Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.02.2013

22:55 Uhr

Ausschreitungen

Gewalt bei neuen Protesten in Ägypten

Das Ziel ist noch immer das gleiche: Dass Präsident Mursi die Notstandsmaßnahmen beendet und abtritt. Zehntausende gingen dafür auf die Straße, bei Zusammenstößen gab es einen Toten und viele Verletzte.

Die Wut auf die Regierung ist ungebändigt. Reuters

Die Wut auf die Regierung ist ungebändigt.

KairoBei neuen Protesten von zehntausenden Ägyptern gegen die islamistische Regierung von Präsident Mohammed Mursi ist es am Freitagabend erneut zu blutigen Zusammenstößen von Polizei und Demonstranten gekommen. Mindestens ein Mensch wurde getötet, weitere 30 wurden verletzt.

Demonstranten forderten unter anderem den Rücktritt Mursis, einen Sturz seines Regimes sowie ein Ende des ausgerufenen 30-tägigen Notstandes am Suez-Kanal. Die Wut von Demonstranten richtete sich auch gegen die islamistische Muslimbruderschaft, aus der Mursi stammt. Oppositionsführer hatten die Menschen aufgerufen, bei ihren Protesten friedlich zu bleiben.

Neue Proteste gegen Mursi

Video: Neue Proteste gegen Mursi

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Am Abend kam es zu Krawallen, in deren Verlauf mindestens ein Mensch ums Leben kam. Die Zahl der Verletzten wurde am Abend mit mindestens 30 angegeben. Die Nachrichtensender Al-Dschasira und Al-Arabija berichteten von Auseinandersetzungen am Präsidentenpalast in Kairo.

Der Amtsitz von Mohammed Mursi sei mit Brandsätzen und Feuerwerkskörpern angegriffen worden, hieß es. Im Garten des Palastes habe es kurzzeitig ein kleines Feuer gegeben. Die Sicherheitskräfte gingen mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Hunderte Demonstranten vor.

Die Demonstranten warfen die Tränengaskanister über die Mauer zurück in Mursis Garten. Al-Arabija berichtete zudem von Zusammenstößen von Aktivisten und der Polizei vor der britischen Botschaft in der Nähe des Tahrir-Platzes im Zentrum der Stadt.

Chronologie: So eskalierte die Lage in Ägypten

22. November 2012

Dem Verfassungsgericht spricht Mursi die Kompetenz ab, über die Rechtmäßigkeit des von Islamisten dominierten Verfassungskomitees zu entscheiden. Zugleich sichert er sich selbst das letzte Wort in praktisch allen politischen Fragen.

23./24. November 2012

Die Empörung unter Mursis politischen Gegnern wächst. Hunderttausende gehen auf die Straße. Auch Ägyptens Richter protestieren, doch Mursi bleibt hart.

28. November 2012

Die zwei höchsten Berufungsgerichte des Landes stellen aus Protest ihre Arbeit ein.

2. Dezember 2012

Unter dem Druck Tausender islamistischer Demonstranten stellt das ägyptische Verfassungsgericht seine Arbeit ein. Anhänger von Mursi umstellen das Gebäude und blockieren die Zugänge. Das Gericht wollte über eine Auflösung der Verfassunggebenden Versammlung entscheiden.

4. Dezember 2012

Mehrere einflussreiche Zeitungen stellen aus Protest ihr Erscheinen ein. Die Gewalt eskaliert erneut, die Polizei setzt Tränengas gegen Zehntausende Demonstranten in Kairo ein.

5. Dezember 2012

Vor dem Präsidentenpalast in Kairo kommt es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern des Präsidenten. Mindestens fünf Menschen kommen ums Leben, 600 werden verletzt.

6. Dezember 2012

Die Streitkräfte lassen Panzer vor dem Präsidentenpalast auffahren. In einer Rede an die Nation ruft Mursi seine Gegner zum Dialog auf, hält aber am Verfassungsreferendum fest.

15./ 16. Dezember 2012

In zehn Provinzen beginnt die erste Abstimmungsrunde über den Verfassungsentwurf. Die Opposition wirft den Islamisten Manipulation vor und fordert eine Wiederholung.

11. Dezember 2012

Wieder gehen Zehntausende Menschen auf die Straße und protestieren gegen den Verfassungsentwurf. Anhänger der Regierung demonstrieren ihre Unterstützung für die neue Verfassung.

12. Dezember 2012

Die ägyptische Opposition ruft ihre Anhänger auf, bei dem bevorstehenden Referendum über den Verfassungsentwurf mit Nein zu stimmen. Der Richterverband will die Abstimmung nicht überwachen.

In Kairo gab es zuvor Protestmärsche in der ganzen Stadt, die zum zentralen Tahrir-Platz oder zum Präsidentenpalast führten. Großdemonstrationen wurden trotz stürmischen Wetters auch in den Städten Alexandria, Port Said und der Industriestadt Mahalla al-Kubra veranstaltet.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

03.02.2013, 13:49 Uhr

Die Möglichkeit, dass es auch in Ägypten zu einem Bürgerkrieg wie in Syrien kommt ist nicht auszuschließen. In den westlichen Hauptstädten kann man die Entwicklung ganz offenbar nicht richtig einschätzen.

In Libyen hat London und Paris Islamisten an die Macht geboomt die dann weiter bis nach Mali gezogen sind und das mit den Waffen welche die aus Libyen haben. Nun nun haben die Franzosen und die Malier ein Problem welches nicht zu sein bräuchte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×