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27.12.2014

15:48 Uhr

Auftritt auf AKP-Kongress

Hamas-Chef betont Freundschaft zur Türkei

Das Verhältnis zwischen der Türkei und Israel ist schwierig, zur radikal-islamischen Hamas hingegen pflegt die Türkei gute Beziehungen. Hamas-Chef Chaled Maschaal betonte das jetzt bei einem persönlichen Auftritt.

Hamas-Chef Chaled Maschaal hat bei einem persönlichen Auftritt in der Türkei die guten Beziehungen zwischen der radikal-islamischen Organisation und der AKP-regierten Türkei betont. dpa

Hamas-Chef Chaled Maschaal hat bei einem persönlichen Auftritt in der Türkei die guten Beziehungen zwischen der radikal-islamischen Organisation und der AKP-regierten Türkei betont.

IstanbulBei einem überraschenden Auftritt auf einem Kongress der türkischen Regierungspartei AKP hat der Chef der radikal-islamischen Hamas, Chaled Maschaal, die Freundschaft zwischen der Türkei und den Palästinensern beschworen. „Eine starke Türkei bedeutet ein starkes Palästina“, sagte Maschaal nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu am Samstag in der zentralanatolischen Stadt Konya.

Eine demokratische, stabile und fortschrittliche Türkei sei für alle Muslime eine Quelle der Kraft, fügte Maschaal hinzu. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte nach Angaben von Anadolu, sein Land werde für Palästina eintreten.

Die islamisch-konservative Regierung pflegt gute Beziehungen zu der im Gazastreifen herrschenden Hamas. Das Verhältnis zu Israel gilt jedoch als schwierig. Der Vorfall um das Hilfsschiff „Mavi Marmara“ belastet bis heute die Beziehungen.

Die Führungsriege der Hamas

Führer der radikal-islamischen Hamas

Sie leben gefährlich - und häufig im Exil. Die Führer der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas müssen ständig Angriffe Israels fürchten. Viele hochrangige Mitglieder wurden von Israel getötet. Wer sind derzeit die bekanntesten Führer?

Chaled Maschaal

Der Kopf des Exil-Politbüros wurde 1956 nahe Ramallah im Westjordanland geboren. Seine Familie floh während des Sechs-Tage-Krieges 1967 nach Kuwait, wo Maschaal Physik studierte. Als Teenager schloss er sich der Muslimbruderschaft, später auch der Hamas an. 1990 zog er nach Jordanien, wo er die Leitung der Hamas übernahm. Israel wirft ihm vor, die erste Intifada (palästinensischer Volksaufstand) mitorganisiert zu haben. 1997 überlebte Maschaal in Amman einen Tötungsversuch des israelischen Geheimdienstes. Im Dezember 2012 besuchte er nach der letzten Konfliktrunde den Gazastreifen - zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Tausende Palästinenser jubelten ihm zu. Er lebt heute in Katar.

Ismail Hanija

Hanija kam in einem Flüchtlingslager in Gaza zur Welt, wo er auch heute lebt. Er studierte an der Islamischen Universität in Gaza arabische Literatur. Als einer von etwa 400 Aufständischen wurde Hanija 1992 von Israel in den Südlibanon ausgewiesen. Nach seiner Rückkehr wurde er Büroleiter der Hamas, 2006 Ministerpräsident in dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen. Hanija gilt als vergleichsweise pragmatisch. In einigen Interviews deutete er die Bereitschaft zu einem Kompromiss über eine Zwei-Staaten-Lösung an.

Mussa Abu Marsuk

Die Nummer zwei der Hamas-Führung im Exil studierte in Ägypten und den USA. Marsuk soll gute Beziehungen zu muslimischen Spendern unterhalten, die die Hamas immer wieder finanziell unterstützten. Er soll außerdem an der Planung mehrerer Attentate in Israel beteiligt gewesen sein. In den vergangenen Monaten trieb er die Versöhnung mit der rivalisierenden Fatah voran. Der 63-Jährige lebt derzeit in Kairo.

Mahmud al-Sahar

Der ausgebildete Chirurg gehört zu den Gründungsvätern der Hamas. Als Sohn einer Ägypterin und eines Palästinensers wurde er 1945 in der Stadt Gaza geboren. Seine Jugend verbrachte er in Ägypten, wo er auch studierte. Nach seiner Rückkehr nach Gaza lehrte er an der örtlichen Islamischen Universität. In den 1970er-Jahren gründete er erst die Muslimbruderschaft im Gazastreifen und später zusammen mit Scheich Ahmed Jassin die Hamas. Die israelische Armee versuchte, Al-Sahar 2003 mit einer Bombe zu töten; er überlebte leicht verletzt, verlor aber einen Sohn. Nachdem Israel Scheich Jassin ein Jahr später gezielt getötet hatte, stieg Al-Sahar in den Führungszirkel der Hamas auf. Vor wenigen Tagen wurde sein Haus von der israelischen Armee zerstört.

Israelische Elitesoldaten hatten das Passagierschiff Ende Mai 2010 in internationalen Gewässer aufgebracht, weil es eine Seeblockade vor dem Gazastreifen durchbrechen wollte. Neun Aktivisten an Bord kamen bei dem Einsatz ums Leben - unter ihnen acht Türken und ein türkischstämmiger US-Bürger. Ein weiterer Türke starb vier Jahre später an den Folgen seiner Verletzungen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Hermann Paul

29.12.2014, 07:23 Uhr

Mit dieser "Politik" der Türkei , rückt eine EU Aufnahme in unerreichbare ferne , damit isoliert sich die Türkei international nur und der Wirtschaft wird das eher schaden als nützen .
Aber egal , deutsche Urlauber fahren ohnehin lieber dorthin wo sie wissen dass es sicher ist und die Expansion deutscher unternehmen Richtung Türkei ist sowieso schon zum erliegen gekommen ...
Insofern würde es durchaus sinn machen . die Einreiseformalitäten von der Türkei in die EU zu "Straffen", vielleicht auch wieder den Visazwang einführen um den Syrien rückkehren , die ja auch über die Türkei nach Europa kommen ,es nicht allzu leicht zu machen ....

Herr Hermann Paul

29.12.2014, 07:24 Uhr

..."Eine starke Türkei bedeutet ein starkes Palästina....
Soll das vielleicht bedeuten, dass wir nicht mehr davon ausgehen können, dass sich die Türkei wie ein Rechtsstaat verhält ?
Das die Türkei mit einer Organisation, die in Europa zu meist als "Terroristisch" beurteilt wird, gemeinsame Sache macht ?

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