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04.01.2015

17:41 Uhr

Außenminister Griechenlands

Schäuble soll 2011 schon von „Grexit“ gesprochen haben

Griechenlands Außenminister Venizelos sagt, er habe mit Schäuble schon 2011 über einen „freundschaftlichen Grexit“ gesprochen. Dabei sollte die Rückkehr der Drachme weich gestaltet werden. Die Idee wurde aber verworfen.

Wolfgang Schäuble (rechts) und Evangelos Venizelos: „Freundschaftlicher Grexit“. AFP

Wolfgang Schäuble (rechts) und Evangelos Venizelos: „Freundschaftlicher Grexit“.

AthenBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble soll mit seinem früheren griechischen Kollegen Evangelos Venizelos schon im September 2011 über einen Austritt des Landes aus dem Euro diskutiert haben. Ein solches Szenario für einen „freundschaftlichen Ausstieg“ des Euro-Krisenlandes aus der Gemeinschaftswährung sei damals am Rande eines informellen Euro-Finanzministertreffens unter polnischer EU-Ratspräsidentschaft erörtert worden, sagte Venizelos der griechischen Sonntagszeitung „Kathimerini“. Diskutiert worden sei über ein Szenario, bei dem Griechenlands Euro-Partner die Rückkehr zur nationalen Währung in dem Land mit finanziellen Hilfen abpolstern sollten. Finanzmaßnahmen wie Kapitalverkehrsbeschränkungen sollten das flankieren.

Das deutsche Finanzministerium lehnte es ab, zu den Darstellungen von Venizelos Stellung zu nehmen. „Wir kommentieren das nicht“, sagte ein Ministeriumssprecher.

Griechenland – Gefahrenherd für Europa?

Der ESM

Anders als zu Beginn der Krise, als Politiker auf hektischen Gipfeltreffen mit improvisierten Maßnahmen der Probleme Herr zu werden versuchten, verfügt die Eurozone heute über eine Institution, die speziell für die Rettung angeschlagener Mitglieder geschaffen wurde. Der Europäische Stabilitäts-Mechanismus (ESM) kann Staaten im Notfall mit bis zu 500 Milliarden Euro beispringen. Staaten können Hilfen auch beantragen, wenn Kapitallücken im Bankensystem klaffen.

Die Lage der anderen Krisenländer

Neben Griechenland mussten während der Eurozonen-Krise auch Portugal, Irland und Zypern unterstützt werden. Anders als damals gibt es heute aber keine auf der Hand liegenden Kandidaten mehr, auf die eine Krise überspringen könnte. Die Lage der Staatsfinanzen in Portugal und Irland hat sich deutlich verbessert, in Spanien wuchs die Wirtschaft zuletzt wieder kräftig. Nur bei den Schwergewichten Frankreich und Italien sind kaum Fortschritte beim Abbau des Haushaltsdefizits und den Strukturreformen zu verzeichnen.

Die EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Finanzmärkten klar gemacht, dass sie den Euro verteidigen will. Im Juli 2012 erklärte EZB-Präsident Mario Draghi, man werde „alles Erforderliche“ tun, um den Euro zu retten. Seitdem hat die EZB ihre Geldpolitik deutlich gelockert. Die Märkte erwarten, dass die EZB im ersten Quartal 2015 den breit angelegten Kauf von Staatsanleihen verkünden wird. Dank der Käufe dürften Euroländer ihre Haushalte zu besseren Konditionen finanzieren können. Das würde nicht nur Griechenland zugutekommen.

Das europäische Bankensystem

Beim Ausbruch der Eurozonen-Krise im Jahr 2010 fürchteten die Kapitalmärkte die Folgen einer griechischen Staatspleite für den europäischen Bankensektor. 2012 verzichteten private Gläubiger Griechenlands – darunter auch Banken – auf die Rückzahlung von 100 Milliarden Euro Schulden. Im Vergleich dazu sind Europas Banken heute nicht mehr so stark in Griechenland engagiert.

Venizelos hat den damaligen Vorstoß für einen Euro-Austritt nach eigenen Worten abgelehnt. „Meine Antwort war, dass das für uns unvorstellbar und gefährlich wäre“, sagte er. Warum hätte sich sein Land nach all den internen Anpassungen auch noch eine Abwertung seiner Währung, die bei der Rückkehr zur Drachme gedroht hätte, mit all ihren Folgen für das Land und die Euro- Zone zumuten sollen, argumentierte der sozialistische Politiker. „Die Diskussion war lang und hart, aber am Ende hat Schäuble die griechischen Argumente verstanden und danach ganz erheblich zum Zustandekommen des zweiten Rettungspakets und zur Umschuldung beigetragen“, sagte der heutige griechische Außenminister.

Nach einem unbestätigten Magazinbericht betrachten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Schäuble inzwischen die Möglichkeit eines griechischen Euro-Austritts relativ gelassen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Teito Klein

05.01.2015, 08:39 Uhr

GREXIT: Gehen Merkel und Schäuble mit der Eurozone unter?
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Abgesehen vom enormen Verlust der Griechenkredite (ca. 300 Milliarden Euro, wovon mindestens 27% den deutschen Steuerzahler betreffen würden/werden) existiert überhaupt kein geordnetes Euro-Ausstiegsszenario für die Griechen.

Werden diese durch interne oder externe Aktionen aus der Eurozone herausgebrochen, sorgt das europäische Zentralbankensystem Target-2 (www.target-2.de) gewissermaßen automatisch für den Zusammenbruch des Eurosystems.

Das dämmert Schäuble, Merkel & Co bruchstückhaft erst seit 2012, während das griechische Schreckgespenst Alexis Tsipras diese Mechanik von Anfang an sofort verstanden hat. Kein Wunder, dass er diese Karte nun gnadenlos ausspielt.

Die von Anfang an sinnlosen Rettungsaktionen für Griechenland gehen voll auf das Konto von Finanzminister Schäuble und die Deutschen werden diese gewaltige Rechnung überwiegend oder ganz bezahlen müssen.

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