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21.11.2014

14:51 Uhr

Avigdor Lieberman

Hamas wollte Israels Außenminister töten

Militante Palästinenser sollen geplant haben, Israels Außenminister zu ermorden. Laut Behörden wollten die mutmaßlichen Täter das Auto mit einer Panzerfaust beschießen. Die Hamas findet den Mordplan gerechtfertigt.

Eine Gruppe militanter Palästinenser hat laut Behörden geplant, das Auto von Avigdor Lieberman mit einer Panzerfaust anzugreifen. dpa

Eine Gruppe militanter Palästinenser hat laut Behörden geplant, das Auto von Avigdor Lieberman mit einer Panzerfaust anzugreifen.

Tel Aviv/GazaDie radikal-islamische Hamas hat die mutmaßlichen Anschlagspläne auf Israels Außenminister Avigdor Lieberman als gerechtfertigt bezeichnet. Der ranghohe Hamas-Führer Ismail Radwan sagte am Freitag, Lieberman und die israelische Regierung hätten im Gaza-Krieg „Massaker an Frauen und Kindern begangen“. Auch beschmutzten sie „die Al-Aksa-Moschee und unsere heiligen Stätten jeden Tag“. Daher sei Lieberman während des Gaza-Krieges ein „legitimes Ziel“ gewesen.

Am späten Donnerstagabend war bekanntgeworden, dass Israels Sicherheitsbehörden im Sommer einen Anschlag auf den Außenminister verhindert haben sollen. Eine Gruppe militanter Palästinenser habe geplant, das Auto des Politikers mit einer Panzerfaust anzugreifen, berichteten israelische Medien unter Berufung auf den Inlandsgeheimdienst Schin Bet.

Die Männer hätten unter anderem Liebermans Fahrtrouten ausgekundschaftet. Der Außenminister lebt in einer Siedlung im Westjordanland. Radwan wollte den Wahrheitsgehalt der Berichte weder bestätigen noch dementieren. Man müsse erst prüfen, ob die israelischen Berichte richtig oder falsch seien.

Lieberman gehört der ultrarechten Partei Israel Beitenu (Unser Haus Israel) an. Im Sommer sprach er von einer „gründlichen Säuberung“ des 2005 von Israel geräumten Gazastreifens und forderte, dass Israel wieder die Kontrolle über den Küstenstreifen übernimmt.

Die Führungsriege der Hamas

Führer der radikal-islamischen Hamas

Sie leben gefährlich - und häufig im Exil. Die Führer der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas müssen ständig Angriffe Israels fürchten. Viele hochrangige Mitglieder wurden von Israel getötet. Wer sind derzeit die bekanntesten Führer?

Chaled Maschaal

Der Kopf des Exil-Politbüros wurde 1956 nahe Ramallah im Westjordanland geboren. Seine Familie floh während des Sechs-Tage-Krieges 1967 nach Kuwait, wo Maschaal Physik studierte. Als Teenager schloss er sich der Muslimbruderschaft, später auch der Hamas an. 1990 zog er nach Jordanien, wo er die Leitung der Hamas übernahm. Israel wirft ihm vor, die erste Intifada (palästinensischer Volksaufstand) mitorganisiert zu haben. 1997 überlebte Maschaal in Amman einen Tötungsversuch des israelischen Geheimdienstes. Im Dezember 2012 besuchte er nach der letzten Konfliktrunde den Gazastreifen - zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Tausende Palästinenser jubelten ihm zu. Er lebt heute in Katar.

Ismail Hanija

Hanija kam in einem Flüchtlingslager in Gaza zur Welt, wo er auch heute lebt. Er studierte an der Islamischen Universität in Gaza arabische Literatur. Als einer von etwa 400 Aufständischen wurde Hanija 1992 von Israel in den Südlibanon ausgewiesen. Nach seiner Rückkehr wurde er Büroleiter der Hamas, 2006 Ministerpräsident in dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen. Hanija gilt als vergleichsweise pragmatisch. In einigen Interviews deutete er die Bereitschaft zu einem Kompromiss über eine Zwei-Staaten-Lösung an.

Mussa Abu Marsuk

Die Nummer zwei der Hamas-Führung im Exil studierte in Ägypten und den USA. Marsuk soll gute Beziehungen zu muslimischen Spendern unterhalten, die die Hamas immer wieder finanziell unterstützten. Er soll außerdem an der Planung mehrerer Attentate in Israel beteiligt gewesen sein. In den vergangenen Monaten trieb er die Versöhnung mit der rivalisierenden Fatah voran. Der 63-Jährige lebt derzeit in Kairo.

Mahmud al-Sahar

Der ausgebildete Chirurg gehört zu den Gründungsvätern der Hamas. Als Sohn einer Ägypterin und eines Palästinensers wurde er 1945 in der Stadt Gaza geboren. Seine Jugend verbrachte er in Ägypten, wo er auch studierte. Nach seiner Rückkehr nach Gaza lehrte er an der örtlichen Islamischen Universität. In den 1970er-Jahren gründete er erst die Muslimbruderschaft im Gazastreifen und später zusammen mit Scheich Ahmed Jassin die Hamas. Die israelische Armee versuchte, Al-Sahar 2003 mit einer Bombe zu töten; er überlebte leicht verletzt, verlor aber einen Sohn. Nachdem Israel Scheich Jassin ein Jahr später gezielt getötet hatte, stieg Al-Sahar in den Führungszirkel der Hamas auf. Vor wenigen Tagen wurde sein Haus von der israelischen Armee zerstört.

Die Zeitung „Haaretz“ berichtete am Freitag, es habe mehrere Festnahmen gegeben. Einer der Verhafteten sei ein 37-jähriger führender Hamas-Aktivist. Der Anschlag sollte ein Signal an Israels Regierung sein, die Angriffe auf den Gazastreifen zu stoppen. Der Krieg zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas war Ende August nach 50 Tagen mit einer Waffenruhe zu Ende gegangen. In dieser Zeit wurden mehr als 2100 Palästinenser und mehr als 70 Israelis getötet.

Auch nach dem Gaza-Krieg erleben Israel und die Palästinensergebiete Wochen der Gewalt. Vor allem in Jerusalem kam es immer wieder zu Ausschreitungen und auch Anschlägen. Erst am Dienstag hatten zwei Palästinenser bei einem Anschlag in einer Synagoge in Jerusalem fünf Menschen getötet, bevor sie erschossen wurden.

In Jerusalem wurden nun erneut die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt, wie der israelische Rundfunk berichtete. In der Altstadt waren wegen des Freitagsgebets zahlreiche Sicherheitskräfte im Einsatz. Der Tempelberg war erneut für alle Muslime geöffnet. Aus Sorge vor Krawallen hatte Israel den Zugang in den vergangenen Wochen oft beschränkt.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas am Donnerstag in Telefonaten dazu auf, die Lage zu beruhigen und sich gegen Extremisten zu positionieren. Laut Mitteilung eines UN-Sprechers warnte Ban vor einer Spirale der Gewalt.

Von

dpa

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