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02.10.2014

16:54 Uhr

Ausufernden Demonstrationen

Hongkong fürchtet um Stellung als Finanzmetropole

Wegen der Blockaden und Proteste bleiben in Hongkong viele Banken und Geschäfte geschlossen. Auch Touristen meiden die Stadt. Geschäftsleute machen sich Sorgen – China könnte bald zu Gewalt bereit sein.

Bilder der Demonstrationen in Hongkong: Bislang florieren in Hongkong Banken, Shopping Malls und Handelshafen. Reuters

Bilder der Demonstrationen in Hongkong: Bislang florieren in Hongkong Banken, Shopping Malls und Handelshafen.

HongkongViele Geschäfte sind geschlossen, die Börse geht auf Talfahrt und Banken machen ganze Abteilungen dicht. Die Proteste Zehntausender Hongkonger für mehr Demokratie könnten die wirtschaftliche Stellung der Geschäftsmetropole nachhaltig schwächen, warnen Wirtschaftsexperten. „Unternehmen und Investoren preisen immer größere Risiken ein, weil sie fürchten, das künftige Proteste eskalieren könnten“, sagt die Ökonomin der Citigroup, Adrienne Lui.

Zuletzt haben die chinesischen Behörden Gruppenreisen nach Hongkong abgesagt. Das trifft die boomende Tourismusbranche der Sieben-Millionen-Einwohner-Metropole hart, besonders am Nationalfeiertag, dem 1. Oktober, den viele Chinesen zu ausgiebigen Einkaufstouren nutzen. „Im vergangenen Jahr hatte Hongkong 41 Millionen Besucher aus China“, sagt der Experte Rajiv Biswas vom Beratungsunternehmen IHS in Singapur. „Das wird Auswirkungen haben, selbst wenn es nur ein paar Wochen dauert.“

Bislang florieren in Hongkong Banken, Shopping Malls und Handelshafen. Viele Firmen vom chinesischen Festland nutzen die Stadt als Sprungbrett in den Weltmarkt. An der Börse haben sie von ausländischen Investoren Milliarden an Euro für ihre Geschäfte eingesammelt. Wesentliche Gründe dafür sind das westlich orientierte Rechtssystem, strikte Börsenregeln und die bürgerlichen Freiheiten, die Peking der Metropole zugesagt hat, als es sie 1997 von den Briten übernahm.

Die Gesichter der Regenschirm-Revolution

Der jugendliche Rebell

Der 17 Jahre alte Joshua Wong ist eines der prominentesten Gesichter der "Regenschirm-Revolution". Der für seine mitreißenden Reden bekannte Student mit der markanten schwarzen Brille hat bereits als Schüler sein politisches Geschick bewiesen. Zehntausende Demonstranten folgten 2012 seinem Aufruf, gegen einen Peking-treuen Lehrplan auf die Straße zu gehen. "Wir glauben nicht, dass wir die Regierung mit unseren Worten überzeugen können. Die Regierung ist nur zu Zugeständnissen bereit, wenn sich Unruhe in der Gesellschaft breit macht", beschrieb der junge Protestführer seine Strategie. Auch in den Klatschspalten, in den über sein Liebesleben spekuliert wird, macht Wong inzwischen Schlagzeilen. (Quelle: AFP)

Der Studentenführer

Der 24-Jährige Alex Chow organisierte den Boykott der Studenten und die Demonstrationen seiner Kommilitonen auf der Straße. Der Vorsitzende von Hongkongs Studentenverband hält solche Protestaktionen für unverzichtbar. Nur so könne der Regierung gezeigt werden, "wie ernst es den Menschen in Hongkong mit der Demokratie ist".

Der Juraprofessor

Benny Tai ist der Mitbegründer der Gruppe Occupy Central. Der 50-Jährige gab am Sonntag den Startschuss für die heiße Phase der Kampagne für mehr Demokratie. Tai hatte die Organisation Anfang 2013 zusammen mit dem Soziologen Chan Kin Man und dem Prediger Chu Yiu Ming ins Leben gerufen. Ende Juni organisierte die Gruppe ein inoffizielles Referendum über politische Reformen, an dem sich 800.000 Menschen beteiligten. "Ich bin zuversichtlich, dass in Hongkong eines Tages die Demokratie Einzug erhalten wird", sagte Tai.

Der Finanzier

Der Hedgefonds-Manager Edward Chin schloss sich Occupy Central im März an. Hinter ihm stehen einige finanzkräftige Geschäftsmänner, die den Einfluss Pekings auf die Wirtschaft in Hongkong mit Argwohn betrachten. Sobald die Protestbewegung Geld für Werbekampagnen oder Veranstaltungen benötigt, kann die Gruppe die Mittel laut Chin in wenigen Tagen auftreiben: "Wir unterzeichnen einfach einen Scheck."

Genau die aber sehen viele Demonstranten in Gefahr. Besonders bei der Selbstverwaltung fühlen sie sich von China hinters Licht geführt. Die Volksrepublik hielt zwar ihr Versprechen ein, dass die Hongkonger 2017 ihren Regierungschef direkt wählen dürfen. Allerdings sollen sie keine freie Auswahl haben. Wer Kandidat wird, soll eine Peking-freundliche Kommission bestimmen.

„Ich mache mir keine Sorgen um die Wirtschaft“, sagte die 39-jährige Goria Ho, die in einer Behörde arbeitet und für mehr Demokratie auf die Straße geht. „Ich denke demokratische Reformen sind jetzt wichtiger.“ Die Demonstranten nehmen Rücksicht auf die Geschäftsleute und Anwohner. Sie haben zwar Läden und Schulen blockiert, doch sie halten die Straßen sauber und trennen ihren Abfall. Rettungsfahrzeug lassen sie passieren.

Bislang haben die Proteste Zehntausender Demonstranten keine nachhaltigen Spuren im Geschäftsleben Hongkongs hinterlassen. Die Metropole kann nach wie vor auf Rechtssicherheit, Transparenz und bürgerliche Freiheiten verweisen. „Dieser Unterbau macht Hongkong einzigartig“, urteilt der Vizepräsident des Wirtschaftsforschungsinstituts Delta Economics, Tony Nash.

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