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04.04.2013

17:50 Uhr

Aufschwung

Griechenland hofft auf Ende der Rezession

Griechenlands Premier Samaras schöpft Hoffnung für sein Land. Der Aufschwung werde bereits im nächsten Quartal sichtbar sein und erstmals sei die Zahl der Neueinstellungen höher als die der Entlassungen gewesen.

Griechenlands Premier Samaras sieht Talsohle durchschritten. Reuters

Griechenlands Premier Samaras sieht Talsohle durchschritten.

AthenIm Euro-Krisenland Griechenland wächst der Optimismus, dass die jahrelange Rezession bald zu Ende geht. „Der Aufschwung hat begonnen und die Ergebnisse werden schon im nächsten Quartal sichtbar sein“, sagte Ministerpräsident Antonis Samaras am Donnerstag in Athen. Auch am Arbeitsmarkt gibt es laut Samaras Lichtblicke. So habe im März erstmals die Zahl der Neueinstellungen über der der Entlassungen gelegen. „Die Lage ist aber noch kritisch und viele Schwierigkeiten liegen vor uns“, sagte Samaras.

Nach jüngsten Daten des griechischen Arbeitsministeriums wurden im März ungefähr 9000 Arbeitnehmer mehr eingestellt als ihren Job verloren oder kündigten. Ein Jahr zuvor lag die Bilanz noch mit 7500 unter dem Strich verlorenen Arbeitsplätzen im Minus.

Die Maßnahmen des griechischen Sparpakets

Renten

Die Rentner müssen mit Kürzungen um fast 4,8 Milliarden Euro rechnen. Alle Renten von 1000 Euro aufwärts werden um fünf bis 15 Prozent gesenkt. Das Weihnachtsgeld für Rentner wird abgeschafft; es war bereits von einer Monatsrente auf 400 Euro gekürzt worden. Die Gewerkschaften rechneten aus, dass damit die Rentner im Durchschnitt 2000 Euro im Jahr verlieren werden.

Arbeitnehmer

Die Abfindungen für entlassene Arbeitnehmer werden drastisch gesenkt. Arbeitgeber dürfen Verträge mit jedem einzelnen Arbeitnehmer schließen. Damit werden praktisch Tarifverhandlungen umgangen.

Staatsbedienstete

Auch den Staatsbediensteten werden die jeweils verbliebenen 400 Euro vom Weihnachtsgeld sowie vom Urlaubsgeld gestrichen. Viele Löhne und Gehälter sollen um sechs bis 20 Prozent verringert werden. Bis Ende 2012 sollen 2000 Staatsbedienstete in die Frühpensionierung gehen oder entlassen werden. Bis zum Eintritt des Rentenalters erhalten sie dann 60 Prozent ihres letzten Gehalts.

Gesundheitswesen

Im Gesundheitswesen sollen 1,5 Milliarden Euro eingespart werden. Unter anderem sollen die Versicherten sich mit höheren Eigenbeiträgen beim Kauf von Medikamenten beteiligen. Zahlreiche Krankenhäuser sollen schließen. Andere sollen sich zusammenschließen.

Gehaltskürzungen

Die Gehälter der Angestellten der öffentlich-rechtlichen Betriebe, wie beispielsweise der Elektrizitätsgesellschaft (DEI), sollen denen der Staatsbediensteten angeglichen werden. Dies bedeutet für die Betroffenen nach Berechnungen der Gewerkschaften bis zu 30 Prozent weniger Geld.

Kindergeld

Familien, die mehr als 18 000 Euro im Jahr verdienen, haben keinen Anspruch auf Kindergeld mehr.

Rentenalter

Das Rentenalter wird für alle von 65 Jahre auf 67 Jahre angehoben.

Die Daten stammen aus einer erst im März in Betrieb genommenen EDV-Plattform des Ministeriums, die in Echtzeit die Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt abbilden soll. Arbeitgeber sind verpflichtet, Zu- und Abgänge dort einzutragen. „Es ist besonders erfreulich, dass die erste Abbildung der Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt mit positiven Entwicklungen einhergeht“, verkündete Arbeitsminister Jannis Vroutsis bei der Präsentation des neuen Systems.

Seit Ausbruch der Schuldenkrise vor drei Jahren hat sich die Lage auf dem griechischen Arbeitsmarkt ohne Unterlass verschlechtert. Mit einer Arbeitslosenquote von 26 Prozent weist das Land den schlechtesten Wert in der EU auf. Unter den Jugendlichen sind mehr als die Hälfte ohne Job.

Von

dpa

Kommentare (2)

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KHD

05.04.2013, 00:34 Uhr

Die im Artikel erwähnte EDV-Plattform des Ministeriums ist alles andere als eine objektive und volkswirtschaftlich relevante Messung des Saldos von Einstellungen und Austritten, da die Eingaben der Unternehmer willkürlich sind und alle eingebenden Firmen eher Einstellungen auf der EDV Plattform dokumentieren könnten als sie dort Kündigungen eingeben - und umgekehrt. Da aber die politisch gewollte Richtung (gemäss der Vorgabe "invent a positive story") vorgegeben ist, ist davon auszugehen, dass an der Plattform hauptsächlich Firmen angeschlossen sind, die Einstellungen vornehmen - wie jetzt Hotels in der beginnenden Tourismussaison. Somit ist der Gehalt der Meldung ebenso sinn- und wertlos wie das komplette halbherzig umgesetzte Sparprogramm der Griechen und alle
andern positiv gefäbten Propagandameldungen der Regierung mit dem gleichen Zweck wie der, der die heutige Nachricht ausgelöst hat. Solange keine positiven Meldungen von nicht regierungsgesteuerten Institutionen kommen, ist von keiner Besserung in Griechenland auszugehen.

Beobachter

05.04.2013, 00:51 Uhr

Arbeitsminister Jannis Vroutsis soll lieber schauen, dass ALLE Arbeitgeber die Sozialabgaben ein- und vorallem nachzahlen, denn dazu sind diese auch seit Jahrzehnten genauso verpflichtet, was aber nie ordnungsgemaess stattgefunden hat. Genauso wird es mit diesen Daten leider laufen. Gesetze sind nur soviel Wert, wie diese um- und vorallem durchgesetzt werden und da hat Griechenland noch sehr viel vor sich. Allem vorweg die Steuerhoheit. Was ist eigentlich aus all den Langardlistefaelle geworden?

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