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30.03.2013

16:40 Uhr

Ausschreitungen

Myanmar weist Mitverantwortung an Gewalt zurück

Nach Gewalt von Buddhisten gegen Muslime in Myanmar hat die UN der Regierung in Rangun eine Mitschuld gegeben. Der Informationsminister wies die Vorwürfe zurück. Man bemühe sich, wieder Ordnung herzustellen, hieß es.

Nach Gewalt von Buddhisten an Muslimen hat die Regierung in Myanmar eine Mitverantwortung zurückgewiesen. dpa

Nach Gewalt von Buddhisten an Muslimen hat die Regierung in Myanmar eine Mitverantwortung zurückgewiesen.

RangunMyanmars Regierung hat Vorwürfe der Vereinten Nationen zurückgewiesen, sie sei mitverantwortlich für die Gewalt von Buddhisten gegen die muslimische Minderheit im Land. Der stellvertretende Informationsminister Ye Htut erklärte am Samstag auf Facebook, die Kritik lasse die Bemühungen der Regierung außer Acht, zusammen mit den Religionsgemeinschaften und der Zivilgesellschaft die Ordnung wieder herzustellen.

Zusammenstöße gibt es seit dem 20. März. Auslöser war wohl ein Streit zwischen einem muslimischen Goldhändler und mehreren buddhistischen Kunden. Daran entzündeten sich Unruhen, die die Stadt Meikhtila und bald auch andere Orte erfassten. Zahlreiche muslimische Häuser und Geschäfte sowie Moscheen wurden niedergebrannt.

Einem Bericht der staatlichen Zeitung „Kyemon“ zufolge starben 43 Menschen bei insgesamt 163 Ausbrüchen von Gewalt seit Mitte vergangener Woche. Weitere 86 Menschen sollen verletzt worden sein. Darüber hinaus seien 1355 Gebäude beschädigt oder zerstört worden. Rund 12 000 Menschen sollen auf der Flucht sein.

Am Freitag hätten die Angriffe auf Muslime nachgelassen, nachdem Myanmars Präsident Thein Sein gedroht hatte, weitere Zusammenstöße zwischen Buddhisten und Muslimen mit staatlicher Gewalt zu unterbinden. Politische Opportunisten und religiösen Extremisten müssten davon abgehalten werden, Hass zu säen, hatte er gesagt. Laut „Kyemon“ hatten Polizisten und Soldaten am Freitag Warnschüsse abgefeuert, um die Mengen aufzulösen. Es habe keine Opfer gegeben.

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Der UN-Berichterstatter für Menschenrechte in Myanmar, Tomas Ojea Quintana hatte der Regierung eine Mitschuld an den Unruhen gegeben. Er begrüßte Thein Seins Aufruf, die Gewalt zu stoppen. Myanmars Regierung müsse sich aber stärker engagieren, um die muslimische Minderheit im Land zu schützen. „Myanmars Regierung hat einfach nicht genug getan, um die Verbreitung von Diskriminierung und Vorurteilen gegen muslimische Gemeinden zu stoppen“, sagte er.

Die Gewalt drohe, den Reformprozess in Myanmar zu untergraben. Quintana forderte die Regierung auf, Vorwürfe zu untersuchen, wonach Myanmars Sicherheitskräfte zuschauten, während buddhistische Gruppen Muslime angriffen. Der Polizei von Meikhtila war vorgeworfen worden, während der Randale zu langsam und unentschlossen eingegriffen zu haben.

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Es sei „traurig, dass Herr Quintana seine Kommentare auf Hörensagen gründet und nicht die Situation vor Ort berücksichtigt“, schrieb Ye Htut auf Facebook.

Seit Jahrzehnten kommt es in Myanmar immer wieder zu vereinzelten Gewaltausbrüchen zwischen Buddhisten und Muslimen – auch während der Herrschaft der Militärjunta zwischen 1962 und 2011. Im vergangenen Jahr aber nahmen die Spannungen zu, als bei Unruhen in der Region Rakhine im Nordwesten des Landes Hunderte Menschen getötet und mehr als 100 000 in die Flucht getrieben wurden. An der Spitze der zivilen Nachfolgeregierung hatte der reformorientierte Thein Sein 2011 das Präsidentenamt übernommen.

Von

ap

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