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05.04.2015

17:26 Uhr

Auftritte in US-Talkshows

Netanjahus PR-Offensive gegen den Iran-Deal

Premier Benjamin Netanjahu sieht das Atomabkommen mit dem Iran als „Bedrohung für Israels Überleben“. Der Deal ebne den Weg für den Iran zur Atombombe. US-Präsident Barack Obama hingegen sieht das ganz anders.

Israels Premier Benjamin Netanjahu und US-Präsident Barack Obama sind unterschiedlicher Meinung, wenn es um das Atomabkommen mit dem Iran geht. dpa

Israels Premier Benjamin Netanjahu und US-Präsident Barack Obama sind unterschiedlicher Meinung, wenn es um das Atomabkommen mit dem Iran geht.

WashingtonDer israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die US-Regierung aufgefordert, ein besseres Atom-Abkommen mit dem Iran auszuhandeln. Gleich mehreren Talkshows am Sonntag zugeschaltet wiederholte Netanjahu seinen Vorwurf, die jüngste Grundsatzvereinbarung der UN-Vetomächte plus Deutschland mit Teheran sei eine „Bedrohung für Israels Überleben“. Sie blockiere Irans Weg zu einer Atombombe nicht, sondern ebne ihn. Es sei ein „sehr, sehr schlechter Deal“.

Umgekehrt hatte US-Präsident Barack Obama am Samstag in seiner öffentlichen Rundfunkansprache Kritiker der Vereinbarung beschworen, die sich bietende „historische Chance“ nicht zu verpassen. Ein umfassender langfristiger Deal mit dem Iran sei „bei weitem die beste Option. Für die Vereinigten Staaten. Für unsere Verbündeten. Und für die Welt.“

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Die Menschen im Iran strömen für Feiern und Autokorsos auf die Straßen. Sie freuen sich über das Ende der Wirtschaftssanktionen. Der israelischen Regierung ist das Abkommen zwischen dem Iran und den USA ein Dorn im Auge.

Sowohl Obamas als auch Netanjahus Äußerungen waren offensichtlich auch an den US-Kongress gerichtet, in dem das Misstrauen gegen den Iran ebenfalls tief sitzt - auch bei vielen Demokraten. Zahlreiche Kongressmitglieder fordern ein Mitspracherecht, bevor eine endgültige Iran-Vereinbarung in Kraft tritt.

So will der Republikaner Bob Corker, der den Auswärtigen Ausschuss des Senats leitet, sein Gremium bereits am 14. April über einen Gesetzentwurf abstimmen lassen, dem zufolge sich Obama eine Zustimmung beim Kongress einholen muss. Das Weiße Haus hat bereits gedroht, dass Obama sein Veto gegen jedes Gesetz einlegen werde, dass eine Iran-Vereinbarung torpedieren würde.

Netanjahu betonte unterdessen, die Meinungsverschiedenheiten mit den USA bei diesem Thema seien keine „persönliche Frage zwischen ihm und Präsident Barack Obama“. Beide hätten am Freitag ein einstündiges „respektvolles“ Telefongespräch geführt, sagte Netanjahu dem Sender CNN.

Wo der Iran Uran anreichert

Natans

Seit 2007 wird in der unterirdischen Anlage südöstlich von Teheran schwach angereichertes Uran (bis fünf Prozent) produziert. Das Material wird in Atomkraftwerken zur Stromgewinnung eingesetzt. Bis August 2013 hatte der Iran 9704 Kilo angehäuft – deutlich mehr, als das Land auch später für sein einziges AKW in Buschehr bräuchte. Zudem installierte Teheran dort eine neue Generation von Zentrifugen, die deutlich schneller mehr anreichern können. Laut IAEA sind bisher rund 1000 neue Zentrifugen einsatzbereit, aber noch nicht in Betrieb.

Fordo

Im Jahr 2009 gab Teheran die Existenz der lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu. Die Fabrik wurde in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe Ghom gebaut. Hier wird auf bis zu 20 Prozent angereichertes Uran produziert.

Parchin

Bisher verweigerte der Iran Inspekteuren den erneuten Zugang zu der Militäranlage südöstlich von Teheran. Die IAEA geht davon aus, dass dort im Jahr 2000 ein Reaktorbehälter installiert wurde. In Parchin wurden möglicherweise Tests mit Atomsprengköpfen simuliert. Der Iran dementiert das. Seit die IAEA Anfang 2012 Zugang forderte, wurden Gebäude abgerissen, Material weggebracht und der Boden umgegraben.

Buschehr

Im August 2010 wurde in der Stadt am Persischen Golf Irans erstes AKW mit Brennstäben aus Russland eröffnet. Nach Verzögerungen ging der Leichtwasserreaktor rund ein Jahr später in Betrieb.

Isafahan

Im Zentrum der iranischen Atomforschung steht die Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird dort hergestellt.

Arak

Im Westen Irans soll seit 2006 eine Anlage zur Herstellung von schwerem Wasser in Betrieb sein, der dazugehörige Schwerwasserreaktor ist noch im Bau. In Schwerwasserreaktoren fällt Plutonium an, das für die Waffenproduktion verwendet werden kann. Damit könnte sich der Iran einen zweiten Weg für die Produktion einer Bombe eröffnen.

Bisher sind lediglich Eckpunkte für ein endgültiges Abkommen mit dem Iran festgezurrt. Einzelheiten sollen bis Ende Juni ausgearbeitet werden. Ein einflussreicher iranischer Abgeordneter hat davor gewarnt, dass der Iran sein Atomprogramm ohne Einschränkungen wieder aufnehmen könnte, falls sich der Westen nicht an die Einigung von Lausanne halten sollte. „In dem Fall würden wir unser Atomprogramm schneller als in den vergangenen zehn Jahren vorantreiben“, sagte Alaeddin Borudscherdi, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, am Sonntag.

Das iranische Parlament hatte zuvor bereits mehrfach gewarnt, dass der Iran bei einem Scheitern der Atomverhandlungen, Uran von derzeit unter fünf auf 60 Prozent anreichern könnte. In Natururan ist nur zu etwa 0,7 Prozent das spaltbare Isotop 235 enthalten, der Rest ist nicht spaltbares Uran-238. Zur Verwendung in Kraftwerken muss die Uran-235-Konzentration auf zwei bis fünf Prozent erhöht werden. Rund 20 Prozent Anreicherung ist für diverse medizinische Zwecke nötig. Für Atomwaffen wird Uran-235 auf mindestens 80 Prozent, oft über 90 Prozent, angereichert.

Von

dpa

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