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02.01.2011

13:32 Uhr

Aufstieg zur Wirtschaftsmacht

Einst belächelter Billigheimer, heute Konkurrent

VonHelmut Hauschild , Finn Meyer-Kuckuk

Das asiatische Jahrhundert ist Realität - doch es sieht anders aus als vor einigen Jahren erwartet. Asiens aufstrebende Volkswirtschaften wollen hoch hinaus. Indische und chinesische Manager aber planen ihren Aufstieg zur Wirtschaftsmacht ohne den Westen.

Einkaufsstraße in Indien: Der Subkontinent strotzt vor Selbstbewusstsein. Quelle: LAIF

Einkaufsstraße in Indien: Der Subkontinent strotzt vor Selbstbewusstsein.

NEU-DEHLI. Noch fliegt die Comac C919 nicht, aber China ist jetzt schon mächtig stolz auf das Flugzeug. "Sehen Sie, das Gepäckfach geht ganz leicht auf, und es sitzt so hoch, dass mein Kopf nicht anstößt", lobt eine Reporterin des Staatsfernsehens den ersten chinesischen Passagierjet. Konkreteres kann sie auch nicht berichten - über Flugeigenschaften, Steuersysteme oder Triebwerke schweigt der Hersteller.

Stattdessen wird das Management nicht müde, die große Zukunft der chinesischen Flugzeugindustrie zu preisen: In fünf Jahren soll die Comac 919 der Commercial Aircraft Corp. auf dem Markt sein und es mit Airbus und Boeing aufnehmen. Zumindest die Abnahme hoher Stückzahlen durch Chinas rasend schnell expandierende Airlines ist garantiert: Wie Comac selbst stehen diese Fluglinien unter dem Einfluss des Staates.

Asiens aufstrebende Volkswirtschaften wollen hoch hinaus. Vor zehn Jahren hieß es, das 21. Jahrhundert werde das asiatische Jahrhundert werden - die Vorhersage scheint einzutreffen. Die Entwicklung in Fernost dominiert das weltweite Geschehen, ob in der Politik oder in der Wirtschaft.

Die Krise hat Europa und Amerika unglaubwürdig gemacht

Unerwartet dagegen: Europa und Amerika sind keine Vorbilder mehr für die Schwellenländer. Durch die Finanzkrise haben die alten Industrieländer Glaubwürdigkeit verloren. Bewusst suchen die Asiaten ihren eigenen Weg - und finden dabei oft überraschende Lösungen.

Vor allem China und Indien als die bevölkerungsreichsten Länder der Erde strotzen vor Selbstbewusstsein. Zunächst wandelte sich China in der Wahrnehmung des Westens vom belächelten Billigproduzenten zum gefürchteten Wettbewerber. Jetzt geschieht das Gleiche mit Indien. Nun sorgt sich die deutsche Industrie über das geplante Freihandelsabkommen der EU. Es dürfe keinen Abschluss auf Kosten einzelner Branchen geben, warnt der Industrieverband BDI.

Die Angst vor dem rasanten Tempo des Aufstiegs indischer Vorzeigebranchen wie Automobilbau und neuerdings Pharma ist groß. Die Firmen vom Subkontinent geben sich nicht mit dem schnell wachsenden Heimatmarkt zufrieden. Sie machen dem Westen auf den Weltmärkten Konkurrenz. Indiens Arzneimittelhersteller etwa gehören zur Weltspitze bei Generika. Die preisgünstigen Nachahmerprodukte sind auch für Deutsche Krankenkassen ein Weg, um Kosten zu senken.

Kommentare (13)

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norbert

02.01.2011, 15:54 Uhr

Die Amis führen uns doch vor, wie man sich mit Arroganz und Selbstüberschätzung in die Pfanne haut.
Wenn Arbeitnehmer (und manche Unternehmer) nix draus lernen, dann kommt die Quittung.
Ein inder oder Chinese bekommt halt weniger Geld für die gleiche Leistung.

3 weiße Tauben sch***** auf's Dach

02.01.2011, 16:42 Uhr

Ganz genau. Vor dem 2000€-"Tata Mobil" haben wir ja schon heute alle grosse Angst!

So eine häßliche Schrottkiste in Deutschland hat nichts mehr mit sparen zu tun, sondern ist eine beleidigung für das menschliche Auge.


Die restlichen Produkte aus Asien sind genauso ein Schrott.

Wer Geld hat, der kauft sich doch nichts aus Asien!
Abgesehen von Elektronik, die ausserdem meistens von westlichen Unternehmen in Asien hergestellt wird.

Siggi40

02.01.2011, 16:46 Uhr

Der Wirtschaftsboom in China wird aufgebaut auf Kinderarbeit, ohne soziale Absicherung der AN, absoluten Mindestlöhnen und das Wichtigste, ohne irgend welche Umweltschutzauflagen. in der Nähe von Großstädten findet man oft nur noch tote Flüsse und Seen, wo zahlreiche Firmen ihre giftige brühe einleiten, falls man durch die Algenschichten überhaupt noch Wasser erkennen kann.

Eigentlich die selbe Situation, wie in Europa zu beginn der industrialisierung. Aber immer noch besser als die Europäer, die ganze Kontinente plünderten und ganze Völker versklavten, sogar ausrotteten, um Wohlstand zu erzeugen.

Doch gerade wir in DE können von den künftigen boomregionen dieser Welt partizipieren – mit Produktionsanlagen Made in Germany, auf denen hochwertige Produkte hergestellt werden, mit Dumpinglöhnen.

Gut für uns – schlecht für die PiGGS, dem UK und den USA. Deren Totenglocken läuten schon. Die des Euros natürlich auch.

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