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09.08.2011

19:25 Uhr

Aufstand der Frustrierten

Cameron bringt 16.000 Polizisten in Stellung

Drei Tage dauern die Unruhen in London nun schon. Premier Cameron will neue Krawalle nicht mehr hinnehmen. Ein massives Polizeiaufgebot soll die Chaoten in der Hauptstadt stoppen.

Flug über London nach Krawallen

Video: Flug über London nach Krawallen

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LondonDie Zahl der Polizeibeamten in London werde von 6000 auf 16.000 erhöht, kündigte der britische Premierminister David Cameron am Dienstag nach einer Krisensitzung an. Während der Ausschreitungen kam erstmals ein Mensch ums Leben, Grund war offenbar ein Streit unter den Randalierern.

Cameron hatte seinen Italienurlaub abgebrochen, um am Dienstag eine Krisensitzung der Regierung zu leiten. „Wir werden alles Notwendige tun, um die Ordnung in den Straßen wiederherzustellen“, versicherte er. Für Donnerstag berief er eine Sondersitzung des Parlaments ein. Den meist jugendlichen Randalierern drohte Cameron harte Strafen an: „Wenn ihr alt genug seid, um diese Verbrechen zu begehen, dass seid ihr auch alt genug für eine Strafe.“

Nach zwei Nächten schwerer Krawalle hatte es am Montag weitere Ausschreitungen im Stadtteil Hackney gegeben, die sich in der Nacht zum Dienstag auf mehrere Stadtteile ausweiteten. Gebäude standen in Flammen, plündernde Jugendliche zogen durch die Straßen. Auch in Birmingham, Liverpool und Bristol kam es zu Randale.

Ein 26-Jähriger wurde am Montagabend laut Polizei im Londoner Stadtteil Croydon mit einer Schussverletzung gefunden. Am Dienstag erlag er im Krankenhaus seinen Verletzungen. Der Mann war nach Polizeiangaben mit Freunden nach Croydon gefahren, wo sie mit einer anderen Gruppe in Streit gerieten, der in eine Verfolgungsjagd mit drei Autos ausartete. Die Polizei ermittelt wegen Mordes.

Nach Angaben von Scotland Yard wurden seit Beginn der Gewalt allein in London 525 Menschen festgenommen, in Birmingham waren es in der Nacht zum Dienstag 138. Mindestens 44 Polizisten wurden in der Nacht insgesamt verletzt, an den vorherigen Abenden gab es bereits 35 verletzte Beamte. Laut Polizei ist derzeit allerdings nicht geplant, die Armee zur Verstärkung heranzuziehen.

Auslöser der Unruhen war der Tod eines Mannes, der am Donnerstag bei einem Polizeieinsatz im Stadtteil Tottenham erschossen worden war. Der vierfache Familienvater Mark Duggan wurde durch einen einzelnen Schuss in die Brust getötet, wie aus einer am Dienstag vorgestellten Untersuchung hervorgeht. Die Untersuchung der genauen Todesumstände dauerte an.

Wegen der anhaltenden Unruhen rieten Berlin und Rom ihren Staatsbürgern zu „besonderer Vorsicht“ bei Reisen nach Großbritannien. Der englische Fußballverband (FA) sagte unterdessen das für Mittwoch geplante Fußball-Freundschaftsspiel zwischen England und den Niederlanden im Londoner Wembley-Stadion ab. Die Unruhen ließen auch Fragen hinsichtlich der Sicherheit bei den 2012 in London anstehenden Olympischen Spielen aufkommen.

Von

afp

Kommentare (13)

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JunkBond

09.08.2011, 20:21 Uhr

Die Finanzterroristen in den Banken sind noch viel schlimmer als die armen Deppen auf der Straße. Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen.

Handelsblattleser

09.08.2011, 20:28 Uhr

Die Unruhen in London, so besorgniserregend sie auch sind, stellen nur einen Wutausbruch von Menschen zur Schau, denen die Politik für Verluste in die Tasche greift, welche sie nicht zu verantworten haben. Viele Banken und Reiche haben ihr Vermögen hochspekulativen Geschäften an der Börse zu verdanken. Verluste werden aber sozialisiert und mit Steuererhöhungen und durch Kürzungen an Sozialleistungen kompensiert.
London ist eine Aussicht in die Zukunft für Hamburg, Leipzig und Berlin.

Pendler

09.08.2011, 21:00 Uhr

Dass es so ist, ist eine alte Binsenweisheit.

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