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19.06.2012

03:30 Uhr

Aufschub für Griechen

Brüderle stellt sich gegen die Kanzlerin

Wie soll Deutschland sich gegenüber Griechenland aufstellen? Angela Merkel und Philipp Rösler lehnen es ab, bei der Einhaltung der Sparzusagen Abstriche zu machen. FDP-Fraktionschef Brüderle sieht das anders.

Rainer Brüderle signalisiert Bereitschaft, den Griechen Luft zu verschaffen. Reuters

Rainer Brüderle signalisiert Bereitschaft, den Griechen Luft zu verschaffen.

BerlinIm Streit um das weitere Vorgehen gegenüber Griechenland hat FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle Bereitschaft signalisiert, den Reformdruck auf Athen zu lockern. "An den Auflagen und den Reformzielen, die mit den Hilfsmaßnahmen verbunden sind, sollten wir nichts ändern", sagte Brüderle der Tageszeitung "Die Welt".

Brüderle sagte, eine klare Mehrheit der griechischen Wähler habe sich für Europa und für Reformen ausgesprochen. "Die Verantwortlichen müssen diese Chance jetzt auch nutzen und ihr Land weiter auf klarem Reformkurs halten", mahnte er. "Eine weitere Chance wird es kaum geben - nicht von den eigenen Wählern und auch nicht von der europäischen Solidargemeinschaft."

Allerdings könne es bei den Zeitvorgaben für die Umsetzung einzelner Reformen "noch sinnvolle Änderungen geben". Damit setzte sich Brüderle in Gegensatz zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und seinen eigenen Parteichef, Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).

Merkel hatte nach der griechischen Parlamentswahl die Einhaltung der Reformzusagen verlangt, die Athen für internationale Hilfskredite gemacht hatte. "An den Reformschritten können keine Abstriche gemacht werden", sagte sie kurz vor Beginn des G-20-Gipfels am Montag im mexikanischen Los Cabos.

Rösler sagte seinerseits bei einem Besuch in Washington: "Es kann keine Rabatte geben, es kann keine Abstriche geben, sondern die vereinbarten Ziele müssen erreicht werden."

Vor Brüderle hatte bereits sein Parteikollege Guido Westerwelle (FDP) einen zeitlichen Aufschub für Athen nicht ausgeschlossen. Der Außenminister sagte am Sonntagabend, er könne sich "gut vorstellen, dass wir über Zeitachsen noch einmal reden".

Kommentare (18)

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Kofinas

19.06.2012, 07:13 Uhr

Herr Brüderle hat keine Ahnung wie die Griechen ticken!!! Wie kann ein Mensch in seinem Amt, Alter und Würde so naiv sein - und solchen Unsinn verbreiten. Ein griechischer Politiker nutzt immer nur seine Chance, das was ihn persönlich am weitesten nach vorne bringt. Brüderle macht den Fehler den alle machen: Er geht von sich selbst aus - und denkt: "So wie ich bin, sind die anderen auch". Das ist NAIV und DUMM weil weltfremd und nicht realitätsbezogen. Niemand wir eine Chance nutzen. Jeder der nur irgendwie normal tickt hat das Land (GR) längst verlassen, sein Geld längst im Ausland deponiert. Diejenigen die jetzt noch in GR leben sind nur noch Stimmvieh für die korrupten Politiker die es auch zu nichts gebracht haben, als zum täglichen blablabla im TV. Dies seit Jahren andaurnde Insolvenzverschleppung muss jetzt ein Ende haben! GR ist schon lange Pleite und ein Schuldner ist ein schlechter Kunde - auch für U-Boote und anderes Kriegsgerät. Stecker raus ziehen - und den Komapatienten gehen lassen....Etwas anders geht jetzt nicht mehr.

Koboldo

19.06.2012, 07:18 Uhr

Wenn Brüderle und Westerwelle rechnen könnten, müssten sie feststellen, dass Griechenland trotz aller Sparbemühungen im Monat 3 Mrd Euro neue Schulden machen müssen. Wie lange will die Politik unser Geld noch umverteilen, zumal dieses Geld höchstens der griechischen Oberschicht zugute kommt, beim Volk selbst kommt ja gar nichts an!
Die Hinterlassenschaften von Kohl und Schröder werden kein friedlicheres Europa schaffen, sondern viel Bitterkeit und Wut.

Account gelöscht!

19.06.2012, 07:53 Uhr

Brüderle hat den Braten gerochen. Es wird Erleichterungen geben, weil Griechenland willig aber unfähig ist, die Vorgaben zu erfüllen. Brüderle spielt sich auch gern den Freund des kleinen Mannes. Denen gefällt es gar nicht, wenn auf die Griechen eingeprügelt wird.
Brüderles Aussage ist deshalb einfach nur clever, er wird auf jeden Fall auf der richtigen Seite stehen.
Die eigentliche Frage bleibt, ist Griechenland reformfähig?

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