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10.05.2011

12:40 Uhr

Ausbau-Stopp

Japan vollzieht Wende in der Atompolitik

Vondpa , dapd

Die japanische Regierung lässt angesichts der Atomkrise in Fukushima den Plan für einen weiteren Ausbau der Atomenergie fallen. Stattdessen soll eine dritte Säule der Energieversorgung aufgebaut werden.

Japans Ministerpräsident Naoto Kan bei seinem Auftritt vor der Presse. Quelle: Reuters

Japans Ministerpräsident Naoto Kan bei seinem Auftritt vor der Presse.

TokioMinisterpräsident Naoto Kan kündigte am Dienstag an, Japan müsse seine langfristige Energiepolitik nach dem verheerenden Erdbeben vor zwei Monaten und seinen dramatischen Folgen für das Atomkraftwerk Fukushima-Daichii vollständig neu überdenken. Der Plan, den Anteil der Atomenergie von bisher rund 30 Prozent auf 50 Prozent aufzustocken, werde aufgegeben, erklärte er vor der Presse. Neben Atomstrom und den Ölimporten sollen künftig erneuerbare Energien die dritte Säule der Energiepolitik werden, sagte Kan. Die bisherige Planung hatte einen Anteil von erneuerbaren Energien an der Stromversorgung des Landes von 20 Prozent vorgesehen. Diese Planung werde nun überarbeitet, kündigte der Regierungschef an.

Kan hatte zuvor den Betreiber Chubu Electric Power erfolgreich aufgefordert, das Atomkraftwerk Hamaoka in Zentral-Japan vorsorglich abzuschalten, um einen weiteren Nuklearunfall bei einem neuen Erdbeben ähnlich dem vom 11. März zu vermeiden. Das Kraftwerk in der Region Shizuoka liegt in einer Erdbebenzone.

Kan erklärte außerdem, er werde ab Anfang Juni auf einen Teil seines Gehalts verzichten. Er werde seine Zulage als Regierungschef solange nicht annehmen, bis die Lage in der Atomruine unter Kontrolle sei. Er wolle damit für die Regierung Verantwortung die Katastrophe übernehmen.

Die Ines-Skala

Wo fängt die Ines-Skala an?

Bei der Stufe 0. Die sicherheitstechnische Bedeutung ist nicht vorhanden oder nur sehr gering.

Was bedeutet Störung?

Dass es zu Abweichungen von den zulässigen Bereichen für den sicheren Betrieb der Anlage kommt. Auf der Ines-Skala bedeutet das die Stufe 1.

Wann spricht man von einem Störfall?

Wenn es zu erheblichen Kontaminationen mit unzulässig hoher Strahlenexplosion beim Personal kommt und gestaffelte Sicherheitsvorkehrungen begrenzt ausfallen. Auf der Ines-Skala ist das die Stufe 2. Ab diesem Punkt sind Atomkraftwerke verpflichtet, die Zwischenfälle der Internationalen Atomenergiebehörde zu melden.

Wann liegt ein ernster Störfall vor?

Wenn es eine sehr geringe Freisetzung mit Strahlenexposition bei der Bevölkerung gibt, die in Höhe eines Bruchteils der natürlichen Strahlenexposition liegt. Bei dem Personal kommt es zu schweren Kontaminationen und akuten Gesundheitsschäden. Die gestaffelten Sicherheitsvorkehrungen fallen weitgehend aus. Hier liegt die Stufe 3 auf der Ines-Skala vor.

Wann spricht man von einem Unfall im AKW?

Bei geringer Freisetzung mit Strahlenexposition für die Bevölkerung, die in etwa der natürlichen Strahlungshöhe entspricht. Es kommt auch zu begrenzten Schäden am Reaktor und/oder an den radiologischen Barrieren. Strahlenexposition beim Personal mit Todesfolge. Auf der Ines-Skala ist die Stufe 4 erreicht.

Was heißt "Ernster Unfall"?

Hier kommt es zur begrenzten Freisetzung von Strahlung mit Einsatz einzelner Katastrophenschutzmaßnahmen. Es liegen schwere Schäden an den Reaktoren und/oder radiologischen Barrieren vor. Die Stufe 5 auf der Ines-Skala ist erreicht.

Wann ist es ein "Schwerer Unfall"?

Wenn eine erhebliche Menge Strahlung freigesetzt wird und es zum vollen Einsatz der Katastrophenschutzmaßnahmen kommt. Das ist die Stufe 6 auf der Ines-Skala.

Was ist ein "Katastrophaler Unfall"?

Es kommt zu schwersten Freisetzungen mit Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld. Das ist die höchste Ines-Stufe (7) und wurde vor Japan nur in Tschernobyl erreicht.

Kommentare (1)

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10.05.2011, 15:59 Uhr

Japan sollte auf inhärent sichere AKWs der 4. Generation setzen. Sog. Ökostrom ist die falsche Antworte, weil sie die Energie- und damit Produktionskosten der Industrie massiv verteuert. Für Japan droht langfristig ein massiver Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, weil Südkorea, China und Indien unbeirrt auf Kernenergie setzen.

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