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11.02.2016

14:28 Uhr

Auschwitz-Prozess

Früherer SS-Wachmann vor Gericht

Der 94-jährige Angeklagte schweigt und verfolgt das Gerichtsgeschehen ohne sichtbare Anteilnahme. Zum Prozessauftakt in Detmold kommen nicht nur viele Journalistin, sondern auch eine prominente Holocaust-Leugnerin.

Dem 94-Jährigen aus Lippe wird Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen vorgeworfen. Er war früher SS-Wachmann im Konzentrationslager Auschwitz. Reuters

Reinhold H. im Landgericht Detmold

Dem 94-Jährigen aus Lippe wird Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen vorgeworfen. Er war früher SS-Wachmann im Konzentrationslager Auschwitz.

Detmold71 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz hat am Donnerstag vor dem Detmolder Landgericht ein weiterer Prozess gegen einen mutmaßlichen früheren SS-Wachmann des Lagers begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 94-jährigen Reinhold H. Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen vor. Zum Auftakt des Verfahrens forderte ein Auschwitz-Überlebender als erster Zeuge in einem emotionalen Appell den Angeklagten zur Aussage auf.

„Herr H., wir sind fast gleich alt und wir stehen bald beide vor dem höchsten Richter. Ich möchte Sie auffordern, uns die historische Wahrheit zu sagen“, sagte der ebenfalls 94-jährige Leon Schwarzbaum, nachdem er über seine furchtbaren Erlebnisse im deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz berichtet hatte.

Dort wurden nach Angaben des Nebenklägers 35 seiner Verwandten von den Nazis ermordet. „Sprechen Sie an diesem Ort darüber, was Sie und ihre Kameraden getan oder erlebt haben“, rief Schwarzbaum.

Der Angeklagte äußerte sich am ersten Verhandlungstag nicht und verfolgte das Geschehen im Gerichtssaal ohne sichtbare Anteilnahme mit meist mit tief gesenkten Kopf. H. ist gesundheitlich angeschlagen und hatte nach Angaben der Verteidigung vor kurzem einen Zusammenbruch erlitten. Laut einem gerichtlich bestellten ärztlichen Gutachter ist er verhandlungsfähig, allerdings für höchstens zwei Stunden pro Tag.

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Angaben von H. zu den Vorwürfen seien „derzeit“ nicht geplant, sagte dessen Verteidiger Johannes Salmer am Donnerstag. „Wir wollen erst einmal die Zeugen hören und werden dann entscheiden, was wir tun.“ Der Angeklagte hat bereits vor dem Prozess eingeräumt, im Stammlager eingesetzt gewesen zu sein. Eine Beteiligung an Tötungen von Menschen bestreitet er aber.

Der Prozess, an dem 40 Auschwitz-Überlebende und Angehörige von Holocaust-Opfern aus dem In- und Ausland als Nebenkläger teilnehmen, wird am Freitag fortgesetzt. Angesetzt sind für das Verfahren zunächst Termine bis in den Mai.

Die Staatsanwaltschaft wirft H. vor, als Mitglied des sogenannten SS-Totenkopfsturmbanns Auschwitz zur Wachmannschaft des Lagerkomplexes gehört zu haben und so den Massenmord an Häftlingen und deportierten Juden während des Holocausts unterstützt zu haben. Die Vorwürfe gegen H. beziehen sich auf die Jahre 1943 und 1944.

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