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27.08.2013

03:01 Uhr

Außenminister Kerry

USA von Giftgas-Einsatz in Syrien überzeugt

Trotz eines Angriffs auf ihren Konvoi haben die Chemiewaffenexperten der UN wichtige Erkenntnisse erlangt. Für die USA ist der Einsatz von Giftgas erwiesen. Präsident Barack Obama will reagieren.

Syrien

UN-Inspektoren von Scharfschützen beschossen

Syrien: UN-Inspektoren von Scharfschützen beschossen

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Damaskus/LondonDie USA sind sich sicher: Im syrischen Bürgerkrieg sind Chemiewaffen eingesetzt worden. US-Außenminister John Kerry hat dies am Montagabend bestätigt. Der Angriff mit Giftgas sei „nicht zu leugnen“, sagte Kerry. Der Regierung von Machthaber Baschar al-Assad warf er in einer Stellungnahme in Washington vor, Beweise zu zerstören.

Präsident Barack Obama wolle die Verantwortlichen dieser „moralischen Obszönität“ zur Rechenschaft ziehen. Die USA und die internationale Gemeinschaft müssten darauf antworten. „Was wir vergangene Woche in Syrien gesehen haben muss das Gewissen der Welt erschüttern. Es verstößt gegen jeden moralischen Kodex“, sagte Kerry.

Zuvor hatte ein UN-Sprecher berichtet, dass die Chemiewaffenexperten in Syrien schon am ersten Tag ihres Einsatzes „wertvolle Daten“ zu den Giftgas-Vorwürfen gegen Damaskus gesammelt hätten. In der Ortschaft Moadhamijat al-Scham südwestlich von Damaskus hätten sie am Montag „eine Reihe wichtiger Proben genommen. Sie sind zufrieden und werden ihre Nachforschungen morgen fortsetzen“, sagte der Sprecher Fahan Haq am Abend in New York.

Ob das Team am Dienstag nach Moadhamijat al-Scham zurückkehren wird, war zunächst nicht bekannt. „Auf jeden Fall sucht es einen Ort im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Giftgasanschlägen vom 21. August auf“, sagte Haq der Nachrichtenagentur dpa.

Expertengespräch über Giftgas-Inspektionen

Wie kann man Chemiewaffen vor Ort eigentlich nachweisen?

„Wenn man einen Kampfstoffeinsatz nachweisen will, dann muss man den Stoff irgendwie finden. Das heißt, man muss Proben nehmen und man muss sie analysieren lassen und schauen, ob man in diesen Proben Kampfstoffspuren oder Abbauprodukte von Kampfstoffen findet.“

Stefan Mogl (48), Experte für chemische Waffen beim Schweizer Bundesamt für Bevölkerungsschutz, im Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Wovon genau nehmen die Inspekteure Proben?

„Man kann zwei Gruppen unterscheiden. Klinische Proben sind Proben von exponierten Personen. Von Überlebenden würde man Urinproben oder Blutproben nehmen. Man kann auch von Verstorbenen gewisse Proben nehmen. Diese biomedizinische Analytik ist eine Spur anspruchsvoller als die Analytik von Umweltproben. Das ist dann die zweite Gruppe, Umweltproben ist ein Überbegriff für so ziemlich alles, was mit dem Kampfstoff in Berührung hätte kommen können. Bodenproben von der Einschlagstelle der Munition, Wischproben vom Munitionskörper, Kleidungsstücke von exponierten Personen oder Oberflächenproben aus Räumen.“

Können die Proben vor Ort untersucht werden?

„Generell wären die Inspektoren imstande, auch vor Ort eine gewisse Analytik durchzuführen. Ich würde im vorliegenden Fall davon ausgehen, dass das Team nur dazu vorbereitet ist, die Proben zu verpacken und direkt zu versenden. Das wäre viel zu kompliziert und vielleicht auch zu gefährlich, das vor Ort machen zu wollen.“

Kann man auch herausfinden, wer die Kampfstoffe verwendet hat?

„Generell ist es sicher nicht einfach, eine Schuldzuweisung zu machen. Der erste Schritt wird sein, herauszufinden, ob ein Kampfstoff eingesetzt wurde oder nicht. Wenn man die Bestätigung hat, dann muss man versuchen, das über die Munition, über Gefechtsbeobachtung zu etablieren. Aus welcher Richtung wurde geschossen? Aus welchem Gebiet kam die Munition? Wer hatte die Möglichkeit, diese Munition zu schießen? Aber das ist wahrscheinlich nicht einfach. Es kommt sehr auf die Munition an - wenn man welche findet.“

Wie schnell kann man mit Ergebnissen rechnen?

„Ich würde schon mindestens eine Woche veranschlagen, damit man auch eine umfangreiche, seriöse Analytik durchführen kann. Die ersten Resultate sind vielleicht sehr schnell da, aber ich denke mal, dass sich jedes Labor, das mit solchen Proben bedient wird, ganz genau absichern wird, dass die Analysen voll verlässlich sind. Aber das ist Spekulation. Bei uns im Labor würde es ein paar Tage dauern.“

Es gibt Bedenken, dass Beweise vernichtet längst sind. Ist das möglich?

„Gerade bei den Umweltproben ist es entscheidend, dass die Inspekteure an den Ort kommen, wo die Munition wirklich angekommen ist. Wenn sie freies Geleit haben und dort hinkommen, wo die Munition auch eingeschlagen ist, dann kann man das noch nachweisen.“

Und wie sieht es mit klinischen Proben von Menschen aus?

„Die Spitäler kennen das mittlerweile ja auch, die haben wahrscheinlich schon Proben sichergestellt von Patienten. Man kann natürlich im Nachhinein immer behaupten, jemand hätte den Proben noch etwas hinzugefügt. Wenn sie nichts finden in der Probe, dann ist die Sache einfach. Aber wenn sie eine Probe analysieren und es war etwas drin, dann muss man lückenlos beweisen, dass die Proben durch eine unabhängige Organisation genommen und dann versiegelt wurden. Sonst bleibt immer die Möglichkeit, dass jemand behaupten kann, diese Probe sei manipuliert worden.“

Das Ergebnis der vorerst auf zwei Wochen begrenzten Untersuchung der Experten soll UN-Generalsekretär Ban Ki Moon „so schnell wie möglich“ vermittelt werden. Ban werde dann entscheiden, in welcher Form die Informationen „genutzt werden können“. Der UN-Chef habe seit dem Wochenende mit mehreren politischen Führern über Syrien gesprochen, einigen in der Region und anderen darüber hinaus, sagte Haq.

Außerdem beauftragte Ban die deutsche Diplomatin Angela Kane, die als UN-Untergeneralsekretärin die Chemiewaffeninspektionen betreut, sich bei der syrischen Regierung und den Oppositionskräften heftig über den Angriff auf das UN-Team zu beschweren. Nach Angaben von Haq hatten noch nicht identifizierte Heckenschützen die Reifen eines Fahrzeugs im Konvoi zerschossen und auf dessen Fenster gezielt. Niemand wurde verletzt.

Die Inspekteure setzten später ihre Fahrt nach Moadhamijat al-Scham fort, besuchten dort auch zwei Krankenhäuser und sprachen mit Ärzten und Überlebenden des mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatzes vom vergangenen Mittwoch, ließ Ban mitteilen.

Russland bezweifelt weiter, dass das Regime von al-Assad Giftgas eingesetzt hat. Das sagte Russlands Präsident Wladimir Putin in einem Gespräch mit dem britischen Premierminister David Cameron nach Angaben der Downing Street in London. „Präsident Putin sagte, er habe keine Beweise, dass ein Angriff mit chemischen Waffen stattgefunden hat und wer dafür verantwortlich sei“, sagte ein Sprecher am Montag nach dem Telefonat der beiden Staatsmänner.

Kommentare (50)

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peer-bilderberger

26.08.2013, 20:57 Uhr

Falls sich noch jemand an den früheren Eurogruppenchef Jean Claude Juncker erinnert: Bei seiner Abschiedsrede zu Jahresbeginn hatte dieser gewarnt, 2013 habe fatale Ähnlichkeiten mit 1913. Wie damals könne sich auch heute niemand einen umfassenden militärischen Konflikt vorstellen, in den mehrere Großmächte verwickelt seien. Wie damals sei die Öffentlichkeit geblendet von einer jahrzehntelangen Friedensperiode. Wie damals sei Krieg sei für die meisten Menschen völlig undenkbar. Im Jahr nach all diesen kollektiven Irrtümern begann 1914 das große Sterben des Ersten Weltkriegs....



Wiederholt sich die Geschichte vor unseren Augen exakt 100 Jahre später?

Spencer

26.08.2013, 21:04 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

NWO

26.08.2013, 21:04 Uhr

+++ Die neue amerikanische Weltordnung ++++

Die gesamte islamische Welt soll in Ethnien, Stämme und religiöse Gruppen aufgeteilt, gegeneinander aufgebracht und durch westliche Unterstützung in Terror und Krieg verwickelt werden. Auf diese Weise will man kleine, schwache Völker und Länder entstehen lassen, zwischen denen keine Einheit entstehen kann. Hinzu kommt der Versuch zwischen Muslimen und anderen Religionsangehörigen, wie Hindus und Buddhisten, Feindseligkeiten zu erzeugen.

Der Völkermord der letzten Wochen in Myanmar ist ebenfalls in diesem Zusammenhang zu verstehen. So wollen die USA ihre Herrschaft über die gesamte islamische Welt für einen längeren Zeitraum sichern.

Die Methoden sind verbrecherisch und die ausführenden Kräfte sind zum großen Teil Muslime, die durch Marionettenregime wie Saudi-Arabien indoktriniert und rekrutiert werden. Waffen und Ausrüstung kommen aus dem Westen und die Finanzierung erfolgt teils durch Steuergelder aus Europa und den USA.

Die Massenmedien im Westen sind zur Durchsetzung dieses Plans gleichgeschaltet.

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