Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.01.2005

07:43 Uhr

Außenminister Fischer in Indonesien und Sri Lanka

Erneut Seebeben vor der Insel Sumatra

Die indonesische Insel Sumatra ist am Montag erneut von einem Erdbeben erschüttert worden. Nach offiziellen Angaben aus Jakarta hatte der Erdstoß eine Stärke von 5,7 auf der Richterskala. Bislang fehlen Angaben über mögliche Opfer oder Schäden.

Mit einem Mundschutz schützt sich eine Thailänderin an der Straße nach Khao Lak vor beißendem Verwesungsgeruch, während sie eine Tafel mit Fotos von Opfern der Flutkatastrophe nach vermißten Freunden absucht. Foto: dpa

Mit einem Mundschutz schützt sich eine Thailänderin an der Straße nach Khao Lak vor beißendem Verwesungsgeruch, während sie eine Tafel mit Fotos von Opfern der Flutkatastrophe nach vermißten Freunden absucht. Foto: dpa

HB COLOMBO/WASHINGTON/BANDA ACEH. Seismologen der US-Bundesbehörde US-Geological Survey hatten eine Stärke von 6,2 gemessen. Das Epizentrum lag nach indonesischer Darstellung in einer Tiefe von 15 Kilometer etwa 150 Kilometer nordwestlich der Provinzhauptstadt Banda Aceh. Zunächst gab es keine Angaben über mögliche Opfer oder Schäden. Das Beben habe sich um 5.22 Uhr Ortszeit ereignet.

Bundesaußenminister Joschka Fischer setzt derweil seine Reise durch die asiatischen Flutgebiete fort und trifft am Montag mit dem indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono zusammen. Noch am selben Tag will Fischer nach Sri Lanka weiterreisen, wie es aus Delegationskreisen hieß. Die dortigen Tamilen-Rebellen der LTTE riefen Fischer auf, auch die zerstörten Gebiete in ihrem Machtbereich Sri Lankas zu besuchen. Fischer würde damit auf die verzweifelten Hilferufe der Menschen dort reagieren, sagte der Anführer des politischen Flügels der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE), Thamilselvan, in seinem Hauptquartier in Kilinochchi der dpa. „Wir drängen den Außenminister, seine Reise als eine humanitäre zu betrachten und die von der Regierung (in Colombo) festgelegten Demarkationslinien zu ignorieren.“

US-Hubschrauber abgestürzt

Der Norden der indonesischen Insel Sumatra ist das am stärksten getroffene Katastrophengebiet. Dort kamen durch die Flutwellen mehr als 100 000 Menschen ums Leben, weit über eine halbe Million Einwohner verloren durch die Katastrophe ihr Obdach. Am 26. Dezember hatte ein Erdbeben der Stärke 9,0 auf der Richterskala vor Sumatra riesige Flutwellen ausgelöst. Bei der Naturkatastrophe starben fast 160 000 Menschen.

Die wichtigsten Industrieländer sind sich über einen Schuldenerlass für die betroffenen asiatischen Länder einig. „Wir haben sie kontaktiert, sie haben sich einverstanden erklärt“, sagte der französische Wirtschafts- und Finanzminister Hervé Gaymard am Sonntag im französischen Rundfunk. Das Moratorium solle hauptsächlich für die am schwersten von der Flutkatastrophe betroffenen Länder Indonesien und Sri Lanka gelten.

Ein US-Hubschrauber vom Typ Seahawk stürzte unterdessen am Montagmorgen beim Hilfseinsatz für Überlebende direkt am Flughafen von Banda Aceh ab. Der britische Sender BBC berichtete unter Berufung auf örtliche Medien, vier der zehn Menschen an Bord seien verletzt worden.

Fischer befürwortet Schuldenmoratorium für Indonesien

Bundesaußenminister Fischer hat sich bei seiner Reise durch die asiatischen Flutgebiete für ein Schuldenmoratorium zu Gunsten Indonesiens ausgesprochen. „Wir sind bereit, alle Optionen zu diskutieren, beginnend mit einem Moratorium“, sagte Fischer nach einem Treffen mit dem indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono am Montag in der Hauptstadt Jakarta. Er wolle diese Frage noch in dieser Woche mit seinem indonesischen Kollegen Hassan Wirajuda in Berlin beraten. Fischer habe mit dem Staatschef außerdem wegen des schwelenden Bürgerkrieges die Sicherheitslage in Aceh erörtert, hieß es aus Delegationskreisen. „Dies muss in den Vordergrund gestellt werden: Hilfe benötigt ein friedliches Umfeld und transparente Zusammenarbeit.“ Es gebe aber derzeit keine Berichte über Behinderungen der Hilfsaktionen, hieß es weiter.

Fischer hob die große Bereitschaft hervor, Indonesien bei der Bewältigung der Folgen der Katastrophe beizustehen. „Es gibt eine Menge Solidarität und Hilfsbereitschaft in unserem Land.“ Im diesem Zusammenhang verwies Fischer auch auf die Summe der privaten Spenden in Deutschland in Höhe von 330 Millionen Euro.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×