Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2010

14:48 Uhr

Aufschwung

Lateinamerika hat die Krise gut überstanden

VonAlexander Busch

Rohstoffexporte und Binnennachfrage beleben die Wirtschaft der Region. Sie braucht aber mehr weltweites Wachstum, um in Schwung zu bleiben. Denn die Staaten stoßen mit Investitionsprogrammen und Zinssenkungen an ihre Grenzen. Venezuela wird unter Präsident Chávez vom Aufschwung abgehängt.

Arbeiten in Chiles Kupfermine Chuquicamata. Das Land hat sich wie andere Rohstoffexporteure in der Region dank der anhaltenden Nachfrage etwa aus China und Indien vergleichsweise gut gehalten. Reuters

Arbeiten in Chiles Kupfermine Chuquicamata. Das Land hat sich wie andere Rohstoffexporteure in der Region dank der anhaltenden Nachfrage etwa aus China und Indien vergleichsweise gut gehalten.

SAO PAULO. Noch nie hat sich Lateinamerika so schnell von einer weltweiten Rezession erholt wie diesmal. Bis auf den Problemfall Venezuela sehen Ökonomen alle wichtigen Länder der Region im laufenden Jahr schon wieder zwischen zwei und fünf Prozent wachsen. Viele Länder profitieren vom asiatischen Rohstoffhunger. Doch damit sich der Aufschwung festigt, braucht Lateinamerika auch eine bessere globale Konjunktur.

Die Weltbank sagt Wachstumsraten zwischen 2,3 Prozent in Argentinien und 4,7 Prozent in Chile voraus, während Venezuela stagniert. Die Ökonomen der Bank of America erwartet, dass Lateinamerika nach einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um zwei Prozent 2009 im neuen Jahr um 3,6 Prozent wächst. Während sie eine sehr ungleichmäßige Entwicklung voraussagen, kommen die Volkswirte von Morgan Stanley zum gegenteiligen Schluss. Sie sehen die führenden Länder - außer Venezuela - zwischen 3,3 und fünf Prozent wachsen und damit so gleichmäßig, wie es historisch selten der Fall war.

Gleichmäßige Entwicklung trotz unterschiedlicher Voraussetzungen

Dabei sind die wirtschaftlichen Voraussetzungen der Länder recht unterschiedlich. Mexiko etwa ist stark von der Ausfuhr verarbeiteter Produkte in die USA abhängig und hat daher 2009 einen tiefen Einbruch von mehr als sieben Prozent erlitten. Die Rohstoffexporteure wie Peru (Silber, Kupfer, Gold, Zink), Kolumbien (Kohle, Öl) und Chile (Kupfer) haben sich dank der anhaltenden Nachfrage aus Ländern wie China und Indien vergleichsweise gut gehalten. Die in der Region führende Wirtschaftsmacht Brasilien hingegen ist sowohl Rohstoffexporteur als auch industrieller Verarbeiter und besitzt zudem einen großen Binnenmarkt, der das Land in der Krise entscheidend stabilisiert hat.

Der wichtigste Grund für die nach dem dritten Quartal 2009 einsetzende Erholung Lateinamerikas war die wieder gestiegene Nachfrage nach Rohstoffen vor allem aus Fernost. Der Absatz von industriellen Vorprodukten und Rohstoffen für die Lebensmittelindustrie dürfte jetzt noch zulegen, wenn die Rohstoffexporteure zusätzlich von der anziehenden Nachfrage in den traditionellen Industriestaaten profitieren. Auch der Absatz verarbeiteter Produkte der brasilianischen und mexikanischen Industrie kommt mit der Erholung in Europa und den USA wieder in Schwung.

Den Regierungen gehen die Mittel zur Konjunkturbelebung aus

Dieser externe Konjunkturimpuls ist auch dringend nötig, denn die meisten Staaten Lateinamerikas stoßen mit staatlichen Investitionsprogrammen und Zinssenkungen an ihre Grenzen. Die Zinsen sind so niedrig wie schon lange nicht mehr und die Haushaltsdefizite sind stark angewachsen. Vor zwei Jahren waren die öffentlichen Haushalte in der Region noch weitgehend ausgeglichen. 2009 rutschten sie aber wegen der Konjunkturprogramme mit insgesamt 3,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ins Minus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×