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15.04.2011

15:24 Uhr

Aufstand im Jemen

Demonstranten verschärfen Proteste gegen Saleh

Auch Geistliche und Stammesfürsten schlagen sich inzwischen auf die Seite der Demonstranten. Die Opposition griff ein Elektrizitätswerk an forderte das Volk zum Widerstand auf. Wie lange kann sich Saleh noch halten?

Friedliche Demonstration in Taiz. Quelle: dapd

Friedliche Demonstration in Taiz.

Sanaa Die Regierungsgegner im Jemen haben ihre Proteste gegen Präsident Ali Abdullah Saleh verschärft. Stammesmitglieder griffen nach offiziellen Angaben im Namen der Opposition das wichtigste Elektrizitätswerk des Landes an und sorgten so für Stromausfälle in zahlreichen Städten, darunter auch in der Hauptstadt Sanaa. Zugleich zogen wieder Hunderttausende nach den Freitagsgebeten auf die Straßen und forderten den Rücktritt Salehs.

Geistliche und Stammesfürsten, die vor kurzem noch zum Präsidenten hielten, schlugen sich auf die Seite der Demonstranten. Aktivisten forderten die Bevölkerung zum zivilen Ungehorsam auf. Sie verteilten Handzettel, auf denen sie die Menschen aufriefen, keine Steuern und keine Stromrechnungen der Regierung mehr zu bezahlen.

"Es ist nur noch eine Frage von Tagen, bis dieses Regime vorbei ist", rief der Prediger Abubakr Obaid Tausenden Gläubigen zu, die in der Nähe der Universität von Sanaa zusammengekommen waren. Dort harren Saleh-Gegner seit Februar in Zeltlagern aus.

Präsident Saleh reagierte mit einer eigenen Rede vor Tausenden Anhängern. Er rief die Opposition zu einem Dialog auf. Um der Sicherheit und der Stabilität des Jemen willen müsse man zu einer Einigung gelangen, sagte er.

Im Umfeld von Diplomaten heißt es, Gespräche zur Lösung der Krise seien in eine Sackgasse geraten, weil Saleh auf Straffreiheit für sich und seine Familie poche. Ein vor kurzem vorgelegter Friedensplan mehrerer Golf-Staaten schien ihm diese zuzugestehen. Saleh akzeptierte den Vorschlag. Seine Gegner lehnen jedoch "jegliche Zusicherung in Bezug auf das Blutvergießen" ab.

Mindestens 116 Menschen starben während der Proteste. Sicherheitskräfte hatten in die Menge geschossen. Die alten Garden in Tunesien und Ägypten, die wegen der Volksaufstände in ihren Ländern zurücktraten, sehen sich mit rechtlichen Schritten wegen Korruption und des Todes von Demonstranten konfrontiert.

Von

rtr

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