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21.11.2014

01:25 Uhr

Avigdor Lieberman

Hamas plante Attentat auf Israels Außenminister

Israels Geheimdienst hat einen Mordanschlag auf Außenminister Avigdor Liebermann vereitelt. Laut Behörden wollte die radikale Palästinensergruppe Hamas das Auto des Politikers im Sommer mit einer Panzerfaust beschießen.

Gilt als Hardliner: Israels Außenminister Avigdor Liberman (M) dpa

Gilt als Hardliner: Israels Außenminister Avigdor Liberman (M)

Jerusalem/Tel AvivIsraels Sicherheitsbehörden haben Medienberichten zufolge einen Plan militanter Palästinenser vereitelt, während des Gaza-Kriegs im Sommer Außenminister Avigdor Lieberman zu töten.

Eine Gruppe radikaler Palästinenser habe nahe Bethlehem im Westjordanland geplant, eine Panzerfaust zu kaufen und Liebermans Auto zu beschießen, berichteten das Nachrichtenportal „Ynet“ und die Zeitung „Times of Israel“ am Donnerstagabend unter Berufung auf den israelischen Inlandsgeheimdienst Schin Bet. Dazu seien unter anderem die Fahrtrouten des Politikers ausgekundschaftet worden. Lieberman lebt in der jüdischen Siedlung Nokdim im Westjordanland, das zum palästinensischen Autonomiegebiet zählt.

Wie die israelische Tageszeitung „Haaretz“ berichtete, wurden mehrere Verdächtige, darunter ein führender Hamas-Aktivist, während der vergangenen Wochen verhaftet und nun vor einem Militärgericht angeklagt.

Die Führungsriege der Hamas

Führer der radikal-islamischen Hamas

Sie leben gefährlich - und häufig im Exil. Die Führer der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas müssen ständig Angriffe Israels fürchten. Viele hochrangige Mitglieder wurden von Israel getötet. Wer sind derzeit die bekanntesten Führer?

Chaled Maschaal

Der Kopf des Exil-Politbüros wurde 1956 nahe Ramallah im Westjordanland geboren. Seine Familie floh während des Sechs-Tage-Krieges 1967 nach Kuwait, wo Maschaal Physik studierte. Als Teenager schloss er sich der Muslimbruderschaft, später auch der Hamas an. 1990 zog er nach Jordanien, wo er die Leitung der Hamas übernahm. Israel wirft ihm vor, die erste Intifada (palästinensischer Volksaufstand) mitorganisiert zu haben. 1997 überlebte Maschaal in Amman einen Tötungsversuch des israelischen Geheimdienstes. Im Dezember 2012 besuchte er nach der letzten Konfliktrunde den Gazastreifen - zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Tausende Palästinenser jubelten ihm zu. Er lebt heute in Katar.

Ismail Hanija

Hanija kam in einem Flüchtlingslager in Gaza zur Welt, wo er auch heute lebt. Er studierte an der Islamischen Universität in Gaza arabische Literatur. Als einer von etwa 400 Aufständischen wurde Hanija 1992 von Israel in den Südlibanon ausgewiesen. Nach seiner Rückkehr wurde er Büroleiter der Hamas, 2006 Ministerpräsident in dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen. Hanija gilt als vergleichsweise pragmatisch. In einigen Interviews deutete er die Bereitschaft zu einem Kompromiss über eine Zwei-Staaten-Lösung an.

Mussa Abu Marsuk

Die Nummer zwei der Hamas-Führung im Exil studierte in Ägypten und den USA. Marsuk soll gute Beziehungen zu muslimischen Spendern unterhalten, die die Hamas immer wieder finanziell unterstützten. Er soll außerdem an der Planung mehrerer Attentate in Israel beteiligt gewesen sein. In den vergangenen Monaten trieb er die Versöhnung mit der rivalisierenden Fatah voran. Der 63-Jährige lebt derzeit in Kairo.

Mahmud al-Sahar

Der ausgebildete Chirurg gehört zu den Gründungsvätern der Hamas. Als Sohn einer Ägypterin und eines Palästinensers wurde er 1945 in der Stadt Gaza geboren. Seine Jugend verbrachte er in Ägypten, wo er auch studierte. Nach seiner Rückkehr nach Gaza lehrte er an der örtlichen Islamischen Universität. In den 1970er-Jahren gründete er erst die Muslimbruderschaft im Gazastreifen und später zusammen mit Scheich Ahmed Jassin die Hamas. Die israelische Armee versuchte, Al-Sahar 2003 mit einer Bombe zu töten; er überlebte leicht verletzt, verlor aber einen Sohn. Nachdem Israel Scheich Jassin ein Jahr später gezielt getötet hatte, stieg Al-Sahar in den Führungszirkel der Hamas auf. Vor wenigen Tagen wurde sein Haus von der israelischen Armee zerstört.

Liebermann, Gründer der ultranationalistischen Partei Unser Haus Israel, gilt als außenpolitischer Hardliner und vielen moderat gesinnten Landsleuten als Hindernis bei den Friedensbemühungen mit den Palästinensern. Bei einem Treffen mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) kündigte Lieberman am Sonntag an, Israel werde sich beim Ausbau der jüdischen Viertel in Jerusalem keinerlei Beschränkungen auferlegen lassen und betrachte den Ausbau auch nicht als Besiedlung.

Die internationale Staatengemeinschaft sieht die Annexion Ost-Jerusalems durch Israel als völkerrechtswidrig an. Der Ausbau jüdischer Siedlungen dort gilt als ein Haupthindernis für den Frieden im Nahen Osten. In den vergangenen Tagen und Wochen hatte sich die Sicherheitslage in Jerusalem durch neue Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern nochmals verschlechtert. Am Dienstag überfielen zwei palästinensische Attentäter vier jüdische Gläubige in einer Synagoge beim Gebet und töteten sie.

Angesichts seiner antiarabischen Einstellung und seiner aufbrausenden Schmähreden sehen viele Friedensbewegte in Israel die Auftritte Liebermans auf dem diplomatischen Parkett mit Unbehagen. Der Dobermann von Rechtsaußen“, wie sie ihn nennen, bezeichnete Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in der Vergangenheit wiederholt als „diplomatischen Terroristen“, mit dessen Autonomiebehörde in Ramallah es keinen Frieden geben könne. Manche Gegner bezeichneten ihn wegen dieser Verbalattacken als „Rassisten“ und Bedrohung für die arabische Minderheit in Israel.

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