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07.11.2014

07:25 Uhr

Bafin-Präsidentin

König bewirbt sich um neuen Chefposten

ExklusivDie Chefin der deutschen Finanzaufsicht Bafin stand zuletzt wegen der zweifelhaften Rolle ihrer Behörde bei Anlegerskandalen in der Kritik. Nun will Elke König die europäische Abwicklungsbehörde der Banken leiten.

Die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Elke König, sucht nach neuen Aufgaben. dpa

Die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Elke König, sucht nach neuen Aufgaben.

DüsseldorfDie Präsidentin der deutschen Finanzaufsicht Bafin, Elke König, will Chefin der künftigen europäischen Abwicklungsbehörde für Banken (Single Resolution Mechanism) werden. König befindet sich neben zwei weiteren Kandidaten auf einer Auswahlliste, die die EU-Kommission in Kürze dem EU-Parlament vorlegen wird, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen.

Bei den Konkurrenten Königs handle es sich um den Gouverneur der belgischen Notenbank, Luc Coene, sowie den belgischen Politiker und früheren Chef der Europäischen Investitionsbank, Philippe Maystadt. „Frau König ist die fachlich Beste“, hieß es in hochrangigen Regierungskreisen. Die Bundesregierung habe der EU „ein exzellentes Personalangebot“ gemacht. Bafin und Bundesfinanzministerium kommentierten das nicht.

Die EU-Abwicklungsbehörde soll ab 2016 marode Banken des Euroraums abwickeln. Die Personalvorschläge der EU-Kommission könnten schon in der kommenden Woche auf die Tagesordnung der EU-Kommission gesetzt werden und danach an das EU-Parlament geschickt werden. Bereits in der übernächsten Woche könnten die Anhörungen beginnen. „Es ist gut möglich, dass der Berufungsprozess noch in diesem Jahr abgeschlossen sein wird“, sagte ein Kenner.

Zwölf ereignisreiche Bafin-Jahre

Mai 2002

Die Bafin heißt vollständig Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. 2002 entsteht sie durch die Zusammenlegung der Bundesaufsichtsämter für das Kreditwesen, den Wertpapierhandel und das Versicherungswesen. Erster Präsident: Jochen Sanio.

Juni 2003

Die Anschläge des 11. September bringen die Mannheimer Lebensversicherung AG in Schieflage. Die Bafin erarbeitet eine Auffanglösung – später übernimmt die Protektor Lebensversicherung AG das Unternehmen.

März 2005

Der Phoenix Kapitaldienst GmbH untersagt die Bafin ihre Geschäfte. Die Finanzaufsicht hatte von Unregelmäßigkeiten bei der Verwaltung von Treuhandgeldern in Höhe von 680 Millionen Euro erfahren.

März 2006

Die Bafin muss feststellen, dass einer ihrer Beamten Geld veruntreut hat – jahrelang. Der Mitarbeiter wird später zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der Schaden für die Behörde liegt bei 6,4 Millionen Euro.

2007

Juli: Die IKB Deutsche Industriebank AG macht Probleme, im Zuge der weltweiten Finanzkrise gerät die Bank ins Trudeln. Die Bafin organisiert einen Rettungsschirm, der mehrmals erweitert wird, bevor die staatliche KfW ihre Anteile an die Lone-Star-Gruppe überträgt.

August: Nun bekommt auch die Landesbank Sachsen Probleme, die Bafin befürchtet einen Liquiditätsengpass. Später übernimmt die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) das Institut.

2008

Februar: Die Bafin überprüft die Hypo Real Estate (HRE). Das Institut kann nur mit Hilfe der privaten Finanzwirtschaft und erheblicher Staatsunterstützung stabilisiert werden.

Frühjahr: Die WestLB AG, die BayernLB sowie die HSH Nordbank AG beantragen beim Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung die Gewährung von Garantien.

April: Die Bafin ordnet ihre Führung neu. Nachdem bislang Präsident Sanio die Behörde allein leitete, werden ihm nun vier Exekutivdirektoren zur Seite gestellt: Sabine Lautenschläger für die Bankenaufsicht, Karl-Burkhard Caspari für die Wertpapieraufsicht, Thomas Steffen für die Versicherungsaufsicht und Michael Sell für Querschnitts- und Verwaltungsaufgaben.

2011

Januar: Das Europäische System der Finanzaufsicht nimmt seine Arbeit auf. Auch die Bafin ist beteiligt und Mitglied in Gremien und Arbeitsgruppen. Außerdem entsendet sie Mitarbeiter in die europäischen Behörden.

Dezember: Präsident Jochen Sanio geht in den Ruhestand, Nachfolgerin wird Elke König. Im Direktorium sitzen neben König die Exekutivdirektoren Raimund Röseler für die Bankenaufsicht, Gabriele Hahn für Querschnitts- und Verwaltungsaufgaben, Felix Hufeld für die Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht und Karl-Burkhard Caspari für Wertpapieraufsicht und Asset-Management.

2014

Große Aufgabe: Die 2300 Bafin-Mitarbeiter kontrollieren 1880 Banken, 680 Finanzdienstleister, 600 Versicherer, 30 Pensionsfonds, 5900 inländische Fonds und 77 Kapitalanlagegesellschaften. Allerdings wird die Bafin im Zuge der Europäischen Bankenunion Anfang 2016 ihre Zuständigkeit für deutsche Großbanken verlieren.

Die Zeit drängt. Zwar soll die EU-Abwicklungsbehörde erst 2016 mit allen Kompetenzen ausgestattet an den Start gehen, doch die Aufbauarbeiten sollen bereits im kommenden Jahr beginnen. Wer das Rennen macht, ist offen. EU-Kommission, EU-Parlament und EU-Rat müssen sich letztlich auf einen Kandidaten einigen. König habe den Vorteil, die einzige Frau im Kandidatenkreis zu sein, sagte ein Kenner.

Allerdings seien zuletzt aber auch einige deutsche Kandidaten bei der Besetzung wichtiger Positionen bei der EU-Bankenaufsicht zum Zuge gekommen, so stellen sie zwei von vier Generaldirektoren bei der EZB-Bankenaufsicht.

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yo

Kommentare (1)

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Herr Manfred Zimmer

07.11.2014, 08:16 Uhr

Frau König könnte beste Chancen haben.

Nach dem schöne Peter-Prinzip hat sie bereits die höchste Stufe ihrer Karriere erreicht. Es gibt zwar die Behauptung, dass sie dies bereits zuvor erreichte, aber dazu gibt es zuwenig Informationen, die dies bestätigen oder widerlegen können.

Als Lobbyistin der Versicherungen Frage ich mich aber, was sie in ein Job für Bankenabwicklung beisteuern können.

Der Schritt sie aus ihrem derzeitigen Amt wegen erwiesener Unfähigkeit zu entfernen ist absolut korrekt. Sie aber in die nächste Behörde zu befördern - und dort unterstelle ich eine Führungsposition -, dürfte wohl das letzte sein, was einem einfallen kann.

Auszuschließen ist es aber nicht. Schließlich hat die EU derzeit auch einen Präsidenten, den Deutschland - wäre er ein Schweizer - in Polen verhaften ließe.

Mit Systematik hat dies alles schon lange nichts mehr zu tun. Spätestens seit dem unser Bundestag zur Volkskammer mutierte, sind alle Dämme gebrochen. Wir sind scheinbar auf direktem Weg der ehemaligen DDR zu folgen. Da nützt auch die Bemerkung des Bundespräsidenten nichts, die LINKE anzuprangern, wenn sich die großen Parteien schon lange dem ehemaligen DDR-Regime scheinbar angepasst haben.

Folgen wir dem Aufruf des Alt-Bundespräsidenten Herzog: "Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen." Schluss mit dem Schwachsinn in der Politik! An dieser Stelle hätte man durchaus auch aktueller reagieren können und die jüngsten Äußerungen von Helmut Kohl oder die alten Äußerungen von Ludwig Poullain zu Merkel heranziehen können.

Unter der Fortsetzung der bisherigen Politik hat Frau König beste Chancen, es sei denn, dass Frankreich die Position mit einer Fachkraft aus eigenen Reihen besetzen kann und will.

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