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12.10.2012

17:17 Uhr

Auszeichnung für die EU

Glückwunsch – Wir sind Nobelpreis!

VonHelmut Steuer

Was ist ein bisschen Euro-Krise gegen ein halbes Jahrhundert Frieden, fragte sich das Nobelkomitee und vergibt den Friedenspreis an die EU. Die Entscheidung facht die Debatte um die Zukunft Europas neu an.

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StockholmEr wirkte angespannt, als er die Europäische Union als diesjährigen Friedensnobelpreisträger bekanntgab. Natürlich war Thorbjörn Jagland, früherer norwegischer Regierungschef und heutiger Vorsitzender des norwegischen Nobel-Komitees, bewusst, dass das Votum für Europa vor allem in seinem Land für heftige Reaktionen sorgen wird. Und die sollten auch nicht lang auf sich warten lassen: „Das war der falsche Preis zur falschen Zeit“, wetterte Audun Lysbakken, Vorsitzender der norwegischen Linkspartei. Und auch Heming Olaussen, der die „Nein zur EU-Organisation“ in Norwegen leitet, konnte seinen Zorn nicht verbergen: „Das ist absurd und ein Sieg für die Propaganda von Thorbjörn Jagland und Geir Lundestad, die seit Jahren für die EU als Preisträger gekämpft haben“.

Tatsächlich ist bemerkenswert an der Entscheidung des Nobel-Komitees, dass Norwegen selbst ein äußerst gespaltenes Verhältnis zur EU hat. Bereits zweimal lehnten die Norweger in Volksabstimmungen einen EU-Beitritt ab. Im Nobel-Komitee sitzen fünf Mitglieder – streng nach Parteienproporz ausgewählt. Damit waren auch zwei Vertreter von EU-kritischen Parteien an der Entscheidung für die EU beteiligt.

Während in Norwegen in den kommenden Tagen heftig über die Preisvergabe debattiert werden wird, ist die Freude im fernen Brüssel riesengroß. In ihrer schwersten Krise erhält die oft gescholtene Gemeinschaft unerwartet Rückenstärkung. Der Präsident der EU-Kommission, Jose Manuel Baroso, sprach von einer „großen Ehre“.

Und Martin Schulz, der Präsident des Europaparlaments, zeigte sich „tief bewegt“. Schwedens Außenminister Carl Bildt bezeichnet die Osloer Entscheidung als „sehr verdient und sehr wichtig“. Noch ist nicht entscheiden, wer den Preis am 10. Dezember entgegen nehmen wird.

Die Kommission habe dem Nobelpreiskomitee vorgeschlagen, die Auszeichnung Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und dem ständigen Ratspräsidenten Herman van Rompuy gemeinsam zu überreichen, sagte der Sprecher. Es könne aber auch sein, dass nur ein Vertreter nach Oslo fahre. Van Rompuy repräsentiert die Mitgliedsstaaten, die gemeinsam mit dem Parlament Gesetzgeber der Gemeinschaft sind, Barroso die Exekutive.

SPD-Chef Sigmar Gabriel sprach sich gegenüber Spiegel Online dafür aus, dass Schulz den Friedensnobelpreis für die EU entgegennimmt. „Es wäre angemessen, wenn der Preis nicht von einem Technokraten aus der Kommission entgegengenommen würde, sondern von einem glaubwürdigen Repräsentanten des demokratischen Europa“, so der Parteivorsitzende.

Barroso: Große Ehre für die EU

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Die EU wird das Preisgeld des Nobelkomitees voraussichtlich spenden. Die Summe von umgerechnet rund 930.000 Euro werde wahrscheinlich an eine Wohltätigkeitsorganisation weitergereicht, sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Freitag in Brüssel. Aber es sei noch keine Entscheidung gefallen.

Ein Sprecher des Nobel-Komitees erklärte, die Entscheidung für die EU sei einstimmig gefallen. Die EU habe sich in den vergangenen mehr als sechs Jahrzehnten für den Frieden, Menschenrechte und die Demokratie verdient gemacht, erklärte der Vorsitzende des norwegischen Nobel-Komitees, der frühere norwegische Regierungschef, Thorbjörn Jagland.

Besonders werde der Einsatz der EU für Frieden in Europa ausgezeichnet, sagte Jagland. Derzeit befinde sich die EU in einer sehr schwierigen ökonomischen Lage, hob er hervor. Aber die stabilisierende Rolle der EU habe Europa von einem Kontinent der Kriege in einen Kontinent des Friedens verwandelt, sagte er.

Kommentare (165)

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Mittelschichtopfer

12.10.2012, 10:26 Uhr

Das kann mann hier nicht mehr ernst nehmen!!!! Unglaublich!

MikeM

12.10.2012, 10:30 Uhr

Unfassbar! Obama letztes Jahr war ja schon ein Witz, aber dass der Preis jetzt an die EU gehen soll übertrifft alles. SCHANDE!!!

Lachnummer

12.10.2012, 10:31 Uhr

+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

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