Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.10.2014

13:27 Uhr

Auszeichnung des Schwimm-Weltverbands

Politiker nennen Orden für Putin „geschmacklos“

Die Union greift Schwimm-Weltverband Fine für die Verleihung seines Ordens an Kremlchef Wladimir Putin an. Unterdessen sterben in der Ostukraine drei weitere Zivilisten bei Kämpfen in der Rebellenhochburg Donezk.

Wladimir Putin: Truppen sollen die ukrainische Grenzregion verlassen. dpa

Wladimir Putin: Truppen sollen die ukrainische Grenzregion verlassen.

BerlinDie Verleihung des Fina-Ordens durch den Schwimm-Weltverband an Russlands Präsident Wladimir Putin stößt in der deutschen Politik auf scharfe Kritik. „Putin einen Preis für seinen Beitrag zur Brüderlichkeit zwischen den Nationen zu verleihen, halte ich für eine geschmacklose Provokation“, erklärte Frank Steffel, Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Sportausschuss des Bundestages, am Samstag.

„Diese Entscheidung der Fina ist im Hinblick auf die aktuelle Situation in der Ukraine untragbar. Dieser Preis ist blanker Hohn. Statt eine solche fragwürdige Entscheidung zu treffen, sollte die Fina besser über sportpolitische Sanktionen gegen Russland nachdenken.“

Die Russland-Geschäfte deutscher Konzerne

Eon

Der größte deutsche Energiekonzern hat seit 2007 rund sechs Milliarden Euro in den russischen Strommarkt investiert. Er hält knapp 84 Prozent an dem Kraftwerksbetreiber E.ON Rossiya OAO. Der Anteil des russischen Stromgeschäfts am Umsatz lag 2013 bei 1,5 Prozent und am operativen Gewinn bei gut sieben Prozent. E.ON beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter in Russland. Der Versorger bezieht zudem 30 bis 40 Prozent seines Erdgases von dort. Die Düsseldorfer sind auch mit 25 Prozent an dem sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligt und mit 15,5 Prozent an der Ostsee-Pipeline, durch die Gas - an der Ukraine vorbei - von Russland nach Deutschland fließt. Die Mehrheit an beiden Projekten hält der russische Gazprom -Konzern.

BASF

Der weltgrößte Chemiekonzern ist vor allem in seinem Öl- und Gasgeschäft kräftig in Russland engagiert. So ist der Konzern mit seiner Tochter Wintershall am Gas-Projekt ZAO Achimgaz, einem Joint Venture mit Gazprom, zu 50 Prozent beteiligt. ZAO Achimgaz produziert in Sibirien etwa 3.500 Kilometer nordöstlich von Moskau Erdgas. Ferner ist Wintershall über die Gesellschaft OAO Severneftegazprom nach eigenen Angaben mit insgesamt 35 Prozent an der Ausbeutung des sibirischen Gasfeldes Juschno-Russkoje beteiligt. Zusammen mit einer Tochter des russischen Erdölproduzenten Lukoil betreibt Wintershall zudem das Gemeinschaftsunternehmen Wolgodeminoil zur Förderung von Erdöl. Die BASF-Tochter hält daran 50 Prozent.

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn ist im Schienenverkehr sowie im Logistik-Geschäft mit insgesamt fünf Unternehmen in Russland vertreten: Vier davon sind 100-Prozent-Beteiligungen. An einer weiteren Firma, die Schienentransporte quer durch Russland von China nach Deutschland organisiert, hält die Bahn einen Anteil von gut einem Drittel. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen unter anderem mit der russischen Staatsbahn RZD. Bahnchef Rüdiger Grube hatte das Geschäftsvolumen in Russland zuletzt mit rund 250 Millionen Euro beziffert.

Daimler

Der Autokonzern ist zusammen mit der Entwicklungsbank EBRD mit 15 Prozent an dem russischen Lkw-Bauer Kamaz KMAZ.MM beteiligt. Die Stuttgarter lassen in zwei Gemeinschaftsunternehmen in dem Land Lastwagen der Marken Mercedes-Benz und Fuso montieren, die besonders robust und damit an die dortigen Straßenverhältnisse angepasst sind. Im abgelaufenen Jahr wurden 5600 Lkw der beiden Marken in Russland ausgeliefert. Etwa die Hälfte davon wurde vor Ort gebaut, der Rest aus Deutschland importiert.

Metro

Russland ist für den Handelsriesen mit einem Jahresumsatz von rund 4,3 Milliarden Euro und 22.000 Mitarbeitern der wichtigste Auslandsmarkt. Der Konzern betreibt dort 73 Cash&Carry-Märkte und 57 Media-Saturn-Filialen. Den Börsengang seines russischen Großmarktgeschäfts hatte Metro im März wegen der Ukraine-Krise auf Eis gelegt.

Henkel

Für den Konsumgüterkonzern ist Russland der weltweit viertgrößte Markt. Der Hersteller von Persil und Pritt hatte dort 2013 rund eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Die Ukraine zählt zu den zehn wichtigsten Wachstumsmärkten Henkels. Im ersten Quartal war Henkel trotz der politischen Unruhen währungsbereinigt in Russland "im mittleren einstelligen Prozentbereich gewachsen" und in der Ukraine "ganz leicht" geschrumpft.

Adidas

Für den Sportausrüster ist Russland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Infolge der Ukraine-Krise hat dem Konzern bisher vor allem der Verfall des Rubel zu schaffen gemacht. Schuhe und Kleidung mit den drei Streifen, die in Russland seit Sowjetzeiten etabliert sind, waren dort weiter gefragt. Adidas ist in Russland Marktführer.

Der Schwimmwelt-Verband Fina hatte Putin am Donnerstag seine höchste Ehrung verliehen. „Der Orden wird an Staatsführer und Personen von großer Würde vergeben, die sich einen besonderen Verdienst um den Schwimmsport erworben haben“, sagte Fina-Präsident Julio Maglione.

Das persönliche Engagement von Putin leiste einen großen Beitrag zur Brüderlichkeit zwischen den Nationen, zur Erziehung der Jugend in Russland und der Förderung einer gesünderen Gesellschaft, in einem Geist des Friedens und der Freundschaft. Russland ist mit Kasan vom 24. Juli bis 9. August 2015 Gastgeber der Schwimm-Weltmeisterschaften.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×