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14.01.2011

06:43 Uhr

Aufschwung

Deutscher Boom zieht Osteuropa mit

VonDorit Marschall

Vom deutschen Aufschwung profitierten laut einer Studie vor allem mittel- und osteuropäische Länder - weil sie Vorprodukte herstellen. Also profitieren nicht die Länder, die tief in der Schuldenkrise stecken. Doch die Zeit der EU-Sorgenländer könnte 2011 kommen.

im tschechischen Jihlava produziert Bosch Komponenten für Einspritzsysteme von Dieselmotoren. Bosch

im tschechischen Jihlava produziert Bosch Komponenten für Einspritzsysteme von Dieselmotoren.

FRANKFURT. Seit gestern ist es amtlich: Die deutsche Wirtschaft hat im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent zugelegt - und damit so kräftig wie nie in der wiedervereinigten Bundesrepublik. Dass Deutschland mit dem rasanten Anstieg die Wachstumslokomotive Europas ist, versteht sich von selbst. "Besser als bei uns lief es in keinem anderen großen Industrieland", sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). "Wir sind doppelt so schnell gewachsen wie der Durchschnitt der Europäischen Union." Aber, wen zieht die Lok eigentlich?

Verkaufsschlager Vorprodukte

"Vor allem Österreich, die Tschechische Republik, Polen und Ungarn profitieren bislang von dem wuchtigen Aufschwung Deutschlands - also nicht die Länder, die tief in der Schuldenkrise stecken", sagt der Deutschland-Chefvolkswirt von Unicredit, Andreas Rees.

Doch das könne sich im neuen Jahr, in dem die deutsche Wirtschaft zwar langsamer als 2010, aber immerhin noch um gut 2,5 Prozent wachsen dürfte, ändern. Die Erklärung liegt auf der Hand: Wer am deutschen Aufschwung teilhaben will, muss nicht nur generell einen Großteil seiner Ausfuhren nach Deutschland verkaufen. Damit die Exporte auch wachsen, muss die deutsche Wirtschaft aktuell die Waren stark nachfragen.

Beides hat der Ökonom in einer bislang unveröffentlichten Studie für jedes Land analysiert. Das Ergebnis: Die Tschechische Republik und Österreich, die zu den größten Gewinnern des deutschen Aufschwungs zählen, führen jeweils knapp ein Drittel ihrer Waren nach Deutschland aus. Und als "verlängerte Werkbank der hiesigen Industrie" seien ihre Zwischengüter 2010 besonders gefragt gewesen.

Wie lukrativ der Absatzmarkt Deutschland im vergangenen Jahr für Exporteure war, lässt sich an den gestern veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamts ablesen. Denn dass die Importe 2010 um 13 Prozent und damit mit einer gesamtdeutschen Rekordgeschwindigkeit zulegten, liegt nicht nur an der starken deutschen Inlandsnachfrage. Sie trug 2,5 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum bei. "Auch die Exportstärke zog Importe nach sich, denn zahlreiche Vorprodukte deutscher Ausfuhren werden aus dem Ausland bezogen", kommentierte auch Deka-Ökonom Andreas Scheuerle.

Kommentare (2)

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Andreas

18.01.2011, 13:27 Uhr

Mit Christine Lagarde verhält es sich so wie mit Peer Steinbrück, hätte sie nichts gesagt und hätte sie es nicht so gesagt, wie sie es gesagt hat, so wäre man in Deutschland nicht aufgestanden und hätte etwas geändert.

Gut gemacht Frankreich !!!

matt_us

18.01.2011, 14:40 Uhr

Ja, da kann ich ihnen voll zustimmen.

Jetzt sollte man das andere einfuehren was sie will, naemlich das Verbot von Credit Default Swaps.

Vielleicht wird das schon heute besprochen, im Europaeischen Ministerrat, wer weiss.

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