Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2016

15:28 Uhr

Ausladung wegen Atomwaffen-Test

Nordkorea will Weltwirtschaftsforum „zur Verantwortung ziehen“

Wer miteinander Handel treibe, der führe keinen Krieg, heißt es oft. Beim Weltwirtschaftsforum gilt das offenbar auch umgekehrt. Wegen des jüngsten Atombomben-Tests wurde Nordkorea vom WEF ausgeladen. Pjöngjang zürnt.

Die Regierung in Pjöngjang unter Diktator Kim Jong-Un hält die Ausladung für ungerechtfertigt. dpa

Politische Gründe

Die Regierung in Pjöngjang unter Diktator Kim Jong-Un hält die Ausladung für ungerechtfertigt.

PjöngjangNordkorea hat seine Ausladung vom Weltwirtschaftsforum (WEF) scharf kritisiert. Das WEF hatte den Schritt mit dem jüngsten Atomtest in dem kommunistischen Land begründet. In einem Protestbrief habe Nordkorea sein „tiefes Bedauern“ deswegen geäußert, berichteten die Staatsmedien am Donnerstag. Das Regime in Pjöngjang warf den Veranstaltern vor, aus ungerechtfertigten politischen Gründen gehandelt zu haben. „Das Forum wird für die Konsequenzen infolge seiner unfreundlichen Maßnahme gegen die Volksrepublik zur Verantwortung gezogen werden.“

WEF-Vorstandsmitglied Philipp Rösler hatte am Mittwoch mitgeteilt, das Forum habe Nordkorea zunächst eingeladen, weil es nach langen Jahren der politischen Isolation des Landes gewisse Anzeichen für eine Dialogbereitschaft gegeben habe. Dies sei aber nach dem Atomtest als nicht mehr angemessen erschienen, so dass die Einladung zurückgenommen worden sei. Pjöngjang behauptet, bei dem Atomtest am Mittwoch vergangener Woche, der weltweit Empörung ausgelöst hatte, erstmals eine Wasserstoffbombe gezündet zu haben.

Pjöngjangs Weg zur Wasserstoffbombe

2002

Oktober: Washington wirf Pjöngjang vor, insgeheim waffenfähiges Uran zu produzieren und damit gegen das atomare Abrüstungsabkommen von 1994 zu verstoßen.
Dezember: Nordkorea enthüllt seinen Reaktor Yongbyon, in dem Plutonium hergestellt wird, und wirft die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aus dem Land.

2003

Januar: Der kommunistische Staat kündigt den Atomwaffensperrvertrag auf.
August: Die sogenannte Sechsergruppe aus Nord- und Südkorea, den USA, China, Russland und Japan trifft sich zu ersten Verhandlungen über den Atomkonflikt.
Oktober: Die UNO verhängt Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Nordkorea.

2005

Februar: Pjöngjang verkündet, Atomwaffen zu Verteidigungszwecken gebaut zu haben.
September: Pjöngjang akzeptiert den Stopp seines Atomprogramms und die Rückkehr zum Atomwaffensperrvertrag, bekommt im Gegenzug Sicherheitsgarantien und die Zusage von Energielieferungen.
November: Eine weitere Verhandlungsrunde scheitert am Widerstand der USA, eingefrorene Konten Nordkoreas in Macau freizugeben.

2006

Oktober: Erster nordkoreanischer Atomwaffentest

2007

Februar: Pjöngjang verspricht ein Mal mehr die Aufgabe seines Atomwaffenprogramms und will wieder IAEA-Inspekteure ins Land lassen - im Gegenzug für eine Million Tonnen Treibstoff und die Streichung von der US-Liste der Terror-Staaten.
Juni und Juli: Die Treibstofflieferungen werden aufgenommen, die IAEA-Kontrolleure bescheinigen Pjöngjang, den Reaktorkomplex in Yongbyon dichtgemacht zu haben.
Oktober: Der kommunistische Staat verspricht, sein komplettes Atomprogramm bis Ende des Jahres zurückzufahren.

2009

April: Nordkorea testet eine Langstreckenrakete. Der UN-Sicherheitsrat verschärft daraufhin die Sanktionen. Pjöngjang verlässt die Sechsergruppe, verkündete die Wiederaufnahme seines Atomprogramms und beendet die Zusammenarbeit mit der IAEA.
Mai: Nordkorea verkündet einen zweiten „erfolgreichen“ unterirdischen Atomwaffentest.

2013

Januar: Nach einem weiteren Raketentest verschärft die UNO ein weiteres Mal die Sanktionen.

Februar: Dritter Atomwaffentest, diesmal mit einem Mini-Sprengsatz.

August: Einem Satellitenfoto zufolge hat Nordkorea nach sechs Jahren seine Atomanlage Yongbyon wieder hochgefahren, die wichtigste Quelle für waffenfähiges Plutonium.

2015

Mai: Pjöngjang verkündet die Fähigkeit, Mini-Atomwaffen zu produzieren, eine entscheidende Etappe auf dem Weg zu Atomsprengköpfen für Raketen.
Dezember: Machthaber Kim Jong Un lässt durchblicken, sein Land habe eine Wasserstoffbombe entwickelt.

2016

Januar: Pjöngjang verkündet einen ersten Test mit einer Wasserstoffbombe.

Zum WEF-Treffen in Davos haben sich mehr als 40 Staats- und Regierungschefs sowie 2500 Spitzenpolitiker, Topmanager und führende Wissenschaftler aus mehr als 100 Ländern angesagt.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×