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20.05.2015

09:24 Uhr

Ban Ki Moon wird Einreise verwehrt

Nordkorea lässt Uno-Generalsekretär nicht ins Land

Seit mehr als 20 Jahren hat kein Uno-Generalsekretär Nordkorea besucht. Ban Ki Moon wollte das ändern – und vereinbarte einen Besuchstermin. Doch nun rudert Kim Jong Un zurück – treibt aber sein Atomprogramm voran.

Seit 2007 ist Ban Ki-Moon Generalsekretär der Vereinten Nationen. Zuvor war er Außenminister Südkoreas. dpa

Ban Ki-Moon

Seit 2007 ist Ban Ki-Moon Generalsekretär der Vereinten Nationen. Zuvor war er Außenminister Südkoreas.

SeoulNordkorea hat seine Einladung an Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon überraschend zurückgezogen. Ban wollte eigentlich am Donnerstag in einem Gewerbegebiet nahe der Stadt Kaesong unweit der innerkoreanischen Grenze Fabriken besuchen. Der Industriepark wird gemeinsam von Nord- und Südkorea betrieben und ist damit das letzte größere Kooperationsprojekt der beiden rivalisierenden Länder.

Doch aus seinem Besuch werde nichts, nachdem Pjöngjang diesen abgekündigt habe, sagte Ban am Mittwoch bei einem Forum in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Dies habe ihm Nordkorea mitgeteilt. „Die Entscheidung von Pjöngjang ist zutiefst bedauernswert“, sagte Ban.

Eine Erklärung für die Last-Minute-Absage habe es nicht gegeben. Er werde dennoch keinen Versuch ungenutzt lassen, um den Norden zu einer Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft für Frieden und Stabilität auf der Koreanischen Halbinsel und darüber hinaus zu ermuntern.

Nordkoreas Verbündete

China

Die Volksrepublik ist mit Abstand Nordkoreas größter Exportpartner. Nicht in den Statistiken tauchen umfangreiche Nahrungsmittel- und Energiehilfen auf. Peking hat mehr Einfluss auf Pjöngjang als jeder andere Staat. Allerdings hat auch China Nordkoreas dritten Atomtest verurteilt und den jüngsten Sanktionen des UN-Sicherheitsrats zugestimmt - das zeigt die Verärgerung über den jungen Machthaber Kim Jong Un.

Als Gastgeber organisierte Peking mehrere Runden der Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea, China, den USA, Südkorea, Japan und Russland. Für ein Ende des Atomwaffenprogramms standen diplomatische Zugeständnisse und Wirtschaftshilfen in Aussicht. Doch Nordkorea ließ die Verhandlungen 2009 platzen und setzt bis heute allein auf Konfrontation.

Iran

Nordkorea ist seit Jahren ein wichtiger Waffenlieferant für Teheran. Nach Angaben der Vereinten Nationen exportierte Pjöngjang auch für Atom-Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran. 2012 vereinbarten das Mullah-Regime und die kommunistische Diktatur eine noch engere Zusammenarbeit. Zu diesem Zweck unterzeichneten Vertreter beider Länder mehrere Kooperationsabkommen im Technologiebereich. Konkret geht es um Energie, Umwelt, Landwirtschaft und Lebensmittel, eine engere Zusammenarbeit bei der Forschung sowie um Austauschprogramme für Studenten.

Russland

Pjöngjang steht in Moskau noch aus sowjetischer Zeit mit rund elf Milliarden US-Dollar in der Kreide. Das Verhältnis der einst engen Verbündeten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt. Noch im Sommer 2011 wollten der damalige Kremlchef Dmitri Medwedew und der bereits von Krankheit geschwächte nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il neuen Schwung in die Beziehungen bringen. Sie kündeten zahlreiche gemeinsame Projekte an, doch blieb es meist bei Absichtserklärungen. So scheiterte auch der Bau einer Pipeline, die russisches Erdgas über nordkoreanisches Gebiet nach Südkorea transportieren sollte.

Kuba

Nordkorea und Kuba kooperieren unter anderem in den Bereichen Energie, Landwirtschaft und Biotechnologie. Seit 1960 gibt es diplomatische Beziehungen zwischen Havanna und Pjöngjang. Auf den Tod des „Genossen Kim Jong Il“ im Dezember 2011 reagierte Kubas Regierung mit einer dreitägigen Staatstrauer.

Ban wäre der erste Uno-Chef gewesen, der den 2004 eröffneten Park besucht hätte. Sein Besuch wäre außerdem der erste eines Uno-Generalsekretärs in Nordkorea seit dem von Boutros Boutros-Ghali im Jahr 1993 gewesen. Die Koreanische Halbinsel befindet sich nach dem Koreakrieg zwischen 1950 und 1953 offiziell weiterhin im Kriegszustand, weil der Krieg mit einem Waffenstillstand und nicht mit einem Friedensabkommen geendet hatte.

Der Industriepark wurde in einer Zeit eröffnet, in der sich die beiden Koreas angenähert hatten. Er verbindet günstige lokale Arbeitskräfte mit südkoreanischen Technologien und ist als Testfall für die Vereinigung angesehen worden.

Ban, der früher südkoreanischer Außenminister war, hatte Nordkorea am Dienstag wegen eines erneuten Raketentests vor einer Eskalation der militärischen Spannungen in der Region gewarnt. Zugleich rief er das Land auf, die Resolutionen des UN-Sicherheitsrates umzusetzen.

Derweil treibt Nordkorea sein militärisches Atomprogramm voran: Am Mittwoch gab die mächtige Nationale Verteidigungskommission in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung bekannt, dass die Entwicklung kleinerer Atomsprengköpfe gelungen sei, mit denen sich Raketen bestücken lassen könnten.

Es sei viel Zeit vergangen, „seit wir mit der Verkleinerung und der Diversifizierung unserer Mittel für einen Atomschlag" begonnen haben, hieß es in der Mitteilung. Die „Stufe der höchsten Grades der Genauigkeit nicht nur für Kurz- und Mittelstreckenraketen, sondern auch für Langstreckenraketen" sei erreicht. „Wir verbergen diese Tatsache nicht."

US-Forscher hatten jüngst davor gewarnt, dass Nordkorea in den kommenden fünf Jahren sein Atomprogramm ausweiten und bis zum Jahr 2020 über hundert Atomsprengköpfe verfügen könnte. Auch Südkorea geht davon aus, dass der kommunistische Norden inzwischen über die Technologie verfügt, um zumindest einen kleinen Atomsprengkopf zur Bestückung einer Rakete zu bauen.

Nordkorea nahm nach eigenen Angaben in den Jahren 2006, 2009 und 2013 Atomtests vor. Vor knapp zwei Wochen hatte das Land nach eigenen Angaben zudem eine neue ballistische Rakete von einem U-Boot abgefeuert. Es verstößt mit solchen Tests gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats.

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