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27.02.2012

08:47 Uhr

Australien

Schockkampagne zerstört Rudds Regierungstraum

VonUrs Wälterlin

Die australische Laborpartei hat Premierministerin Julia Gillard im Amt bestätigt. Ihr Rivale Kevin Rudd hatte keine Chance. Nun lenkt der Außenminister ein - und will Gillard im Kampf um die Wiederwahl unterstützen.

Kevin Rudd war vergangene Woche als Außenminister Australiens zurückgetreten. Nun unterlag er Parteikollegin Julia Gillard. dapd

Kevin Rudd war vergangene Woche als Außenminister Australiens zurückgetreten. Nun unterlag er Parteikollegin Julia Gillard.

CanberraDie australische Laborpartei hat sich am Montag in einer geheimen Abstimmung gegen die Meinung des Volkes gestellt und die bisherige Ministerpräsidentin Julia Gillard mit überwältigender Mehrheit im Amt bestätigt. Sie erhielt 71 der 102 Stimmen der Laborabgeordneten. Ihr Herausforderer Kevin Rudd – laut Meinungsumfragen im Volk deutlich beliebter als Gillard - schaffte es nur auf 31 Stimmen. Die Regierungschefin meinte in einer ersten Stellungnahme, das „politische Drama“ in der Partei sei nun vorbei. Ab sofort habe das Volk wieder Priorität in der Regierung.

Mit dem Votum endet für den früheren Premierminister Kevin Rudd zumindest vorerst jede Hoffnung, das Amt ein zweites Mal zu übernehmen. Rudd war vergangene Woche als Außenminister zurückgetreten, weil ihm das Vertrauen und die Unterstützung Gillard gefehlt habe, wie er meinte. Dem Bruch vorausgegangen waren monatelange Spekulationen, Rudd unterminiere seine frühere Stellvertreterin. Rudd hatte Labor 2007 nach 11 Jahren konservativer Regierung unter John Howard zum Sieg geführt. 2010 verlor er in einer Kampfabstimmung sein Amt an Julia Gillard. Diese ernannte den früheren Diplomaten schließlich zum Außenminister.

Labor entschied sich am Montag für Gillard, obwohl diese laut Meinungsumfragen kaum Chancen haben dürfte, die Partei bei den Wahlen im kommenden Jahr zum Sieg zu führen. Rudd dagegen war in den vergangenen Wochen in der Bevölkerung klarer Favorit. Ein Grund für seine Beliebtheit: die Mehrzahl der Australierinnen und Australier glauben, Gillard sei Rudd 2010 in den Rücken gefallen.

In den vergangenen Tagen kam Rudd’s Charakter unter massiven Beschuss von Seite seiner früheren Kabinettskollegen. In erster Linie wurde kritisiert, er habe als Ministerpräsident sein Amt in diktatorischem Stil ausgeführt und nicht auf Ratschläge seiner Kabinettskollegen gehört. Ein Kommentator in Canberra bezeichnete die Angriffe „in ihrer Aggressivität und Abscheulichkeit einzigartig in der australischen Geschichte“.

Rudd’s Berater Bruce Hawker meinte, Gillard’s „Hintermänner“ hätten eine „Shock and Awe“-Kampagne („Schock und Ehrfurcht“) gegen Rudd geführt, „wie im Irakkrieg“. Rudd hatte im Vorfeld der Abstimmung vom Montag gemeint, die massiven „Anschläge auf meinen Charakter“ würden nach dem Entscheid weitergehen, „weil die Partei mir damit die Schuld zuschieben kann, für den Niedergang, der folgen wird“.

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