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19.07.2011

13:24 Uhr

Auswege aus der Schuldenkrise

Euro-Länder prüfen drei Griechenland-Optionen

Die Bemühungen der Euro-Länder um eine Griechenland-Rettung gehen in eine entscheidende Phase. Experten loten derzeit mehrere Varianten aus, um den Mittelmeerstaat vor der Pleite zu bewahren.

Flaggen der Euro-Länder. Quelle: dpa

Flaggen der Euro-Länder.

Die Euro-Länder haben zur Beteiligung der privaten Gläubiger an der Rettung Griechenlands eine neue Finanzmarktsteuer in Betracht gezogen. Das sieht eine der drei Optionen vor, über die Experten der Euro-Staaten vergangene Woche in einer Telefonkonferenz diskutierten. Wie aus einem Reuters am Dienstag vorliegenden Protokoll dazu hervorgeht, würde die Steuer mit einer freiwilligen Laufzeitenverlängerung seitens der Banken kombiniert.

Dies wäre die einzige der drei Varianten, bei der die Ratingagenturen Griechenland nicht für pleite erklären würden. Die Variante mit der Bankensteuer wird von Frankreich und Griechenland selbst unterstützt. Der österreichische Zentralbank-Chef Ewald Nowottny wies darauf hin, dass die Einstufung als zahlungsunfähig zeitlich begrenzbar sei.

Die Euro-Länder wollen über das neue Hilfspaket zur Rettung Griechenlands bei ihrem Sondergipfel am Donnerstag beschließen. Die erste der drei diskutierten Varianten würde die Finanzlage des überschuldeten Euro-Landes am meisten verbessern, wäre jedoch mit den höchsten Verbindlichkeiten für die Geberländer verbunden und würde zur Bankrotterklärung Griechenlands führen. Den privaten Gläubigern würde danach eine öffentliche Garantie - eine sogenannte Kreditverstärkung - gewährt für neue Kredite an Griechenland.

Hinzu käme ein Schuldenrückkauf über Gelder des Euro-Rettungsfonds EFSF. Dieser müsste außerdem Mittel zur Refinanzierung griechischer Banken und Sicherheiten für die Europäische Zentralbank (EZB) aufbringen, damit diese den dortigen Banken noch Kredit gibt. Zahlen werden in dem Papier allerdings nicht genannt.

Die zweite Option verzichtet auf einen Schuldenrückkauf und bezieht die Privatgläubiger über einen Anleihetausch ein, wie es die französischen Banken vorgeschlagen hatten. Griechenland würde durch niedrigere Zinsen und längere Laufzeiten der Kredite des EFSF entlastet.

Wie im ersten Fall wäre die Pleiteerklärung durch die Ratingagenturen nicht zu vermeiden. Das dritte Modell würde nicht zum Zahlungsausfall führen. Die Gläubiger würden freiwillig Griechen-Bonds weiter kaufen. Sie würde aber mit der Steuer auf den Finanzsektor kombiniert, um mehr Geld zur Finanzierung Griechenlands hereinzubekommen. Die Liquiditätslage des Landes würde aber nur geringfügig verbessert.

Maßnahmen gegen die Schuldenkrise

Schäuble Vorschlag

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble beharrt auf seinem Vorschlag, alle griechischen Anleihen zu einem bestimmten Zeitpunkt - also während der Laufzeit - gegen neu Papiere mit längerer Laufzeit zu tauschen. Im Gespräch ist eine Verlängerung der Laufzeit der  Staatsanleihen privater Gläubiger um sieben Jahre. Dabei sollen die Gläubiger die vereinbarten Zinssätze erhalten.  

Damit die Rating-Agenturen dies nicht als Zahlungsausfall Griechenlands werten, sollen sich die privaten Gläubiger auf freiwilliger Basis beteiligen. Unklar ist jedoch, wie Schäuble genug Gläubiger dazu bewegen will, sich an einer solchen freiwilligen Lösung zu beteiligen.

Kauf von Anleihen durch den Euro-Rettungsfonds

Der Euro-Rettungsfonds (EFSF) könnte künftig auch Staatsanleihen von Privatgläubigern zum aktuellen Marktwert kaufen oder Schuldenländern den Rückkaufeigener Anleihen ermöglichen. Derzeit sind die Marktpreise für die Staatsanleihen der Schuldenländer deutlich unter den Ausgabekursen. Deshalb könnte auf diese Weise der Privatsektor indirekt an den Rettungskosten beteiligt werden.

Diskutiert werden zwei Varianten: Entweder der EFSF kauft die Schulden selbst auf oder er gibt Kredite an Griechenland, dessen Regierung dann den Rückkauf betreibt. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums wäre der EFSF rechtlich dazu in der Lage. Für Griechenland würde sich die Finanzlage stark verbessern. Doch die Geberländer müssten viel Geld in die Hand nehmen. Und: Die Ratingagenturen würden dies vermutlich als Kreditausfall werten.

Im vergangenen Jahr hat bereits die Europäische Zentralbank (EZB) massiv Anleihen gekauft. Sie will jedoch keine weiteren Risiken eingehen. Außerdem stellt sich die EZB gegen Vorschläge zur Beteiligung des Privatsektors an der Griechenland-Rettung, weil sie ansonsten auf ihre eigenen Anleihen Abschreibungen bilden müsste.

Der Ackermann-Plan

Der Plan des von Josef Ackermann geführten internationalen Bankenverbandes IIF sieht ein freiwilliges, von Griechenland selbst organisiertes Rückkaufangebot für Staatsanleihen vor.

Ein solcher Schritt würde lediglich solche Banken treffen, die die Papiere zu Einstiegspreisen im Bankbuch halten. Sie müssten bei einem Rückkauf Abschreibungen in Kauf nehmen. Nicht betroffen wären hingegen Institute, die ihre Griechenland-Anleihen zum derzeitigen Wert im Handelsbuch bilanziert haben.

Der Schuldenrückkauf  würde nach Überzeugung des IIF keinen begrenzten Zahlungsausfall auslösen. Offen ist wer Griechenland den Schuldenrückkauf finanzieren soll.  Hier käme neben der EZB nur der europäische Rettungsschirm EFSF in Frage.

Bankenabgabe

Die Gläubiger kaufen freiwillig neue Griechenlandanleihen. Das zweite Hilfspaket für Griechenland wird aus einer Bankenabgabe oder aus einer Finanzmarktsteuer finanziert. Vorteil: Der EFSF bekäme zusätzlich Geld, ohne dass die Haushalte der Euro-Länder dadurch belastet werden. Nachteil: Bankenabgabe und die Finanzmarktsteuer sind in der EU stark umstritten. Und die griechische Schuldentragfähigkeit würde kaum verbessert. Die Ratingagenturen sehen dies wohl nicht als Zahlungsausfall.

Französisches Modell

Die französischen Banken haben ein Modell in die Diskussion gebracht, bei dem Griechenland seine auslaufenden Anleihen vollständig tilgt. 30 Prozent der Tilgungssumme sollen die Investoren direkt ausgezahlt bekommen. Die restlichen 70 Prozent des zurückgezahlten Geldes müssen sie in neue Griechen-Bonds mit 30-jähriger Laufzeit anlegen.

Die Banken haben verschiedene Varianten des Modells ins Spiel gebracht. Sie unterscheiden sich darin, inwieweit die anderen Euro-Staaten das Ausfallrisiko der verbliebenen Anleihen übernehmen.  Außerdem geht es um die Frage, wie die verbliebenen Papiere verzinst werden sollen. Im Gespräch ist ein Zinsbonus, der sich nach dem griechischen Wirtschaftswachstum richtet.

Entscheidend dafür, welches Modell sich am Ende durchsetzt, ist vor allem das Urteil der Rating-Agenturen. Für das französische Modell hat die Rating-Agentur Standard & Poors bereits signalisiert, dass sie dies als teilweisen Zahlungsausfall werten könnte. Eine Bewertung als Zahlungsausfall wollen die Euro-Länder unbedingt verhindern. In diesem Fall müssten Banken und Versicherungen Abschreibungen bilden und die Kreditausfallversicherungen (CDS) würden fällig – mit unkalkulierbaren Risiken für das Finanzsystem.

Haircut

Die griechische Regierung erklärt sich für zahlungsunfähig und handelt mit ihren Gläubigern einen Forderungsverzicht (Haircut) aus. Für die Geldgeber kann das sehr teuer werden: Bei den vom Internationalen Währungsfonds (IWF) untersuchten Staatspleiten zwischen 1998 und 2005 musste sie zwischen 13 Prozent (Uruguay) und 73 Prozent (Argentinien) ihres Investments abschreiben. Griechenland könnte seine Schuldenlast von mehr als 340 Milliarden Euro auf diese Weise zwar mit einem Schlag deutlich reduzieren, würde aber seine Kreditwürdigkeit am Finanzmarkt auf Jahre verspielen und sich den Zugang zu frischem Geld verbauen. Auch andere Sorgenkinder wie Irland und Portugal würden dann noch größere Probleme haben, sich neues Geld am Markt zu leihen. Ein weiteres Problem: Die Gläubiger sind vor allem Banken aus Griechenland und anderen Euro-Ländern, denen milliardenschwere Verluste drohten, was wiederum eine neue Finanzkrise auslösen könnte.

Eurobonds

Dahinter steht die Idee, dass alle Euro-Länder gemeinsame Anleihen ausgeben - für die sie gemeinsam garantieren. Durch das geringere Ausfallrisiko würde die Zinslast für die Schuldenländer sinken. Unklar ist jedoch, was dies für die Euro-Länder mit hoher Kreditwürdigkeit bedeuten würde, wie zum Beispiel Deutschland. Unter Umständen müssten sie für ihre Anleihen dann höhere Zinsen zahlen. Befürworter argumentieren jedoch, dass durch die höhere Liquidität der Anleihe der durchschnittliche Zinssatz für alle beteiligten Länder sinken würde.  

Das Modell wird in verschiedenen Varianten diskutiert. Neben der vollständigen Umstellung auf Eurobonds gibt es auch den Vorschlag, nur solche Schulden in Eurobonds umzuwandeln,  die im Rahmen der Maastrichter-Kriterien liegen.

Brady-Bonds

Der US-Finanzminister Nicholas Brady entschärfte die Lateinamerika-Krise 1989 dadurch, dass ausstehende Anleihen südamerikanischer Länder in solche mit sehr langen Laufzeiten und niedrigen Zinsen umgetauscht wurden. Als Sicherheiten dienten US-Staatsanleihen.

Blessing-Vorschlag

Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, hat sich für einen Forderungsverzicht der Banken von 30 Prozent ausgesprochen. Die übrigen 70 Prozent sollen die Institute in Anleihen mit 30-jähriger Laufzeit tauschen, die von EU-Institutionen garantiert würden. Der Zins soll für diese Bonds nur 3,5 Prozent betragen. Der Vorschlag folgt der Logik der Brady-Bonds.

Kommentare (7)

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Griechen.raus.aus.dem.EURO

19.07.2011, 13:38 Uhr

Erst bringen die Griechen ihre Milliarden (nach denen keiner mehr nach fragt) ins Ausland in Sicherheit oder kaufen Immobilien in London. Echt eine Frechheit, jetzt erpressen sie die EU, dass schnell neue Milliarden fliessen sollen. Besser wäre die Konten von Griechen zu pfänden und die Immobilien. In ein Abzocker-Fass kann man doich kein neues Geld werfen !!
Wer auf griechischen Anleihen sitzt hat auch das Risiko mit gekauft mit den hohen Zinsen. Pech !

Account gelöscht!

19.07.2011, 13:50 Uhr

PAPPERLAPAPP - GRIECHENLAND IST PLEITE!
Die Vorschläge haben Haken.
Glaubwürdigkeit der Ratingagenturen?
Rettungsfonds, denen man A K A L K U L I E vorwergen muß.
EZB, die verfassungsrechtlich bedenklich auf Anleihen sitzen kämen vom Regen in die Traufe?
Laufzeitverlängerungen als vorweihnachtliche Geschenke an einen maroden Staat?
4. VORSCHLAG: STAATLICHE VERGABE VON SCHÜRFRECHTEN GR.
ABTRETUNG UND VERPFÄNDUNG ALLER BEKANNTEN UND NOCH UNBEKANNTEN BODENSCHÄTZE GRIECHENLANDS AN AUSLÄNDISCHE INVESTOREN FÜR EINEN ZEITRAUM VON 30 BIS 100 JAHREN?

R.Ruf

19.07.2011, 13:55 Uhr

"Kompliziertes" hilft nicht mehr und verschlimmert nur die Lage. Wie wurde der gordische Knoten gelöst? Durch einen Schwertstreich! Der Schwertstreich ist der Schuldenschnitt verbunden mit dem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion.

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