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09.08.2011

17:15 Uhr

Aufstand in Syrien

Armee tötet erneut dutzende Zivilisten

In Syrien sind nach Angaben von Menschenrechtlern mindestens 30 Menschen getötet worden. Augenzeugen berichten, die Armee sei in eine Stadt an der türkischen Grenze eingedrungen. Die Türkei verliert allmählich die Geduld

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu bei seinem Treffen mit Präsident Assad. Quelle: dapd

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu bei seinem Treffen mit Präsident Assad.

AmmanTrotz türkischer Friedensbemühungen setzt Syrien seinen Militäreinsatz gegen die eigene Bevölkerung unvermindert fort. In mehreren Städten tötete die Armee am Dienstag mindestens 30 Zivilisten, wie die Syrische Organisation für Menschenrechte mitteilte. Zudem drangen gepanzerte Fahrzeuge laut Augenzeugenberichten in die Stadt Binnisch ein, die 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt liegt. In der an den Irak grenzenden Stadt Deir al-Sor durchkämmten Sicherheitskräfte den dritten Tag in Folge Wohnhäuser und nahmen laut Anwohnern vermutete Regierungsgegner fest.

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu bemühte sich bei einem Treffen mit Präsident Baschir al-Assad um ein Ende des Militäreinsatzes gegen die Opposition, bei dem nach Angaben von Aktivisten bislang mindestens 1600 Menschen getötet wurden. Der Minister führte über sechs Stunden Gespräche mit verschiedenen syrischen Regierungsvertretern, darunter zwei Stunden allein mit Assad. Nach Ende der Gespräche gab es zunächst keine offizielle Stellungnahme.

Die Türkei wird zusehends ungeduldiger mit dem Nachbarland, das sich Kritik als Einmischung in seine inneren Angelegenheiten verbeten hat. Angesichts der 850 Kilometer langen gemeinsamen Grenze hat der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan den Aufstand gegen Assad auch als innenpolitische Sache der Türkei bezeichnet. US-Außenministerin Hillary Clinton gab ihrem Kollegen Davutoglu die Bitte mit auf den Weg, in Damaskus auf ein Ende der Militäroffensive zu dringen.

Auch mehrere arabische Staaten wie Saudi-Arabien haben den Druck auf Assad erhöht und ihre Botschafter aus Syrien abgezogen. Damit genießt das Land vom Iran abgesehen nur noch wenig diplomatische Unterstützung. Mit Syrien verbundene Länder wie Russland und die Türkei haben Assad davor gewarnt, dass die Zeit für eine Lösung knapp werde.

Offenbar unbeeindruckt von solchen Warnungen gingen die Militäraktionen weiter. Allein in Deir al-Sor töteten die Sicherheitskräfte nach Angaben der Opposition seit Beginn des Sturms auf die 400 Kilometer nordöstlich von Damaskus gelegene Stadt nach Angaben von Menschenrechtlern 65 Personen. Die staatliche Nachrichtenagentur bestritt jedoch einen Einsatz in Deir al-Sor. „Nicht ein einziger Panzer“ sei in die Stadt eingedrungen, anderslautende Berichte seien das Werk von Provokateuren.

In Dörfern nördlich der Oppositionshochburg Hama töteten Panzer am Dienstag mindestens 26 Menschen, wie die Syrische Organisation für Menschenrechte weiter mitteilte. In Binnisch seien mindestens vier Zivilisten durch Soldaten getötet worden. In der Stadt nahe der türkischen Grenze hatte nach Berichten von Einwohnern zuvor die gesamte Bevölkerung an einer abendlichen Demonstration gegen Assad teilgenommen. Auch in Deir al-Sor setzte die Armee ihre Offensive fort. „Sie sind nur noch einen Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Wenn sie mit einem Viertel durch sind, nehmen sie sich das nächste vor“, sagte ein Bewohner. Die Angaben können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden, weil die syrischen Behörden die meisten ausländischen Korrespondenten ausgewiesen haben.

Von

rtr

Kommentare (1)

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terrone

09.08.2011, 20:30 Uhr

also nur noch Syrien - in Libyen hat sich der von Westerwelle gehaetschelte Rat der Rebellen gestern im Streit aufgeloest - anderen Laendern ist das eine Meldung wert, aber die sind ja auch Kriegspartei. Ihr habt den vermeintlichen Gutmenschen aus Benghasi nur Eure Kohle irgendwohin geblasen, da ist so eine grundlegende Aenderung wohl keine Meldung wert ?

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