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27.02.2011

21:26 Uhr

Auftritt in Düsseldorf

Erdogan warnt vor deutscher Ausländerfeindlichkeit

Bei einem Auftritt in Düsseldorf fordert der türkische Ministerpräsident Erdogan seine in Deutschland lebenden Landsleute zur Integration auf. Gleichzeitig kritisiert er die deutsche Ausländerfeindlichkeit.

Tausende in Deutschland lebende Türken warten auf die Rede des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan in Düsseldorf. Quelle: Reuters

Tausende in Deutschland lebende Türken warten auf die Rede des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan in Düsseldorf.

DüsseldorfDer türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat seine in Deutschland lebenden Landsleute zur Integration aufgefordert. „Ich sage Ja zur Integration. Ihr müsst euch integrieren, aber ich bin gegen Assimilation,“ rief er den rund 10000 Zuhörern am Sonntagabend in einer Düsseldorfer Veranstaltungshalle zu. Die Gesellschaft, in der sie lebten, müsse in Ruhe leben können. Das Recht auf Religionsfreiheit dürfe ihnen aber nicht genommen werden.

Er beobachte Ausländerfeindlichkeiten in Deutschland und anderen Ländern mit Argwohn, sagte Erdogan. „Islamphobie ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, genauso wie Antisemitismus.“ Jeder habe das Recht, seinen Glauben auszuleben.

Erdogan, der sich im Sommer zur Wiederwahl stellt, pries vor seinen Landsleuten die Entwicklung der Türkei in den vergangenen Jahren an. Das Land habe sich zu einem modernen, international anerkannten Staat entwickelt. „Die Türkei steht auf der ganzen Welt für Gerechtigkeit. Die Türkei schreit auf, wenn es Ungerechtigkeit gibt. Die Türkei erhält heute keine Hilfe mehr, sondern leistet Hilfe“, rief Erdogan seinen Landsleuten zu. Das Land habe eine starke Wirtschaft und sich in der Krise behauptet. Der Staat investiere in Infrastruktur wie Autobahnen und Eisenbahnstrecken, aber auch in Rüstung wie Kampfhubschrauber und Kriegsschiffe.

Erdogan war mit einstündiger Verspätung zusammen mit seiner Frau unter tosendem Beifall in die Halle eingezogen. Die türkischen Zuhörer reisten mit Bussen aus ganz Deutschland und den Nachbarländern an.

Mit Blick auf eine ähnliche Rede, die Erdogan vor drei Jahren in Köln vor Landsleuten gehalten hatte und mit der er heftige Kritik in der deutschen Politik geerntet hatte, sagte der türkische Premier: „Wir werden nicht erlauben, dass meine Worte in den deutschen Medien verdreht werden.“ 

Um türkischen Bürgern die Entscheidung für die deutsche Staatsbürgerschaft leichter zu machen, sollen künftig alle, die den türkischen Pass abgeben, eine sogenannte Blaue Karte erhalten, die in der Türkei die Funktion eines Personalausweises erfüllen soll.

An diesem Montag eröffnet Erdogan in Hannover zusammen mit Merkel die Computermesse CeBIT, bei der die Türkei das Partnerland ist.

Kommentare (12)

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Sternenwolf

27.02.2011, 22:01 Uhr

Erdogan warnt vor deutscher Ausländerfeindlichkeit? Ist das ein Witz? Umgekehrt wird ein Schuh daraus!

Thomas-Melber-Stuttgart

27.02.2011, 22:28 Uhr

Wie tief muß man als Staat gesunken sein um sich solch provokantes Verhalten gefallen zu lassen ?!

Realo

27.02.2011, 22:48 Uhr

Herrn Erdogan sollte man seine Deutschlandfeindlichkeit mal vorhalten. Oder wir machen es wie die USA: wir nehmen künftig nur noch die gebildete Schicht ins Land, dann sind wir die ganz Diskussionen los, denn ein gebildeter Mensch braucht solche Diskussionen oder Belehrungen gar nicht, der verhält sich überall so, dass man mit ihm auskommt.

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