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17.02.2014

10:39 Uhr

Ayatollah Ali Chamenei

„Atomgespräche werden nirgendwohin führen“

Das geistliche Oberhaupt des Iran lehnt Verhandlungen über die Atomfrage seines Landes zwar nicht ab – glaubt aber nicht so recht an einen Erfolg: „Ich bin nicht optimistisch“, sagt Ayatollah Ali Chamenei

Ayatollah Ali Chamenei: Der Iran hatte am 24. November in Genf ein sechsmonatiges Interimsabkommen mit der 5+1-Gruppe der UN-Vetomächte und Deutschlands erreicht. dpa

Ayatollah Ali Chamenei: Der Iran hatte am 24. November in Genf ein sechsmonatiges Interimsabkommen mit der 5+1-Gruppe der UN-Vetomächte und Deutschlands erreicht.

TeheranIrans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei hat sich pessimistisch über den Ausgang der am Dienstag beginnenden Atomgespräche geäußert. „Einige Vertreter der früheren und der aktuellen Regierung glauben, dass sie durch Verhandlungen in der Atomfrage das Problem lösen können“, sagte Chamenei laut seiner Internetseite am Montag vor tausenden Zuhörern in Teheran. „Doch ich wiederhole, dass ich nicht optimistisch über die Verhandlungen bin. Sie werden nirgendwohin führen. Ich bin aber auch nicht gegen sie.“

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hatte kürzlich bei einem Vortrag in Berlin gesagt, Chamenei sei bei den Verhandlungen voll eingebunden. Er bestimme die Richtlinien und werde über „jedes einzelne Detail“ informiert. Im Iran gibt es zwar Kritik des konservativen Flügels an den Bemühungen des moderaten Präsidenten Hassan Ruhani zur Beilegung des Atomkonflikts. Doch blieb sie bisher wirkungslos, da Chamenei, der in der Außenpolitik das letzte Wort hat, sich bisher dahinter gestellt hatte.

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

Der Iran hatte am 24. November in Genf ein sechsmonatiges Interimsabkommen mit der 5+1-Gruppe der UN-Vetomächte und Deutschlands erreicht. Dieses sieht vor, dass der Iran im Gegenzug für die Aussetzung gewisser Sanktionen die Urananreicherung einfriert, seine Bestände höher angereicherten Urans reduziert und verschärfte Kontrollen zulässt. Von Dienstag an soll in Wien nun über ein langfristiges Abkommen verhandelt werden, das die Zweifel des Westens an der friedlichen Zielsetzung des Atomprogramms beseitigt.

Von

afp

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