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10.09.2011

16:11 Uhr

Ausschreitungen in Kairo

Blutige Proteste gegen Israel

Der Tod von fünf Polizisten an der Grenze zu Israel erzürnt die Ägypter. In der Nacht zum Samstag entlud sich die Wut auf den Nachbarn in blanker Gewalt. Der israelische Botschafter musste fliehen.

Die Proteste auf den Straßen von Kairo eskalieren. AFP

Die Proteste auf den Straßen von Kairo eskalieren.

Kairo/Tel AvivBei schweren Ausschreitungen gegen die israelische Botschaft in Kairo sind nach offiziellen Angaben drei Ägypter getötet und mehr als 1000 Menschen verletzt worden. Israels Botschafter und Dutzende Diplomaten wurden in einer nächtlichen Rettungsaktion in die Heimat zurückgebracht. Der Sturm auf das Botschaftsgebäude, an dem sich Tausende beteiligten, droht Ägypten in eine schwere Krise zu stürzen. Israel muss nun neben dem andauernden Streit mit der Türkei einen weiteren diplomatischen Konflikt bewältigen. 

In Kairo kursierten Gerüchte über einen Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Essam Scharaf, der sein Kabinett für Samstag zu einer Krisensitzung einberufen hat. Die Polizei wurde in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Scharaf steht einer Übergangsregierung vor; die eigentliche Macht liegt seit dem Sturz des Regimes von Husni Mubarak beim Militärrat. 

Seit Wochen ist es vor der israelischen Botschaft in Kairo immer wieder zu Protesten gekommen. Auslöser war der Tod von fünf ägyptischen Grenzpolizisten. Israelische Sicherheitskräfte hatten sie bei der Verfolgung mutmaßlicher palästinensischer Terroristen an der ägyptisch-israelischen Grenze vor drei Wochen erschossen. Erst nach erheblichem Drängen der ägyptischen Regierung gab es eine offizielle Entschuldigung Israels. Dennoch erhitzt der Streit mit Israel in Ägypten die Gemüter.

Wie die Spannungen zwischen Israel und Ägypten eskalieren

5. Februar 2011

Ägyptische Saboteure verüben einen Anschlag auf eine nach Israel führende Gas-Pipeline im Norden der Sinai-Halbinsel. Wegen der israelischen Besatzung in den Palästinensergebieten gibt es in der Bevölkerung großen Widerstand gegen das Gas-Abkommen mit Israel.

8. Februar

Wegen der andauernden Unruhen in Ägypten will Israel seine geplante Grenzanlage nach Medienberichten schneller bauen als geplant. Ursprünglich sollte die Anlage illegale Einwanderer, den Schmuggel von Drogen und Waffen sowie den Menschenhandel stoppen.

18. Februar

Ägypten genehmigt zwei iranischen Kriegsschiffen die Fahrt durch den Suezkanal ins Mittelmeer. Israel fühlt sich provoziert.

29. Mai

Nach vier Jahren Blockade öffnet sich für 1,6 Millionen Palästinenser im Gazastreifen erstmals wieder ein Tor zur Außenwelt. Ägypten nimmt den Übergang Rafah wieder für den Personenverkehr in Betrieb. Israel reagiert besorgt: Es handele sich um „den ersten Schritt in Richtung einer neuen regionalen Ordnung, die für Israel sehr problematisch ist“, teilt die Regierung mit.

4. Juli

Saboteute verüben einen weiteren Anschlag auf die Gas-Pipeline nach Jordanien und Israel. Kurz zuvor hatte die ägyptische Übergangsregierung erklärt, über die Gas-Exporte nach Israel müsse neu beraten werden. Die Polizei nimmt keine Verdächtigen fest.

18. August

Bei einer Anschlagsserie nahe des israelischen Badeorts Eilat sterben sieben Israelis, rund 30 werden verletzt. Schwer bewaffnete Terroristen hatten mehrere Busse beschossen. Die Angreifer sollen durch einen Tunnel aus dem Gazastreifen nach Ägypten gekommen und von dort aus nach Israel eingedrungen sein. Eine zweite Gruppe feuert nach Polizeiangaben von Ägypten aus auf Israelis jenseits der Grenze, um die Flucht ihrer Komplizen zu ermöglichen. Im Kreuzfeuer sterben fünf ägyptische Grenzer.

20. August

Tausende Ägypter gehen in Kairo auf die Straße und fordern, den israelischen Botschafter auszuweisen. Vor der Botschaft zünden sie Feuerwerkskörper und rufen israelfeindliche Parolen. Kairo droht, seinen Botschafter aus Israel abzuziehen. Tel Aviv „bedauert“ den Tod der Polizisten, für die Ägypter ist die Entschuldigung unzureichend. Die Proteste gehen weiter.

10. September

Beim Sturm aufgebrachter Demonstranten auf die israelische Botschaft sterben drei Ägypter, mehr als 1000 Menschen werden verletzt. Israels Diplomaten fliehen in ihre Heimat.

Aufgebrachte Demonstranten lieferten sich in der Nacht zum Samstag vor der Botschaft massive Kämpfe mit der ägyptischen Polizei. Beamte wurden mit Trümmern einer niedergerissenen Schutzmauer beworfen, die Polizei setzte Tränengas ein. Mehrere Polizeifahrzeuge gingen in Flammen auf. Nach Angaben des Kairoer Gesundheitsministeriums wurden bei den Krawallen drei Demonstranten getötet. Außerdem seien 1049 Menschen verletzt worden, darunter 46 Polizisten und Soldaten. 

Die Demonstranten stürmten das Bürohochhaus, in dem die diplomatische Vertretung untergebracht ist. Sie steckten die israelische Fahne in Brand. Im Gebäude verschanzten sich sechs israelische Sicherheitsbeamte und Diplomaten. Sie hätten von einem ägyptischen Sonderkommando befreit werden müssen, berichtete ein ranghoher israelischer Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur dpa. Wie Stunden zuvor Botschafter Jitzschak Levanon und Dutzende Diplomaten und andere Israelis wurden die sechs mit einer israelischen Militärmaschine in die Heimat geflogen.

Kommentare (35)

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Pendler

10.09.2011, 16:32 Uhr

Ich wünsche dem israelischen Land, dass sie endlich ihren Weg finden, wie sie den Frieden mit ihrem Umfeld finden.

Es ist bedauerlich, dass gerade die Juden über alle Zeiten verfolgt wurden und keiner mochte sie wirklich. Selbstverständlich war das immer ungerecht. Weil was können die Juden dafür, dass man sie nicht mag, keiner.

Im Ggensatz dazu ist es dem dt. Volk endlich gelungen mit seinem Erzfeind, den Franzosen, vernünftig auszukommen. Auch wenn Menschen mit einer Alternativ-Begabung die Dt. gerne als Nazis bezeichnen, so sieht man dass wir dazu gelernt haben.

Aber evtl. sollten die Juden auch mal wieder nach vorne sehen. Wenn man nur immer nach hinten sieht, sieht man nicht, was vor einem ist.

Account gelöscht!

10.09.2011, 17:35 Uhr

Ganz genau,
lernt endlich eure ehemaligen Schlachter lieben.
Es könnte nämlich sein, daß man sie gegen die Neuen nochmal gebrauchen kann.

Was ist das für eine Welt, umgeben von Massenmördern.
Die armen unschuldigen Juden.
.

AntiJudist

10.09.2011, 18:11 Uhr

Alle reden von Islamisten. Warum spricht eigentlich keiner von radikalen "Judisten"? In Hebron herrscht eine winzige radikale jüdische Minderheit über zigtausend Palästinenser. Herrscht ist noch harmlos ausgedrückt. Jede Friedensinitiative haben die Israelis mit noch mehr Siedlungen, noch mehr Enteignungen und noch höheren Mauern beantwortet. Dass sie die einzigen Demokraten im Nahen Osten sind gilt spätestens seit dem arabischen Frühling als überholt. Israel hat 2005 die Chance verpasst mit 22 arabischen Staatsmännern Frieden zu schließen (Grenzen von 1967), jetzt müssen sie sehen wie sie mit 300 Mio. wütenden Arabern klar kommen. Ich befürchte das Ende Israels ist eingeläutet...

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