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28.01.2011

20:57 Uhr

Ausgehverbot

Ägypten brennt - und keine Ruhe in Sicht

Mit einem landesweiten nächtlichen Ausgehverbot versucht Präsident Husni Mubarak die Unruhen in Ägypten in den Griff zu bekommen -doch ohne Erfolg. In Kairo steckten Demonstranten die Zentrale der Regierungspartei in Brand, in etlichen Städten wurden Reifen und teilweise sogar Polizeifahrzeuge angezündet. Tausende gehen in Kairo auf die Straße. Und die Zahl der Toten steigt.

Ägyptische Demonstranten auf der Straße Kairo. dpa

Ägyptische Demonstranten auf der Straße Kairo.

HB KAIRO. Ägyptische Soldaten sollen das von Präsident Husni Mubarak verhängte Ausgehverbot überwachen. Damit soll nach den bislang schwersten Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten mit der Nacht wieder Ruhe einkehren. Allerdings missachteten in der Hauptstadt Kairo Tausende das Verbot und trugen ihren Protest auch nach Sonnenuntergang auf die Straßen.

Dabei versuchten sie auch zwei Regierungsgebäude zu stürmen - das Haus des Staatsfernsehens und das Außenministeriums. Andere Demonstranten saßen auf den Straßen und beteten.

In etlichen Städten wurden Reifen und teilweise sogar Polizeifahrzeuge angezündet. In Kairo steckten die Demonstranten die Zentrale der Regierungspartei in Brand. Teilweise wurde sie auch geplündert - Fernsehgeräte und Ventilatoren wurden aus dem Gebäude getragen. Ein Demonstrant wurde bei den Auseinandersetzungen am Freitag getötet.

„Ich kann nicht glauben, dass unsere Polizei, unsere eigene Regierung immer weiter auf uns einprügelt“, sagte der 26-jährige Ahmad Salah, der an den Demonstrationen teilnahm. „Ich bin seit Stunden hier, wurde mit Tränengas beschossen und bin weiter gegangen, und sie schießen weiter mit Gas und ich werde weiter gehen. Das ist eine feige Regierung und sie muss gestürzt werden. Wir werden dafür sorgen“, sagte er.

Die Zahl der Toten und Verletzten bei den schweren Zusammenstößen in Ägypten sind Kreisen zufolge höher als bislang mitgeteilt. Allein in der Stadt Suez seien am Freitag dreizehn Menschen getötet und 75 weitere verletzt worden, hieß es in Ärztekreisen. Dabei blieb offen, ob auch Polizisten unter den Opfern waren. Zudem seien im Großraum Kairo etwa 1030 Menschen verletzt worden, hieß es.

Kommentare (2)

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Autonomus

28.01.2011, 23:46 Uhr

Götterdämmerung der arabischen Despoten?

Man mag es den Menschen, auch den Ägyptern, nur wünschen, freie bürger zu werden und nicht bloß Anhängsel einer (bestenfalls) Freiheits-/Wohlwollens-Gewährung greiser Potentanten und deren Clans, die es schamlos ausplündern (in Tunesien haben sie sich vor ihrem Abgang noch 1,5 Tonnen Gold bei der Nationalbank abgeholt) und, wenn sie schon selber ans Ende kommen, gerne die eigene Familienbrut als ihre Nachfolger installieren würden, damit das schamlose Spiel weitergehen kann. Der Staat als mafioser Familienbetrieb: Syrien, Ägypten, Libyen (Gaddafis Sohn soll ebenfalls den Vater beerben), Marokko - alles wie in Nordkorea. Überall muß dem Volk von seinen Ausplünderern erklärt werden, was ihm wahrhaft nützt und seine Freiheit ist.

Die eigentliche Ursache des arabischen Despoten-Niedergangs: ein bevölkerungsüberschuß dank - islamisch bedingter - Entmündigung der Frauen, den die jeweiligen Volkswirtschaften nicht mehr absorbieren können. Zu viele gut ausgebildete junge Menschen ohne Zukunft. Not. Nichtstun. Mehr als die Hälfte der bevölkerung lebt im Hunger, ohne Chancen, dem zu entkommen. Unser beredter Gysi und Frau Loetzsch sind leider nicht vor Ort. Über Facebook wissen das auch die Ägypter und sind es endlich mit allen Luschen leid.

Wann kommt bei uns endlich der 'Tag des Zorns' über unsere (EU-) Entmündiger? Ob dann auch deren Parteibüros wie in Ägypten brennen werden?

Morchel

29.01.2011, 11:05 Uhr

@Autonomus Dem Gysi/Loetzsch kommt das alles noch sehr bekannt vor. Denke auf eine Auffrischung können sie gut verzichten. Die Kommunismusdebatte hat aber gezeigt das wahre Läuterung noch nicht staatgefunden hat. Das Freiheit des einzelnen unabdingbar ist in den letzten 20 ig Jahren leider auch in der gesamten EU durch ein Monster der bürokratie nicht mehr selbstverständlich. Nicht die bevölkerung hat das zu Verantworten sondern eine Lumpenelite die sich auf Kosten der Länder bereichert haben eine unheilige Allianz von Politik, Wrtschaft, Finanzindustrie. Was so nicht gut gehen kann.
Wie aber kann es weiter gehen ? Wir sollten einen Schlussstrich ziehen und nach dem Reset und Neuordnen der Finanzen, der Schuldenberg ist zu gewaltig er kann nur durch eine Währungsreform abgebaut werden, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zwingen, denn sie sind die Profiteure von diesen ungeheuerlichen Vorgängen. Die Wut ist in der bevölkerung sehr vorhanden und viel denken wieso nur Tunesien/Agypten, wir haben auch die Schnautze voll. Ob Sarkosy nun den Euro verteidigen will,natürlich mit deutscher Hilfe, der Steuerzahler hier wie dort kann und will niemand mehr eine Mafia finanzieren die nur ein Handeln zu kennen scheint Macht schadet nur den der sie nicht hat. Die Völker wurden einfach nur ausgenommen, schreckliche parallelen zur Deutschen Einheit und die Handlungen in der Treuhand tun sich da auf. Die Deutsche Einheit war das Experiment und wurde nach gelingen auf die EU angewandt. Man schaue nur auf die einträge in den Grundbüchern. So wie die grosse Masse in Ostdeutschland in einen Freizeitparck lebt mit harz 4 im beutel, so geht es nun vielen Europäern.

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