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15.09.2012

11:15 Uhr

Ausbau

Prag glaubt an die Kernenergie

VonStefan Menzel

Während Deutschland den Ausstieg aus der Kernenergie plant, will Tschechien seine Atomkraftwerke weiter ausbauen. Widerstand gibt es kaum. Denn der Staat unterstützt die Atomkraft.

Das Atomkraftwerk im tschechischen Temelin. dapd

Das Atomkraftwerk im tschechischen Temelin.

TemelinEin kleiner Ort in Südböhmen unweit der tschechischen Grenze zu Deutschland und Österreich sorgt für grenzüberschreitenden Zwist: Temelin. Der staatliche Energiekonzern CEZ betreibt dort sein wichtigstes Atomkraftwerk, zwei Kraftwerksblöcke sind bereits seit mehr als zehn Jahren in Betrieb. Bis zum Jahr 2025 sollen noch zwei weitere Reaktoren dazukommen. Bei den Nachbarn in Deutschland und Österreich stoßen die Erweiterungspläne auf Protest. Umweltgruppen halten den Standort Temelin für unsicher.

In Tschechien gibt es dagegen kaum Widerstand gegen die Erweiterungspläne. Im Gegenteil: Im Unterschied zu Deutschland und Österreich bekommt die Atomkraft Unterstützung aus der obersten Staatsführung. „Der Bau von zwei weiteren Reaktoren ist ein sehr vernünftiger Schritt“, sagte Staatspräsident Vaclav Klaus bei seinem jüngsten Temelin-Besuch im Sommer. Das Atomkraftwerk besitze große Bedeutung für die Stromversorgung Tschechiens, schon heute werden dort 20 Prozent des Strombedarfs gedeckt.

Mit präsidialer Rückenstärkung treibt der Staatskonzern CEZ den Bau der beiden neuen Reaktoren voran. Baukosten von etwa elf Milliarden Euro sind bislang veranschlagt. Voraussichtlich im Jahr 2016 soll mit den Arbeiten begonnen werden. Etwa in einem Jahr will CEZ-Vorstandschef Daniel Benes bekanntgeben, welches Konsortium die beiden Reaktorblöcke bauen darf. Drei Unternehmensgruppen haben im Juli ihre Angebote für die Temelin-Reaktoren abgegeben: Areva (Frankreich), Westinghouse (USA) und das tschechisch-russische Konsortium Skoda-Atomstroyexport.

„Ende nächsten Jahres wollen wir die Verträge unterzeichnet haben“, verkündet Konzernchef Benes. Die Vollendung der beiden neuen Temelin-Reaktoren wäre der größte jemals von CEZ vergebene Bauauftrag – und zugleich das teuerste Bauprojekt in der Geschichte des Landes. Für Benes sind die beiden geplanten neuen Blöcke zwei wichtige Eckpfeiler in der Konzernstrategie, die „eine sichere Energieversorgung für Jahrzehnte“ garantiere.

Staat und Staatskonzern gehen bei der Energieplanung Hand in Hand voran. Die Strategie der Stromversorgung sieht vor, dass der Anteil der Atomenergie am gesamten tschechischen Energieverbrauch von aktuell etwa 30 Prozent bis zum Jahr 2030 auf rund 50 Prozent ansteigen soll. Parallel zum Ausbau der Atomkraft fährt der Staat die Förderung erneuerbarer Energieformen langsam zurück. Möglicherweise wird auch am zweiten tschechischen Atomkraftstandort in Dukovany ein zusätzlicher Reaktorblock gebaut.

In Ergänzung zur staatlichen Energiepolitik und der damit verbundenen Förderung der Atomkraft hat der CEZ-Konzern damit begonnen, den eigenen Kraftwerkspark umzurüsten. Fünf Kohlekraftwerke stehen zum Verkauf. Den Erlös, es könnten mehrere 100 Millionen Euro werden, will der Konzern vor allem in den Ausbau der Kernenergie stecken.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

15.09.2012, 12:58 Uhr

Tschechien ?
In diesem Zusammenhang dürfen wir auch Polen,Frankreich BENELUX , Finnland ,Russland,England,Schweiz und und und nennen .
Alle hoffen auf gute Geschäfte und die machen sie auch !!!

Account gelöscht!

15.09.2012, 15:03 Uhr

Stimmt! Die guten Geschäfte machen sie mit uns. Deutschland - die Insel der Glückseligkeit. Der Atomstrom kommt aus dem Ausland und ist irgendwie grüner.

jindra

15.09.2012, 15:45 Uhr

Kernkraftwerke mit nahöstlicher Finanzierung. Während wir jede Erhöhung der Ölferderraten in Nahen Osten mit Genugtuung quittieren, gehen dort die Ölvorrete zu Ende. Daher ist es gut jetzt langsam auch die nah-
östlichen Finanzvorräte für den Ausbau der Kernenergie in Europa zu nutzen - zum beiderseitigen Vorteil.

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