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27.01.2010

19:44 Uhr

Auftakt

Bekannte Monster der Krise tauchen auf

VonDaniel Goffart

Alles neu in Davos? Der Anspruch zumindest ist hoch. „Rethink, rebuild, redesign“ lautet in diesem Jahr das Motto der versammelten Managerelite im Schweizer Skiort. Doch Debatten über die neue Welt nach der Krise? Schulterzucken. Immerhin werden Zimmer zu Mondpreisen vermietet.

Das Geld sitzt beim Weltwirtschaftsforum inzwischen nicht mehr so locker. dpa

Das Geld sitzt beim Weltwirtschaftsforum inzwischen nicht mehr so locker.

DAVOS. Beim Neuerfinden der Welt nach der Krise soll ein breiter Ansatz gefunden werden. Eigentlich will man auf den ungezählten Podien und Panels auch nicht immer wieder nur über Geld und Finanzmärkte reden. Themen wie Gesundheit, Welternährung und vor allem Klimaschutz finden sich ebenfalls im Programm. Doch zumindest am ersten Tag tauchen die bekannten Monster der Krise überall wieder auf. Wie gefährlich sind die neuen Blasen an den Märkten? Wie ernst ist es den Regierungen mit der Begrenzung der Managerboni? Wie sammelt man das ganze Geld wieder ein, mit dem die Zentralbanken die Märkte geflutet haben? Auch die Klagen über die jüngsten US-Pläne zur Aufspaltung der Großbanken sind auf den weiten Fluren des Kongresszentrums nicht zu überhoeren.

Also was ist neu? „Green Davos“ prangt stolz auf den Aufklebern der Shuttlebusse. Doch wenn man genau hinschaut, sind es immer noch die gleichen Fahrzeuge, die schon im letzten Jahr die 2 500 Teilnehmer durch den verschneiten Ort gebracht haben.

Geblieben ist auch die Vorliebe der Manager für Geschäftsaufträge. „Ich bin hier, um Deals zu machen oder zumindest vorzubereiten“, gibt ein indischer Investor unumwunden zu. Und die Debatten über die neue Welt nach der Krise? Schulterzucken. Nice to have.

Verändert haben sich die Sicherheitsvorkehrungen. Trotz fälschungssicherer Ausweise und aufwändiger Akkreditierung wird jetzt jeder Besucher am Eingang des Kongresszentrums noch genauer und gründlicher untersucht als zuvor. Die vielfliegenden Manager haben sich inzwischen daran gewöhnt. Nur das Warten in den Schlangen fällt immer noch schwer. Time is money.

Apropos Geld: Das sitzt inzwischen nicht mehr so locker. Die legendären Empfänge der Großbanken mit Hektolitern Champagner gehören zum Bedauern der Teilnehmer ersteinmal der Vergangenheit an. Bescheidenheit ist in diesen Krisenzeiten fast ein Muss geworden, selbst wenn es beim einen oder anderen Kreditinstitut schon wieder ganz ordentlich läuft. Bloss nicht zu kräftig auf die Tonne hauen – die in Davos allgegenwärtigen Fernsehkameras könnten schließlich Bilder in die Wohnzimmer der Normalbürger senden, die nicht ganz zur allgemeinen Lage passen. Dass die Unternehmen den Organisatoren des Weltwirtschaftsforums allerdings trotz Krise immer mehr Geld für ihre Teilnahme und priviligierten Zugänge zahlen, wird am liebsten verschwiegen. Der Gipfel in Davos hat sich zum krisenfesten Geschäftsmodell entwickelt.

Davon profitieren auch die Einwohner des Schweizer Skiortes. Die Hotelpreise erreichen in der Woche des Managertreffens astronomische Höhen. Auch so mancher Einwohner vermietet seine private Wohnung zu wahren Mondpreisen an Firmen und Manager. Nur die Skiverleiher machen in der WEF-Woche eher ein schlechtes Geschäft. Obwohl die Sonne lockt und die verschneiten Berggipfel verführerisch glitzern, wechselt kaum einer der Forums-Teilnehmer vom grauen Zwirn in den Skianzug. Zum Vergnügen reist man nun wirklich nicht nach Davos.

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