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02.12.2014

12:17 Uhr

Aus für South Stream

„Das war's. Das Projekt ist geschlossen“

Putin hat den Bau der Gasleitung South Stream gestoppt – und wendet sich stärker der Türkei zu. Betroffen sind nicht nur osteuropäische Länder – auch deutsche Konzerne sind geschäftlich bei der Pipeline dabei.

Zwei Rohrstücke einer Gaspipeline bei Belgrad: „Die Position der EU-Kommission ist nicht konstruktiv“. dpa

Zwei Rohrstücke einer Gaspipeline bei Belgrad: „Die Position der EU-Kommission ist nicht konstruktiv“.

DüsseldorfDie Entscheidung Russlands, den Bau der Gasleitung South Stream zu stoppen, schlägt hohe Wellen. Serbien bedauerte als enger Partner Russlands das Aus des Projekts. „Serbien war in keiner Weise an dieser Entscheidung beteiligt“, sagte Regierungschef Aleksandar Vucic am Dienstag dem Staatsfernsehen RTS. „Wir haben sieben Jahre in dieses Projekt investiert, aber wir zahlen jetzt den Preis für die Konflikte der Mächtigen“, ergänzte er. Vucic kündigte Gespräche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin an, um den Kremlchef eventuell umzustimmen.

Putin hatte am Montagabend überraschend bekanntgegeben, dass Russland seine Pläne für den Bau der Erdgasleitung zur Versorgung Südeuropas aufgibt. Das Projekt sei durch die „Blockadehaltung“ der EU sinnlos geworden, sagte er. „Das war's. Das Projekt ist geschlossen“, betonte auch Gazprom-Chef Alexej Miller in Ankara. Als Alternative hätten Russland und die Türkei den Bau einer Offshore-Pipeline vereinbart.

Putin kritisierte scharf, dass sich vor allem Bulgarien auf Geheiß der EU querstelle. „Die Position der EU-Kommission ist nicht konstruktiv und entspricht nicht den Wirtschaftsinteressen Europas.“

Russlands Entscheidung zum Stopp von South Stream beweise die Wichtigkeit, Europas Energieversorgung auf viele verschiedene Quellen zu stützen, erklärte die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Kristalina Georgieva, in Brüssel. Zugleich wolle die Kommission die "neue Entwicklung" auf dem nächsten Treffen zu South Stream zwischen der EU, Bulgarien und den weiteren betroffenen EU-Staaten besprechen, erklärte Georgievas Kollege, der für Energie zuständige Vizekommissionspräsident Maros Sefcovic. Dieses Treffen solle "ungeachtet von Russlands Ankündigung, das Projekt zu stoppen", wie geplant Dienstag kommender Woche stattfinden.

Die internationale Gasleitung South Stream

Länge

Die Erdgasleitung South Stream bildet eine Gesamtlänge von 2380 Kilometern.

Unter Wasser

Das Herzstück ist ein 925 Kilometer langer Abschnitt im Schwarzen Meer durch russische, türkische und bulgarische Hoheitsgewässer.

Über Land

Vom bulgarischen Anlandepunkt in der Hafenstadt Warna sollte eine 1455 Kilometer lange Landleitung durch Serbien, Ungarn und Slowenien bis nach Norditalien führen.

Vom schwarzen Meer bis Italien

South Stream soll nach den bisherigen Plänen die russische Stadt Anapa am Schwarzen Meer mit dem italienischen Grenzort Tarvisio verbinden. Sie würde es ermöglichen, russisches Gas am Krisenland Ukraine vorbei nach Europa zu transportieren.

Haushalte

Bisherige russische Pläne gingen davon aus, dass durch die Leitung von 2019 an bis zu 38 Millionen Haushalte versorgt werden könnten.

Kosten

Die Kosten für das Vorhaben werden auf 16 Milliarden Euro geschätzt.

Gazprom und Eni

An der Firma South Stream Transport, die ihren Sitz in den Niederlanden hat, sind der russische Gasmonopolist Gazprom mit 50 Prozent und der teilstaatliche italienische Energieversorger Eni mit 20 Prozent beteiligt.

Wintershall und EDF

Die BASF-Tochter Wintershall und der mehrheitlich staatliche französische Energiekonzern EDF halten je 15 Prozent.

Sofia hatte nach Bedenken aus Brüssel die Vorbereitung für den Bau des bulgarischen Abschnitts der South-Stream-Pipeline auf Eis gelegt, bis das Projekt im Einklang mit den EU-Regeln gebracht werde. Das einst kommunistische Balkanland hängt auch fast acht Jahre nach dem EU-Beitritt fast komplett von russischen Gaslieferungen ab.

Moskauer Medien zufolge hat Russland bisher rund 4,66 Mrd. Dollar (etwa 3,74 Mrd. Euro) in das Projekt investiert. Doch die Energiegroßmacht ist derzeit erheblich geschwächt, weil der Ölpreis sehr niedrig ist und die Konjunktur auch wegen der westlichen Sanktionen in der Ukrainekrise schwächelt. Beobachter schließen nicht aus, dass dies zur Entscheidung beigetragen haben könnte.

Durch die insgesamt 2380 Kilometer lange South-Stream-Leitung wollte Russland Gas durch das Schwarze Meer nach Bulgarien und von dort über Serbien bis nach Westeuropa pumpen. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts hatten Kritiker des Projekts beklagt, dass die Leitung die nach Westen strebende Ukraine umgehe.

Kommentare (34)

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Account gelöscht!

02.12.2014, 11:31 Uhr

Ist doch eigentlich egal, ob dieses Gasprojekt jetzt kommt oder nicht....EU-Deutschland schaufelt sich mit der Energiewende und dem perfiden und marktfeindlichen EEG (Erneuerbaren Energie Subventionsgesetz) gerade sein eigenes volkswirtschaftliches Grab!

Herr Manfred Zimmer

02.12.2014, 11:44 Uhr

Die SDanktionen der EU-Politiker wirken!

Man könnte sich mit den EU-Politikern geistig duellieren, kämen sie nicht völlig unbewaffnet daher.

Herr Teito Klein

02.12.2014, 11:50 Uhr

Putin stoppt South Stream
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Serbien sieht sich als Verlierer im Streit zwischen Putin und der EU.

Serbien hat das Aus für die Gaspipeline South Stream bedauert. "Serbien war in keiner Weise an dieser Entscheidung beteiligt", sagte Regierungschef Aleksandar Vučić dem Staatsfernsehen RTS. "Wir haben sieben Jahre in dieses Projekt investiert, aber wir zahlen jetzt den Preis für die Konflikte der Mächtigen."

Die Eurokraten und die USA wollten keine South-Stream-Pipeline. das hätte der Ukraine geschadet. Also wurde Bulgarien von der EUdSSR unter Druck gesetzt den Bau nicht zuzustimmen.
Jetzt will Warlord Putin eine neue Pipeline in die Türkei bauen. Durch diese soll ein vielfaches der bisherigen Liefermenge an Sultan Erdogan fließen. Er hat auch schon einen Rabatt von 6% eingeräumt.

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