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24.02.2012

15:43 Uhr

Australien

Machtkampf um die Führung der Labor-Partei

In Australien ist ein Machtkampf um die Führung der regierenden Labor-Partei entbrannt. Ex-Regierungschef Kevin Rudd tritt bei der Abstimmung über den Parteivorsitz gegen Premierministerin Julia Gillard an.

Ex-Regierungschef Kevin Rudd (links) hat die amtierende Premierministerin Julia Gillard herausgefordert. Reuters

Ex-Regierungschef Kevin Rudd (links) hat die amtierende Premierministerin Julia Gillard herausgefordert.

SydneyAustraliens früherer Regierungschef Kevin Rudd fordert die amtierende Premierministerin Julia Gillard im Machtkampf um die Führung der Labor-Partei heraus. Rudd kündigte am Freitag an, sich der für Montag anberaumten Abstimmung über den Parteivorsitz zu stellen. Zugleich wehrte er sich gegen Angriffe von Labor-Abgeordneten, die ihm mangelnde Führungsqualitäten und einen schlechten Arbeitsstil vorwarfen.

Gillard habe das Vertrauen der Australier verloren, sagte Rudd. Ihre Aussichten für einen Wahlsieg bei der Parlamentswahl im kommenden Jahr stünden schlecht. „Deshalb habe ich entschieden, für den Vorsitz der australischen Labor-Partei anzutreten“, sagte Rudd. Gillard hatte am Donnerstag angekündigt, die Parlamentsfraktion am Montag über den Parteivorsitz abstimmen zu lassen, um den parteiinternen Streit mit Rudd zu beenden.

Rudd war am Mittwoch überraschend von seinem Amt als Außenminister zurückgetreten. Rudd begründete den Schritt mit mangelnder Unterstützung durch die Premierministerin. Der 54-Jährige war selbst von 2007 bis 2010 Premierminister gewesen. Mitte 2010 wurde er dann in einer parteiinternen Revolte von Gillard aus dem Amt des Labor-Chefs gedrängt und somit zum Rücktritt als Premier gezwungen.

Angesichts der offenen Kampfansage an die Regierungschefin sieht sich Rudd in seiner Partei derzeit scharfer Kritik ausgesetzt. Seit er vom Posten des Außenministers zurücktrat, wurden aus den eigenen Reihen Vorwürfe laut, er arbeite chaotisch und behandle seine Mitarbeiter schlecht. Rudd warf seinen Kritikern vor, ihn dämonisieren zu wollen. Seine Gegner versuchten, ihn „zumindest als Enkel, wenn nicht als Sohn Satans“ darzustellen.

Australien wird derzeit von einer Minderheitsregierung mit Gillard an der Spitze geführt. Da ihre Partei bei den Parlamentswahlen 2010 nicht die absolute Mehrheit erreichte, ist die Regierungschefin seither auf die Unterstützung der Grünen und unabhängiger Abgeordneter angewiesen. Ihre Umfragewerte sind deutlich abgestürzt. Rudd dagegen ist in der Bevölkerung nach wie vor populär. Im Duell um den Labor-Vorsitz droht ihm Medienberichten zufolge aber eine Niederlage. 

Von

afp

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