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27.06.2011

06:15 Uhr

Außenhandel

China besinnt sich auf innere Werte

Vor seinem Besuch in Deutschland posaunt der chinesische Ministerpräsident in Großbritannien Neuigkeiten hinaus. Er berichtet von einer Strategie, mit der das Land sich von Exporten unabhängig machen will.

Wen Jiabao (2.v.l.) beim Besuch der Autofabrik in Longbridge. Quelle: dpa

Wen Jiabao (2.v.l.) beim Besuch der Autofabrik in Longbridge.

LongbridgeChinas Regierung strebt eine Stärkung der Binnennachfrage und eine Reduzierung des Handelsüberschusses an. „Was wir wollen, ist ein ausgewogenes und tragfähiges Handelswachstum“, sagte Ministerpräsident Wen Jiabao am Sonntag bei seinem Besuch in Großbritannien. Sein Land wolle die Abhängigkeit von Exporten verringern, machte er im BBC-Fernsehen deutlich.

Wen besuchte eine Autofabrik in Longbridge, die sich in chinesischem Besitz befindet. Er bekräftigte zugleich, dass China sich langfristig in europäischen Staatsanleihen engagieren wolle.

Chinas Ministerpräsident hat zudem erstmals signalisiert, dass sich das Inflationsziel von vier Prozent im laufenden Jahr kaum noch erreichen lässt. Die Verbraucherpreise würden mit einer Anstiegsrate unter fünf Prozent unter Kontrolle gehalten, wurde Wen von Hongkonger Fernsehsendern am Montag zitiert. „Die finanzielle Situation Chinas wird in diesem Jahr weiter zu den besten in der Welt gehören“, machte er deutlich. Das Wirtschaftswachstum werde 2011 bei über acht bis neun Prozent bleiben.

Zuletzt hatte sich Wen zur Inflation noch zuversichtlicher geäußert und gesagt, diese sei fest unter Kontrolle. Doch zahlreiche Volkswirte gehen längst davon aus, dass China die Teuerung in diesem Jahr nicht auf höchstens vier Prozent beschränken kann. Denn die Rate liegt seit Januar deutlich über dieser Marke. Es wird erwartet, dass sie im Juni oder Juli sogar auf sechs Prozent anziehen wird.

An diesem Montag steht ein Treffen mit dem britischen Premierminister David Cameron auf dem Plan. Danach wird Chinas Regierungschef weiter nach Deutschland reisen. Für Dienstag sind Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel geplant. Im Mittelpunkt der Regierungskonsultationen stehen die wirtschaftlichen Beziehungen und die Schuldenkrise in der Europäischen Union.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler bezeichnete China als „Herausforderung für die deutsche Wirtschaft“. Die heimischen Unternehmen seien für den Wettbewerb mit der Volksrepublik aber gut gewappnet, sagte Rösler der „Bild“-Zeitung (Montagsausgabe) laut Vorabbericht. An die Adresse des Handelspartners gerichtet mahnte er zugleich, offene Märkte seien keine Einbahnstraße.

Von

rtr

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