. Oktober den ersten Atombomben-Test vor. Der UN-Sicherheitsrat beschließt Sanktionen.

2007

Nordkorea erklärt sich im Februar bereit, die Anlage in Yongbyon abzuschalten und Atominspektoren wieder ins Land zu lassen. Im Juli erklärt die IAEA, Yongbyon sei geschlossen.

2009

Im April startet Nordkorea eine Langstreckenrakete mit tausenden Kilometern Reichweite. Die Regierung in Pjöngjang zieht sich aus den Sechs-Parteien-Gesprächen zurück und kündigt die Wiederaufnahme des Atomprogramms an. Am 24. Mai nimmt Nordkorea einen zweiten Atombombentest vor. Am 12. Juni werden die UN-Sanktionen verschärft.

2011

Nach dem Tod des langjährigen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il am 17. Dezember kommt sein jüngster Sohn Kim Jong Un an die Macht.

2012

Nach einem fehlgeschlagenen Test der Rakete Unha-3 im April gelingt ein zweiter Abschuss des Raketentyps im Dezember.

2013

Der UN-Sicherheitsrat verschärft am 22. Januar die Sanktionen erneut, zwei Tage später kündigt die Führung in Pjöngjang einen neuen Atomtest an. Am 12. Februar vollzieht Nordkorea nach eigenen Angaben "erfolgreich" einen unterirdischen Atomtest.

2014

In seiner Neujahrsansprache kündigt Diktator Kim Jong-Un gegenüber den USA eine „massive nukleare Katastrophe“ an, sollte auf der koreanischen Halbinsel ein Krieg ausbrechen. Im September veröffentlicht die IAEA einen Bericht, wonach der Atomreaktor Nyongbyon wieder in Betrieb sei, und belegt dies mit Satellitenbildern.

2015

Im Januar bietet Kim Jong-Un an, das Atomwaffenprogramm Nordkoreas aufzugeben, wenn die USA auf gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea verzichten. Im Mai verbreitet Pjöngjang, dass Nordkorea inzwischen auch Langstreckenraketen mit entsprechend miniaturisierten Nuklearwaffen ausrüsten zu können – eine offene Drohung in Richtung USA.

2016

Gleich zu Beginn des Jahres gibt Nordkorea bekannt, erstmals erfolgreich den Einsatz einer Wasserstoff-Bombe getestet zu haben. Chinesische und US-amerikanische Behörden bezweifeln die Behauptung aufgrund seismischer Signale in der Nähe des Testgeländes, die eher auf die Explosion einer Spaltbombe hindeuten. Einen Monat später führt Pjöngjang einen Raketentest durch: Am 7. Februar startet eine Unha-3-Trägerrakete und bringt einen Satelliten in die Erdumlaufbahn. Die USA, Südkorea und Japan werten den Start jedoch als Test einer atomar bestückbaren Langstreckenrakete – und erlassen erneut Sanktionen gegen Nordkorea.

Doch ist es auch Hintergrund der jüngsten Eskalation auf der koreanischen Halbinsel: Nach erfolgreichen Raketen- und Atomtests in den vergangenen Monaten hatte der UN-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen Pjöngjang verschärft und Südkorea und die USA eine gemeinsame Militärübung anberaumt. Über beides ist Nordkorea empört.

Ein Sprecher des nordkoreanischen Atomministeriums sagte nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA, die Wiederinbetriebnahme sei Teil der Bemühungen, die akute Energieknappheit des Landes zu lösen. Man wolle damit aber auch „die Atomstreitmacht sowohl in Qualität als auch Quantität stärken“.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

03.04.2013, 07:32 Uhr

Aber die Atomwaffen halten die USA von einem Überfall auf Nordkorea ab.
Sonst wäre es ihnen längst ergangen wie Vietnam, Libanon, Irak, Afghanistan, Lybien usw. Strategische ist das Land sehr wohl interessant. Auch wenn es mal keine Bodenschätze hat.

Account gelöscht!

03.04.2013, 07:44 Uhr

Bleibt die Frage wie lange es sie abhaelt. Die Schliessung der industrie ist fuer Nordkorea schon wirtschaftlich gesehen sehr heftig und hat massive Auswirkung auf die Bevölkerung dort. Das nier klingt nach mehr als Saebelrasseln.

Schaarschmidt

03.04.2013, 07:59 Uhr

Das wird wohl bald scheppern .Frage bleibt,was machen China und Rußland ...?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×