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16.02.2011

15:17 Uhr

Aufstand in Arabien

Ägypten-Krise greift auf Libyen über

Die Massenproteste in der arabischen Welt weiten sich nach Mubaraks Sturz erstmals auch auf das wichtige Ölförderland Libyen aus. Selbst in Ägypten gehen die Proteste weiter - gegen den Willen des Militärs.

Tunesien, Ägypten, Jemen - nun gibt es auch im Ölförderland Libyen Proteste. Quelle: Reuters

Tunesien, Ägypten, Jemen - nun gibt es auch im Ölförderland Libyen Proteste.

Tripolis/Manama/Sanaa/KairoNach den Volksaufständen in Tunesien und Ägypten haben die Proteste gegen autoritäre Regime in der arabischen Welt erstmals auch das wichtige Ölförderland Libyen erreicht. In der Stadt Bengasi, wo viele Gegner von Staatschef Muammar al-Gaddafi leben, wurden bei Zusammenstößen zwischen Anti-Regierungs-Demonstranten, Polizisten und Gaddafi-Anhängern in der Nacht laut libyschen Medien 38 Menschen verletzt. Im Internet wurden Amateurvideos veröffentlicht, auf denen im Dunkeln Hunderte von Männern und Frauen zu sehen sind, die rufen: „Das Volk will den Sturz des Regimes“ und „Gaddafi, raus, raus!“. In Bahrain hielten Demonstrationen den dritten und in Jemen den sechsten Tag in Folge an.

Die Demonstrationen in der zeitgrößten Stadt in Libyen haben Investoren am Ölmarkt bereits in Unruhe versetzt: Der Preis für die Nordsee-Sorte Brent stieg am Mittwoch um 1,2 Prozent auf 102,77 Dollar pro Fass. Öl der Sorte WTI kostete mit 84,86 Dollar 0,6 Prozent mehr.

Von der amtlichen libyschen Nachrichtenagentur gab es kein Wort zu den Protesten in Bengasi. Sie meldete lediglich, Anhänger des seit 1969 regierenden Revolutionsführers Gaddafi hätten in der Hauptstadt Tripolis, in Bengasi und anderen Städten demonstriert. Sie hätten geschworen, die Revolution gegen „Feiglinge und Verräter“ zu verteidigen. Kundgebungen, die nicht vom Regime organisiert werden, sind in Libyen extrem selten.

Der exzentrische Staatschef hatte die jüngsten Volksaufstände in den Nachbarländern Tunesien und Ägypten scharf kritisiert. Bei einem Hintergrundgespräch soll er schon vor dem Sturz Mubaraks gewarnt haben, er werde in Libyen keine Massendemonstrationen dulden. Die EU rief die libysche Führung auf, Demonstrationen und freie Meinungsäußerung zuzulassen.

Ob die Proteste dieselbe Wucht entwickeln können wie in Ägypten und Tunesien ist fraglich: Gaddafis Kassen sind mit Öl-Dollars prall gefüllt. Schon vor den Zusammenstößen hatte Gaddafi die Lebensmittelpreise gesenkt. Weitere soziale Wohltaten könnten folgen, um die Unzufriedenen zu besänftigen. Außerdem sind die Libyer in Stammes- und Familienclans organisiert - eine machtvolle Opposition würde sich daher eher im Verborgenen und nicht auf der Straße organisieren. Zudem beschränken sich die Proteste bislang auf die Hafenstadt Benghasi, wo Gaddafi schon immer einen schweren Stand hatte.

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