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05.02.2013

16:12 Uhr

Außenminister gesteht

Sanktionen treffen den Iran empfindlich

VonMathias Brüggmann

ExklusivIrans Außenminister Ali Akbar Salehi beklagt die Folgen der Sanktionen auf die Wirtschaft seines Landes. Und er spart nicht mit Kritik an der Haltung deutscher Firmen. Im Atomstreit zeigt er sich gesprächsbereit.

„Wir merken uns wer Freunde in der Not sind und wer nicht“, sagt Irans Außenminister Ali Akbar Salehi. ap

„Wir merken uns wer Freunde in der Not sind und wer nicht“, sagt Irans Außenminister Ali Akbar Salehi.

Der Iran hat lange geleugnet, dass die Sanktionen gegen das Land seine Wirtschaft mächtig belasten. Jetzt räumt Außenminister Ali Akbar Salehi erstmals ein, dass die Zwangsmaßnahmen im Atomstreit schwere Folgen für das Land haben. „Die Sanktionen treffen unsere Wirtschaft, das kann niemand bestreiten“, sagte Salehi dem Handelsblatt (Mittwochausgabe). Salehi gab dabei zu, durch den Druck des Westens leide sein Land erheblich unter Devisenmangel und an einem Mangel an Ersatzteilen und Maschinen. Auch von der Haltung deutscher Firmen zeigt sich Teheran enttäuscht: Der Rückzug deutscher Firmen wegen der Sanktionen „ist bei uns im Gedächtnis und wir werden es später berücksichtigen“, sagte Salehi. „Wir merken uns wer Freunde in der Not sind und wer nicht.“

Seit Januar hat die EU ein Gasembargo gegen Iran verhängt, seit vorigem Juli ist der Kauf iranischen Öls in Europa verboten. Dadurch sind nach Angaben des Teheraner Ölministeriums Irans Erdölexporte um 40 Prozent und die Erlöse sogar um 45 Prozent zurückgegangen. Die EU und die USA haben zudem Versicherungen verboten, iranische Tanker zu versichern, was die Exporte zusätzlich erschwert.

Chronologie des Streits um das iranische Atomprogramm

29. März 2006

Der UN-Sicherheitsrat fordert den Iran auf, seine Urananreicherung binnen 30 Tagen einzustellen. Teheran weigert sich.

23. Dezember 2006

Der Sicherheitsrat verhängt erste Sanktionen.

9. April 2009

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad berichtet von einer betriebsbereiten Uranfabrik in Isfahan.

7. Februar 2010

Der Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.

22. Januar 2011

In Istanbul werden die Gespräche zwischen dem Iran und den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat sowie Deutschland auf unbestimmt Zeit vertagt.

17. Mai 2011

Nordkorea exportiert nach Angaben der UN für nukleare Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran und andere Krisengebiete.

8. November 2011

Die Atomenergiebehörde IAEA in Wien veröffentlicht einen Bericht, nach dem der Iran an der Entwicklung der Atombombe gearbeitet hat. Teheran bestreitet das.

1. Januar 2012

Nach Angaben aus Teheran haben iranische Wissenschaftler erstmals einen eigenen Kernbrennstab entwickelt.

23. Januar 2012

Die EU will ihre Öleinfuhren aus dem Iran spätestens zum 1. Juli stoppen. Die EU-Außenminister beschließen in Brüssel zudem, die Konten der iranischen Zentralbank in Europa einzufrieren.

6. Februar 2012

US-Präsident Barack Obama lässt Eigentum und Vermögenswerte der iranischen Regierung und Zentralbank in den USA blockieren. Betroffen sind auch alle iranischen Finanzinstitutionen.

20. & 21. Februar 2012

Kontrolleuren der IAEA wird der Zugang zur verdächtigen Militäranlage Parchin nahe Teheran verweigert.

31. März 2012

Obama billigt die bislang schärfsten Sanktionen gegen den Iran. Ziel ist es, die Importe von iranischem Öl weltweit so stark wie möglich zu kappen.

14. & 15. April 2012

Die Gespräche zwischen den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat plus Deutschland sowie dem Iran werden in Istanbul wieder aufgenommen. Konkrete Ergebnisse gibt es nicht.

14. Mai 2012

Die IAEA verlangt Zugang zu Irans umstrittenen Forschungsanlagen. Auf der Kontrollliste steht die Anlage in Parchin nahe Teheran ganz oben. Dort werden nach Einschätzungen westlicher Geheimdienste Tests mit Atomsprengköpfen simuliert.

21. Mai 2012

IAEA-Chef Yukio Amano spricht in Teheran mit Irans Atom-Chefunterhändler Said Dschalili über das umstrittene iranische Atomprogramm. Amano nennt seine Gespräche anschließend „nützlich“.

23. Mai 2012

Vom 23. Mai an verhandeln die fünf Veto-Mächte des Sicherheitsrates und Deutschland in Bagdad mit dem Iran über sein Atomprogramm.

30. Juli 2012

US-Präsident Barack Obama erlässt weitere Sanktionen gegen den Iran. Betroffen ist das Ölgeschäft des Landes. Im Februar 2013 verschärft das US-Finanzministerium die Maßnahmen.

3. Februar 2013

Irans Außenminister Ali-Akbar Salehi teilt auf der Sicherheitskonferenz in München mit, dass sein Land unter bestimmten Bedingungen zu Verhandlungen mit den USA bereit sei.

17. Februar 2013

Der Oberste Führer im Iran, Ajatollah Ali Chamenei, knüpft direkte Atomverhandlungen mit den USA an Bedingungen. Die Äußerungen werden versöhnlicher als üblich gewertet.

21. Februar 2013

Der jüngste Bericht der IAEA zeigt, dass der Iran bisher 280 Kilogramm höher angereicherten Urans produziert hat. Davon wurden 113 Kilogramm weiterverarbeitet und so für die mögliche Verwendung in einer Atombombe unbrauchbar gemacht.

26./27.2. 2013

Nach einer neun Monate langen Pause setzen Vertreter der 5+1-Gruppe und der Führung in Teheran in Almaty in Kasachstan ihre Gespräche fort. Ein neuer Vorschlag an Teheran soll Bewegung in den festgefahrenen Streit bringen. Angeblich hat die Gruppe angeboten, einige Sanktionen gegen den Iran zu lockern. Dafür soll Teheran Entgegenkommen signalisieren. Es wird ein weiteres Treffen für den 5./6. April verabredet.

20./21.3. 2013

US-Präsident Barack Obama unterstreicht bei einem Besuch in Israel, dass die USA notfalls auch mit Waffengewalt eine nukleare Aufrüstung des Irans verhindern wollen.

27. September

Die Internationale Atomenergiebehörde teilt mit, dass in Wien die internationalen Verhandlungen über das Atomprogramm am 27. September fortgesetzt werden sollen.

Offenbar wegen des Drucks der Sanktionen zeigt sich Iran jetzt gesprächsbereit im Atomstreit: „Je schneller wir von der Ehrlichkeit des amerikanischen Gesprächsangebots überzeugt werden, desto schneller kann es gehen“, sagte Salehi zum Verhandlungsangebot von US-Vizepräsident Joe Biden an Iran. Beide Staaten unterhalten seit der islamischen Revolution 1979 keine diplomatischen Beziehungen mehr. Biden hatte in München erstmals direkte Verhandlungen im Atomstreit zwischen beiden Ländern angeregt.

Teheran fordert von Washington, als Bedingung für Verhandlungen, die „Kriegsrhetorik“ zu stoppen, nicht ständig mit weiteren Sanktionen oder einem Militärschlag gegen Iran zu drohen, sagte Salehi: „Das passt nicht zu ehrlichen Verhandlungsangeboten.“ Iran seinerseits sei bereit, „die Sorgen der anderen Seite ernst zu nehmen“ und deren Zweifel im Streit um das umstrittene persische Nuklearprogramm auszuräumen. Ein Uran-Anreicherungsstopp komme aber vorerst nicht infrage.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

05.02.2013, 18:13 Uhr

Na also: Der Iran ist gesprächsbereit!
Die Urananreicherung allerdings muss weitergehen.
Was die Iraner jetzt nämlich dringend brauchen ist Atomstrom!Damit das lange leiden des Volkes endlich aufhört.

impressed

06.02.2013, 07:21 Uhr

Iran unter Sanktionen bauen aber auch verschiedene Radars
und andere sehr interessante militärische Geräte wie z.B.
lasergesteuerte Munition.Aber für die Krankenhäuser die
an Medikamentenmangel leiden ist das ein Desaster.USA
wissen das Iran keine Atombombe baut sondern wollen Irans
Ölfelder kontrollieren was ihnen aber nie gelingen wird.
Die Iraner halte ich für intelligente Menschen die keinen
Krieg wollen.

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