Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.04.2013

04:26 Uhr

Außenminister Kerry

USA offen für Verhandlungen mit Nordkorea

Die USA streben „echte und glaubwürdige“ Verhandlungen mit Nordkorea an. Außenminister Kerry fordert auf dem Weg dahin aber „bedeutende Schritte“ von Pjöngjang – und zeigt sich beim Nuklearprogramm wenig gesprächsbereit.

US-Außenminister John Kerry zeigt sich offen für Verhandlungen mit Nordkorea. ap

US-Außenminister John Kerry zeigt sich offen für Verhandlungen mit Nordkorea.

TokioUS-Außenminister John Kerry hat sich offen für „echte und glaubwürdige“ Verhandlungen mit Nordkorea über die atomare Abrüstung gezeigt. Allerdings müsse die Führung in Pjöngjang jetzt ihren Willen beweisen, internationale Verpflichtungen einzuhalten, sagte Kerry am Montag in der japanischen Hauptstadt Tokio. In Nordkorea wurde währenddessen der Geburtstag des verstorbenen Staatsgründers Kim Il Sung gefeiert.

Kerry sagte, der Ball liege im Feld der Führung in Pjöngjang. Diese müsse „bedeutende Schritte“ unternehmen, um zu zeigen, dass sie ihre internationalen Verpflichtungen einhalten wolle. Das nordkoreanische Nuklearprogramm bedrohe nicht nur die Nachbarstaaten, sondern auch das nordkoreanische Volk. „Die Welt braucht nicht noch mehr Potenzial für Kriege“, sagte Kerry.

Nordkorea und seine Rakete

Was deutet auf einen bevorstehenden Test hin?

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat Geheimdienstberichte bestätigt, wonach Nordkorea mindestens eine Mittelstreckenrakete mit dem Zug an die Ostküste des Landes transportiert habe. Die Rakete wurde demnach bereits auf eine mobile Abschussvorrichtung montiert. Südkoreanische Medien berichteten, dass zwei Raketen an die Küste gebracht wurden.

Um was für Raketen handelt es sich?

Dazu äußerte sich das südkoreanische Verteidigungsministerium nicht genau. Es sprach lediglich von einer Mittelstreckenrakete mit "erheblicher Reichweite". Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militär- und Regierungsvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Mudusan.

Was ist über die Mudusan-Rakete bekannt?

Dieser Raketentyp wurde erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Die Sicherheitsberatungsfirma IHS Jane's ist der Ansicht, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete mit einem einzelnen Sprengkopf handelt, die auf der Straße transportiert werden kann und mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Sie basiere auf der russischen R-27 und nutze auch Technik von Raketen des Typs Scud.

Welche Reichweite und Tragfähigkeit hat die Rakete?

Den Sicherheitsexperten zufolge kann die Rakete 2500 bis 4000 Kilometer weit fliegen. Damit könnte sie von Nordkorea aus mindestens Südkorea und Japan erreichen, möglicherweise aber auch US-Militärstützpunkte auf der Pazifikinsel Guam.

Kann die Rakete Nuklearsprengköpfe transportieren?

Das ist theoretisch möglich. Die meisten Experten sind allerdings der Ansicht, dass Nordkorea bislang nicht über die nötige Technologie verfügt, um Nuklearsprengköpfe auf Raketen zu montieren.

Gibt es Experten, die diesen Beschreibungen widersprechen?

Ja, und zwar zwei deutsche Experten. Markus Schiller und Robert Schmucker aus München sind der Ansicht, dass es die Mudusan-Rakete gar nicht gibt. Das im Oktober 2012 vorgeführte Modell sei lediglich eine Attrappe gewesen. Zwar sei ein Raketentest durchaus vorstellbar, meinen die beiden Experten. Doch dann würde höchstwahrscheinlich ein ausländisches Modell verwendet und kein in Nordkorea hergestelltes.

Der US-Außenminister zeigte sich überzeugt davon, dass die internationale Gemeinschaft im Umgang mit Nordkorea an einem Strang zieht. „Eins ist sicher: Wir stehen zusammen“, sagte er. In den vergangenen Tagen habe er sich in dieser Frage unter anderem mit südkoreanischen und chinesischen Politikern ausgetauscht.

Gerade an diesem Tag hat Nordkorea den Ton gegen Südkorea wieder deutlich verschärft. Das oberste Truppenkommando drohte am Dienstag wegen anti-nordkoreanischer Proteste in Südkorea mit einer „Vergeltungsaktion ohne Vorwarnung“. Es handle sich um ein „Ultimatum“, wurde das Kommando von den Staatsmedien zitiert. In Seoul hatten am Montag Mitglieder konservativer Organisationen Porträts von Kim Il Sung, seines Sohns Kim Jong Il sowie des Enkels und derzeitigen Machthabers Kim Jong Un verbrannt.

Die USA setzen derzeit verstärkt auf China, um Nordkorea vom Kriegspfad abzubringen. China gilt als einziger echter Verbündeter des kommunistischen Landes, das Südkorea und den USA zuletzt mehrfach mit einem Angriff drohte. Das verarmte, aber hochgerüstete Nordkorea hängt wirtschaftlich am Tropf Chinas.

Japan war nach Südkorea und China das letzte Ziel von Kerrys Asienreise. Bei einer Pressekonferenz mit seinem japanischen Kollegen Fumio Kishida betonte er, die USA seien „absolut entschlossen, Japan zu verteidigen“, sollte dies notwendig werden. Nordkorea hatte Japan zuletzt ebenso wie dem Nachbarland Südkorea und den USA mit einem atomaren Angriff gedroht.

Am Montag begeht das abgeschottete Land den Geburtstag des verstorbenen Staatsgründers Kim Il Sung. Am Morgen (Ortszeit) besuchte Machthaber Kim Jong Un in Pjöngjang das Mausoleum, in dem sein Großvater Kim Il Sung und sein Vater Kim Jong Il begraben sind. Im Staatsfernsehen waren Dokumentationssendungen über Kim Il Sung zu sehen, der vor 101 Jahren geboren wurde. Auch wurden erneut Bilder von Soldaten bei Militärübungen gezeigt.

Wende im Korea-Konflikt?: Zu Opas Geburtstag bleibt es friedlich

Wende im Korea-Konflikt?

Zu Opas Geburtstag bleibt es friedlich

Eigentlich nutzt Nordkorea jede Gelegenheit für einen Aufmarsch des Militärs. Doch den Geburtstag des Großvaters feiert Kim Jong Un ganz ohne Paraden. Auch der Mittelstreckenraketentest bleibt bislang aus. Warum nur?

Es wurde erwartet, dass Nordkorea um den wichtigen Termin von Kim Il Sungs Geburtstag herum einen neuen Raketentest durchführt. Eine offizielle Ankündigung aus Pjöngjang gab es bisher jedoch nicht. 2012 hatte Nordkorea kurz vor dem Geburtstag eine Rakete getestet.

Von

afp

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Califax

15.04.2013, 19:42 Uhr

Die Indianer sind auf diese Art von Verhandlungen damals reingefallen. Von den ganzen Versprechungen haben sie aber nur eines gehalten nämlich dass sie ihr Land genommen haben. Für alle die es interessiert: "Die Wunden der Freiheit" von Herausgeber Claus Biegert. LG

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×