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22.01.2009

20:31 Uhr

Aus dem Innenleben einer Institution

Obamas neuer Stil im Weißen Haus

VonMarkus Ziener

Unter seiner Präsidentschaft soll im Weißen Haus ein anderer Ton herrschen als unter George W. Bush, signalisiert der neue Chef vom ersten Tag an: kein Triumphgeheul, keine Abfälligkeiten, möglichst wenig Parteipolitik.

Das Ende der Cowboy-Ära: Der neue US-Präsident Barack Obama macht von Anfang an deutlich, dass mit ihm ein neuer Stil ins Weiße Haus einzieht. Foto: ap ap

Das Ende der Cowboy-Ära: Der neue US-Präsident Barack Obama macht von Anfang an deutlich, dass mit ihm ein neuer Stil ins Weiße Haus einzieht. Foto: ap

WASHINGTON. Ein ernster Blick, eine Handbewegung – das genügt, um die Machtverhältnisse deutlich zu machen. Als sich Joe Biden bei der Vereidigung der Mitarbeiter im Weißen Haus über den obersten Richter John Roberts lustig macht, erntet er von seinem Präsidenten zuerst einen missbilligenden Augenaufschlag, dann eine unmissverständliche Geste. Roberts mag am Vortag bei der Zeremonie auf den Stufen des Kapitols ein Lapsus passiert sein, doch ein Grund für lästerliche Kommentare ist das nicht – zumindest nicht für Barack Obama. Unter seiner Präsidentschaft soll im Weißen Haus ein anderer Ton herrschen als unter George W. Bush, signalisiert der neue Chef vom ersten Tag an: kein Triumphgeheul, keine Abfälligkeiten, möglichst wenig Parteipolitik.

Die Dinge ernst nehmen, aber gleichzeitig eine neue Lockerheit praktizieren: Es sind die Kleinigkeiten, an denen sich die Veränderungen ablesen lassen. Ohne Jackett ins Oval Office? Unter Bush undenkbar, bei Obama offenbar kein Problem. Mehr Klarheit über das Tun im Weißen Haus? Unter Bush war der Sitz des Präsidenten eine Grauzone, Obama verfügt am ersten Arbeitstag, dass es ab jetzt mehr Transparenz geben soll. „Nur weil jemand durch Veröffentlichung bestimmter Informationen in Verlegenheit gebracht werden könnte, dürfen diese nicht vertraulich bleiben“, ordnet Obama an.

Und natürlich auch: auf Nummer sicher gehen. Bei Obamas erster Vereidigung am Dienstag hatte Roberts den Amtseid minimal abgewandelt. Und da kein hundertprozentiges Urteil über die Gültigkeit der Zeremonie gefunden werden kann, wird der Chief Justice am Mittwoch aus dem nahen Obersten Gericht geholt. Um 19:35 Uhr spricht Obama im Kartenraum des Weißen Hauses noch einmal die 35 Worte der Eidesformel. „Sind Sie bereit, den Amtseid zu leisten?“, hört man Roberts fragen. Obama: „Ja, und wir werden das ganz langsam machen.“ Nach 25 Sekunden ist alles vorbei. Veröffentlicht wird davon nur ein Bild, dazu eine Tonaufzeichnung. Kein Video. Die ungewöhnliche Wiederholung der Zeremonie soll in den Nachrichtensendern an diesem Abend nicht in einer Endlosschleife durchgekaut werden. Für das Weiße Haus ist nur eines wichtig: „Wir haben lieber ein Übermaß an Vorsicht walten lassen“, sagt Regierungssprecher Robert Gibbs.

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